Fabian Kuhn, Pfarrer der reformierten Kirche Lütisburg, nahm während des Festgottesdienstes am 9. August, Bezug auf einen Artikel in einer deutschen Zeitschrift, in dem prophezeit wurde, dass die Kirche eine palliative Behandlung brauche. Es gelte die Schmerzen zu lindern, da die Kirche ja im Sterben liege. Sektenkenner Hugo Stamm übernahm die Zeilen, änderte den Schluss aber ab. Im Originaltext des deutschen Pfarrers hiess, dass die Kirche zwar im Sterben liege, der Glaube aber überleben werde.

Stamm hingegen wagte die These, es sei wahrscheinlicher, dass Jesus mit dem Untergang der kirchlichen Institutionen seinen Status als Sohn Gottes verlieren und nur noch als religiöse Legende in Erinnerung bleiben werde, dem wir noch die Feiertage verdanken. Für Kuhn ist klar, dass die Kirche nicht zu Ende ist, dies zeigten nicht nur die Zahlen, die besagen, dass ein Viertel der Bevölkerung reformiert sei und 60 Prozent einer religiösen Organisation angehörten. «Im Vergleich zu den Anfängen der christlichen Gemeinde sind die heutigen Zustände paradiesisch.»

Das Feiern lohnt sich

Für den Pfarrer als auch für den Präsidenten der evangelischen Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, Enzo Fuschini, lohnt sich das Feiern nach wie vor. Die Kirche sei nicht am Ende. «Das Engagement für die Kirchgemeinde von Hanspeter Künzli aus Tufertschwil und Larissa Krieg aus Lütisburg-Station bewiesen das Gegenteil», so Fuschini. Er bedaure den Rücktritt von Künzli, der sich während zehn Jahren als Liegenschaftsverwalter einsetzte. Gleichzeitig habe er aber auch Verständnis für den Entscheid, der aus beruflichen und familiären Gründen gegen die Kirchgemeinde ausfiel, so Fuschini.

Familien, die sich einsetzen

Als Sinnbild des weinenden Auges überreicht der Präsident dem Scheidenden einen «Spitzbueb mit Lätsch». Mit lachendem Auge begrüsste Fuschini Larissa Krieg. Die angehende Pflegefachfrau nimmt vorerst ohne Ressort Einsitz in die Vorsteherschaft, wird aber die Auffassungen und Ansichten der Jungen einbringen. «Hanspeter Künzli und Larissa Krieg haben sicher eines gemeinsam: Beide stammen aus Familien, die sich über Generationen oder mit mehreren Mitgliedern für die Kirche beziehungsweise die Gemeinschaft einsetzen.» Ein langanhaltender Applaus der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher galt als herzliches Dankeschön.

Der Gottesdienst wurde von Franziska Pfister an der Orgel und Pierre Schweizer, Trompete, begleitet. Danach wurde im Freien zugeprostet, ganz im Sinne von Pfarrer Fabian Kuhn. Denn er stellte seine Predigt unter Mt 18,19-20 «Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…» und zeigte auf, wie Jesus seine Kirche definiert. 

Predigt und Gottesdienst sind auch auf der Webseite der Evangelischen Kirchgemeinde Unteres Toggenburg oder direkt auf Youtube abrufbar.