Die Corona-Pandemie hat die Kunst-Szene lahmgelegt. Nun haben Interessierte jedoch einen Grund zur Freude: Sie können sich für einen Aufenthalt in Genua bewerben. Die Städtekonferenz Kultur stellt den Mitgliedstädten Ateliers in diversen Städten zur Verfügung. Dort können Kulturschaffende aus der Schweiz gleichzeitig wohnen und arbeiten. Das erste Atelier, welches die Stadt Wil ausschreiben durfte, liegt in Belgrad. Nun können sich Kunstschaffende für jenes in Genua bewerben. Zwar gingen bei den letzten Ausschreibungen nicht allzu viele Bewerbungen ein, hält die Kulturbeauftragte Valentina De Pasquale fest. «Aus Sicht der Fachstelle Kultur sind diese Zahlen im Moment nicht wirklich repräsentativ, da die Ausschreibungen zu Beginn und während der Covid-Pandemie veröffentlicht wurden und sich das Reisen allgemein als erschwert herausstellte.»

Aus Worten wird ein Roman

Dies machte sich beispielsweise beim letzten geplanten Aufenthalt in Belgrad bemerkbar. Durch die Corona-Situation war das Reisen damals erschwert, die Künstlerin fühlte sich laut den Verantwortlichen nicht wohl, in der genannten Situation nach Belgrad zu reisen. «Sie hatte sich deshalb hier vor Ort intensiv mit dem eingegebenen Projekt auseinandergesetzt. Durch diese Auszeit hat die Künstlerin mit einem Projekt gestartet, welches sich nach und nach zu einem Roman entwickelt hat», so De Pasquale weiter. In wenigen Monaten würde nun die Buchpräsentation stattfinden. Die zweite Stipendiatin habe die Zeit in Genua genutzt, um sich künstlerisch weiterzuentwickeln und ihr Schaffen zu vertiefen.

Wertvolle Auszeit

Die Erfahrungen mit den Stipendien seitens der Fachstelle Kultur waren bisher sehr gut. De Pasquale: «Das Feedback der Stipendiatinnen war durchs Band positiv, sie profitierten von dieser künstlerischen Auszeit und der Möglichkeit, sich ausschliesslich ihrer künstlerischen Tätigkeiten zu widmen. Solche Auszeiten sind sehr wertvoll und treiben Kunstschaffende in ihrer künstlerischen Entwicklung an.»

Damit Kulturschaffende sich für ein Stipendium bewerben können, müssen sie einige Voraussetzungen mitbringen – beispielsweise einen Bezug zur Stadt Wil, ein Motivationsschreiben sowie die Bereitschaft, sich während dreier Monate mit einer anderen Kultur auseinanderzusetzen. «Die Vorteile sind, dass sie sich über Monate voll und ganz ihrem künstlerischen Schaffen widmen können», sagt De Pasquale weiter. In dieser Zeit würden sie Inspiration schöpfen, sich neuen Einflüssen aussetzen – und so ihr Netzwerk erweitern. «Solch ein Tapetenwechsel hat in der Regel einen positiven und einschneidenden Einfluss auf die künstlerische Entwicklung.» Ziel der Ateliervergaben sei es, professionelles Kulturschaffen sowie den Kulturaustausch zwischen der Schweiz und dem Gastland zu fördern.

Keine finanziellen Engpässe

Daneben beteiligt sich die Stadt an den Lebenskosten mit 4'500 Franken. Einerseits handelt es sich hierbei laut den Verantwortlichen um Abmachungen mit der Städtekonferenz Kultur. Andererseits sei es aber auch wichtig, den Kunstschaffenden diesen Raum zu geben. «Die Künstlerinnen und Künstler sollen sich während der Auszeit von mehreren Monaten ganz auf das künstlerische Schaffen konzentrieren können und nicht von finanziellen Engpässen in ihrer Kreativität blockiert werden.» Die meisten Kunstschaffenden seien neben ihrer künstlerischen Arbeit berufstätig, um das Grundeinkommen zu sichern. Somit könnten sie sich nicht hundertprozentig auf die künstlerische Tätigkeit und deren Weiterentwicklung konzentrieren. Mit dem Stipendium werde ihnen diese Möglichkeit gegeben.