Gerade einmal acht Stimmberechtigte fanden sich in der Aula Oberhofen ein, um zuzuhören, wie der Präsident der Volksschulgemeinde Münchwilen, Lukas Weinhappl, für ein Ja beim Urnengang vom 20. Oktober warb. Oder anders ausgedrückt: Hätte man den Baukredit, welcher sich für den Neubau Schulhaus 4 und die notwendigen baulichen Anpassungen in den Schulhäusern 2 und 3 sowie im Aula-Gelände auf 9,78 Millionen Franken beläuft, auf alle anwesenden Münchwiler verteilt, so hätte der Ort am Mittwochabend plötzlich einige Vermögensmillionäre mehr gehabt. 

Teure Bäume stossen auf Kritik

Die Anwesenden äusserten sich weitgehend positiv zum baulich einfachen, dauerhaft und ressourceneffizient konzipierten Neubau. Während dieser – eine Holzkonstruktion mit Kupferdach und Minergie-Standard - als solcher von niemanden in Frage gestellt wurde, sah dies bei dem Umgang mit der vorhandenen «stolzen Baumsubstanz» (Weinhappl) ein wenig anders aus. Einige Votanten äusserten ihr Erstaunen darüber, dass man den vorhandenen Bäumen eine grössere Priorität einräume denn der Kosteneffizienz beim Bau.

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Der Präsident der Volkschulgemeinde Münchwilen, Lukas Weinhappl, spricht zur überschaubaren Runde 


20 Jahre bis die Bäume nachgewachsen wären

Weinhappl erwiderte, dass man sich über den Umgang mit den Bäumen viele Gedanken gemacht habe. Auch in der Behörde und Baukommission sei man nicht immer der gleichen Meinung gewesen. Dass man die Bäume im Norden des Areals nicht gefällt habe, hänge vor allem mit der Tatsache zusammen, dass «es wohl sicher 20 oder mehr Jahre dauern würde, bis Ersatzbäume die Grösse der jetzigen Bäume erreichen würden». Eine Radikallösung, welche das Fällen vieler Bäume beinhaltet hätte, um somit den benötigten Neubau noch vorteilhafter platzieren zu können, sei laut Weinhappl erst recht ein No-Go gewesen. «Wenn wir angefangen hätten, Bäume im grossen Stil zu fällen, dann hätten wir wohl hier heute bedeutend mehr Zuhörer», sagte der Schulpräsident halbernst.

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So wird das Schulzentrum Oberhofen im Juli 2021 aussehen, falls die Stimmbürger am 20. Oktober dem Baukredit von knapp 10 Millionen Franken zustimmen.


Campusartiges Areal für 400 Kinder

Doch warum braucht Münchwilen auf dem Schulareal Oberhofen überhaupt ein neues Schulhaus? Weinhappl machte klar, dass das ganze Bauvorhaben auf dem «Gesamtkonzept Schulraumplanung bis 2030» fusst, das mit einem Mehrbedarf an zusätzlich benötigtem Schulraum für mindestens einen Kindergarten und zwei Klassenzimmern rechnet. Aktuell verfügt das Schulzentrum Oberhofen über drei Klassenzimmer ohne Gruppenräume im Schulhaus 1, drei deutlich zu kleine Klassenzimmer mit teilweise vorhandenen Gruppenräumen im Schulhaus 2 und sechs Klassenzimmer mit ausbaufähigen Materialzimmern im Schulhaus drei. Hinzu kommt, dass aufgrund des Provisoriums neu drei Kindergärten in der Schulstrasse und zwei eingemietete und grosszügige Kindergärten in der «Strumpfi» beheimatet sind.

Mit dem Neubau des Schulhauses 4 soll ermöglicht werden, dass auf dem dann campusartigen Gelände rund 400 Kinder unterrichtet werden. Insgesamt soll das Schulzentrum mit dem Neubau nach dessen Vollendung im Juli 2021 Platz für fünf Kindergärten und 15 Klassenzimmer (jetzt 12) haben. «Wir können so relativ teure Mietlösungen beenden, deutlich zu kleine Klassenzimmer ohne Gruppenräume sinnvoll für anderes nutzen und insgesamt den Unterricht einfacher gestalten», sagte Weinhappl.