Schlagfertig, kurzweilig und mit einer gehörigen Portion an schwarzem Humor versehen – so kommt die neueste Produktion des Kliwi-Theaters, «Miss Sophies Erbe», daher.Am Samstagabend war Premiere auf der grossen Bühne im Personalrestaurant der Psychiatrie St. Gallen Nord. Sie fand in einem fast vollen Saal und vor einem erwartungsfrohen Publikum statt. Und dieses, dass sollte sich schon sehr schnell zeigen, kam von Anfang an voll auf seine Kosten.

Akkordarbeit für die Lachmuskeln
Denn das Tempo, das in Sachen Sprachwitz und Schlagfertigkeit in dieser Komödie vom ersten Dialog an angeschlagen wird, ist atemberaubend und wird vom sehr agilen und wunderbar harmonierenden Ensemble, was keineswegs selbstverständlich ist, äusserst vital zwei volle Stunden durchgehalten.

Wer sich einmal eine halbe Minute ablenken lässt – vielleicht weil er während der Vorstellung eine SMS seiner Erb-Tante lesen «muss»? – kann sicher sein, in dieser Zeit mindestens vier Gags zu verpassen, so sehr prasseln diese sperrfeuermässig aufs Publikum ein und verleiten dessen Lachmuskeln zu Akkordarbeit.

Schwungvoll und überzeugend
Zum Ensemble ist festzuhalten: Egal, ob sie als Operettendiva Stroganoff (Ilona Scheuring), Gundula von Knorpsheim (Vreni Brunner), Modemacher Siegfried Roy Toby (Andreas Bosshard), Pflegerin Gilla Winterbottom (Ingeborg Nienhuis), Butler Paul (Levin Maag), Köchin Marlies (Daniela Bissegger) oder Butler (Dominic Scheuring) in eine der vielen Rollen schlüpften, sie brachten die zwar leicht daherkommende, aber gerade deshalb umso schwieriger zu spielende Komödie, schwungvoll und vollauf überzeugend auf jene Bretter, die für so Manchen die Welt bedeuten.

Zoff bis zum bitteren Ende
Kurz zum Inhalt: Miss Sophie ist tot und hat vier Gäste zwecks Testamentsvollstreckung auf den Ansitz Kübelstein einbestellen lassen. Da das Testament erst am nächsten Tag eröffnet werden soll, verbringen die unterschiedlichsten Charaktere, die mehr miteinander gemeinsam haben, als ihnen lieb ist, eine gemeinsame Nacht und einen ganzen Vormittag im alten Gemäuer.

Dort – zwischen Bibliothek und Musikzimmer – tun sich, je länger, je drastischer, Abgründe auf. Was anfänglich wie Blödelei und Klamauk daherkommt, wird alsbald bitterböser Ernst – so dass einem, im übertragenen Sinne das «Dinner for one» im Halse stecken. Und auch das Ende ist tiefschwarz, makaber und zugleich absolut sehenswert.

Moral, welche Moral?
Damit ist klar, welcher Natur die turbulente Testamentsvollstreckungs-Komödie von Andreas Wening (Dialektfassung von Peter Weber; Regie Sandra Burics) ist. Wer nach Tiefgang oder zumindest einem moralischen Kompass sucht, ist hier fehl am Platz; eher sind hier «Abrissbirne» und «Vorschlaghammer» verbal im Dauereinsatz – und dies äusserst erfolgreich.

Wer skurrile Dialoge liebt und einfach einer fiktiven Fortsetzung des Silvester-TV-Klassikers «Dinner for one» beiwohnen möchte, kommt jedoch hier voll auf seine Kosten. Sogar das Tigerfell aus dem Original ist adrett im Bühnenvordergrund platziert – auch wenn real keiner der Protagonisten darüber stolpert. Dafür gibt es genug andere «Fallen», die im Verlaufe des Abends darauf warten, ausgelöst zu werden.

Noch fünf weitere Vorstellungen
Bis zum Samstag, den 24. März, werden noch fünf weitere Abendvorstellungen von «Miss Sophies Erbe» gegeben. Weitere Infos über die jeweiligen Aufführungen unter: www.kliwi.ch