Das Wummern eines Basses dringt aus dem «Linde Pub». In der kalten Luft vermischt es sich mit Gesprächsfetzen, die von den Rauchenden vor dem benachbarten Restaurant Barcelona herüberwehen. Kurz nach neun Uhr abends ist das Konzert von Glenbozo bereits in vollem Gang. Immer wieder öffnet sich die Türe zur Linde, Menschen wollen rein, Menschen wollen raus. So soll es sein bei «Musig i dä Beiz». Dass man sich von Beiz zu Beiz, von Band zu Band bewegt, ist die Idee des Festivals, das am Samstagabend in elf Wiler Bars und Restaurants über die Bühne ging. Doch nicht alle folgen dem Aufruf zur musikalischen Beizentour. David Vuillemin und seine Kollegen sitzen in der Linde an der Bar, vor sich ein grosses Bier. «Wahrscheinlich bleiben wir den ganzen Abend hier», sagt Vuillemin. Die Linde sei ihre Stammbeiz und die Band müsste «schon sehr schlecht sein», damit er heute Abend noch woanders hingehen würde. Am Samstag ist das aber kein Thema, der schnörkellose Rock der Glarner gefällt ihm.

Zwischen dem Kopf von Sänger Roger Gallatis Gitarre und Vuillemins Rücken ist manchmal kaum ein Meter Platz. Wenn sich Gäste zum Ausgang oder zum Tresen durcharbeiten, muss Gallati deshalb aus dem Augenwinkel aufpassen, dass ihm kein Ellbogen den Akkord vermasselt. Doch die Sardinenbüchsenatmosphäre gefällt Gallati, wie er in der Rauchpause vor dem zweiten Set erzählt. Kleine, vollgepackte Bars, genau so mag er es: «Da ist man nahe an den Leuten.»


Wohin der Song fliesst

Ein Haus weiter, in der «Böckli Bar», tigert Bozsik vor seinen Bandkollegen auf und ab, atem- und rastlos, wie es scheint. Gerade experimentiert er mit Textzeilen des Lieds «Light My Fire» von The Doors. Seine Stimme und Bühnenpräsenz bilden das emotionale Zentrum des Bluesrocks der Living Session Band, deren Songs in ausgedehnten Jamsessions entstehen. Gefunden hat sich die Gruppe einst im Musikatelier der Psychiatrischen Klinik Wil. Bis heute seien die Bandmitglieder auch privat gute Freunde, sagt Bozsik. Er ist sich sicher: Anders wäre diese intuitive Art des Musizierens nicht möglich. Auch live haben die Songs der Living Session Band einen hohen Improvisationsanteil. Immer wieder stellen die stoisch sitzenden Musiker Augenkontakt her, um den Song kurz darauf in eine neue Richtung fliessen zu lassen. Davor singt und tanzt Bozsik und mit ihm das Publikum, das sich vor ihm zu einem wogenden Halbkreis formiert hat.

Wegen der Musik oder wegen der Beiz?

Im «La Moka» ist gerade Pause. Im gediegenen Altstadtcafé spielt mit Maltschik die wohl jüngste Band des Abends. Familien und Freunde aus der Kanti Wil, wo sich die Bandmitglieder im Musiklager kennengelernt haben, warten bis es weitergeht. Der verspielte Pop mit starken Funk- und Soulanleihen von Maltschik ist Musik, bei der man genau hinhören muss, damit man mitbekommt, was alles auf den Instrumenten passiert. Da ist der «Nicotin Rock», wie Sonic Hiker aus Konstanz ihren Stil selbst betiteln, einfacher gestrickt. In «Gino’s Kunstcafé» heult die Gitarre, pumpt der Kontrabass und treibt das Schlagzeug vom ersten bis zum letzten Takt. Die einen ziehen ein Haus weiter, die anderen bleiben, sobald die Musik zur Pause verstummt. Die einen wegen der Musik, die anderen wegen der Beiz.