In dieser Woche, vor dem Frauenstreiktag am Freitag, kreuzen sich Experten, Kenner/innen und Fachleute die Klingen und suchen nach Erklärungen, resp. fadenscheinigen Entschuldigungen, warum im 21. Jahrhundert die Frauen immer noch um ihre Gleichberechtigung und vor allen die gleiche Lohnbasis wie jene der Männer streiten und streiken müssen.

Diskussionen, welche schon vor über 25 Jahren, dem ersten schweizweiten Frauenstreiktag, geführt wurden. Wir sind nur im Pilgerschrittverfahren, das heisst drei Schritte nach vorne und zwei zurück, vorangekommen und so kaum einen Deut weiter. Nochmals peinlich und in einer modernen Demokratie wie in der Schweiz peinlich und beschämend.

Da nützen alle Gesetze und guten Vorsätze nichts, wenn die Bosse auf den Teppichetagen sich kaum um Gesetze und Frauenrechte kümmern, denn sie sind, so wie es aussieht, dem Shareholder (der Gewinnmaximierung für die Aktionäre) mehr als den Rechten für die Frauen verpflichtet.

Da nützen weder Frauenquoten noch Gesetzte und schon gar keine haltlosen Versprechen. Es gibt Frauen, die haben es geschafft und sind auf politischen, gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Teppichetagen angekommen und ticken dann, was die Lohngleichheit angeht, plötzlich wie die Männer. Sie schieben dann die Verantwortung an ihre weiblichen Kolleginnen nach unten ab und unterstellen ihnen, dass sie sich zu wenig wehren, zu wenig gut verkaufen und sich nicht mit ihren Stärken genügend einbringen. So gehört auch von Nationalrätin Doris Fiala (Club SRF) und weiteren Protagonistinnen in der Rundschau (SRF). Ihr Lohn scheint zu stimmen und sie scheinen das Ziel erreicht zu haben.

Ich unterstelle den Frauen in Führungspositionen, dass sie gleich ticken wie die Männer in denselben Positionen. Sie haben ihre gewünschte Position erreicht, verpflichten sich dem Shareholder der Unternehmung. Die Rechte der Frauen schieben sie vor sich hin oder delegieren sie zurück. Dies, obwohl eigentlich alles schwarz auf weiss in unseren Gesetzen steht.

Für einmal scheint das Problem nicht ein politisches, sondern ein wirtschaftliches und gesellschaftliches zu sein. Erst wenn die Unternehmer und Firmenchefs sich nach dem Gesetzt richten, werden die Frauen fair entlöhnt und nicht benachteiligt. Solange wir aber noch in der Epoche des letzten Jahrhunderts verharren und Menschen, in diesem Falle die Frauen, welche sich wehren eher mit versteckten Repressalien rechnen müssen, kommen wir nicht weiter. Peinlich und beschämend. Der nächste schweizweite Frauenstreiktag im Jahr 2044, eine Generation später, ist dann schon vorprogrammiert. Auch wenn am Freitag, am Frauenstreiktag einiges stillstehen wird, ist das leider am Montag schon wieder Schnee von gestern und weggeschmolzen. Leider und beschämend!

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.