Dr. Bernhard Winkler, Oberarzt der Suchttherapiestation in Wil berichtete aus seiner reichen Erfahrung. Andrea Raschle von der Angehörigenberatung begrüsste Referent und Gäste.«Eine goht scho no» hört man immer wieder am Wirtshaustisch oder hat es vielleicht schon selbst gesagt. Und doch – gerade dieser «eine» kann verheerend wirken, also besser «nein» sagen.

Historie
In der Natur entsteht Alkohol durch die Vergärung von Zucker in Anwesenheit von Hefepilzen. Schon früh haben die Menschen die berauschende Wirkung entdeckt, vor allem in nicht mehr ganz frischem Obst. Honig vergärt in der Natur ganz ohne Zutun des Menschen, weshalb der Honigwein MET von den Wikingern auch als «Geschenk der Götter» bezeichnet wurde. Schon vor ca. 12'000 Jahren stellten die Menschen im vorderen Orient alkoholhaltige Getränke aus Getreide her. Die Römer erwählten Bacchus zum Gott des Weines. Bei Julius Cäsar erhielt jeder Soldat 1l Wein pro Tag zum Schutz vor Durchfall und als Mutmacher. Im Mittelalter der Christenheit wurden Messwein hergestellt, Mönche brauten Starkbier. Mit der Industrialisierung wurde vermehrt Alkohol getrunken. Dadurch kam die Prohibition in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie führte aber nicht zum gewünschten Effekt, eher zur Kriminalität.

Was ist Alkohol und wofür wird er gebraucht
Alkohol ist ein wichtiges Lösungsmittel, meist auf der Basis von Methanol, Ethanol, Propanol und Butanol. Es lassen sich Fette, Harze, Lacke, Öle usw. darin lösen. Auch viele Filzstifte enthalten Ethanol, ebenfalls Reinigungsmittel und Kosmetika. In der Medizin dient er als Desinfektions- und Konservierungsmittel. Vor allem die Naturheilkunde verwendet viele Mittel, die in Alkohol gelöst sind, zum Beispiel Tropfen.

Welche Kosten verursacht der Alkohol
Durch Alkoholkonsum werden hohe gesellschaftliche Kosten verursacht. Direkte Kosten: Ressourcenverbrauch im Gesundheitswesen und bei der Strafverfolgung (Straftaten in Berindung mit Alkohol), indirekte Kosten: Produktivitätsverluste durch alkoholbedingte Krankheiten und Todesfälle (Ausfälle in der Produktion, fehlerhafte Produkte). Die Gesamtkosten betrugen im Jahr 2010 in der Schweiz 4,2 Milliarden, direkte Kosten 864 Millionen, davon 613 Millionen im Gesundheitswesen.

Wie schade Alkohol dem Menschen
Alkohol ist grundsätzlich für alle Organe toxisch, besonders geschädigt werden, Leber und Gehirn. 3 – 5 Minuten nach dem Genuss wird der Alkohol im ganzen Körper verteilt, d.h. alle Organe sind betroffen. Bereits bei 0,3‰ Blutalkohol wird eine leichte Gangunsicherheit festgestellt, bei 0,4‰ entsteht eine Störung der Blindzielbewegung, 06‰ verlängern die Reaktionszeit, 1,4‰ ist die Grenze für koordinierte Reaktion und bei 2,0‰ fällt das Erinnerungsvermögen weg. Das Hirn reagiert mit Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwäche, Depressionen. Die Leber kann das Östrogen nicht mehr abbauen, das führt zu Fettleber, Schrumpfleber, Leberzirrhose oder Leberkrebs. Der Herzmuskel wird grösser, kann nicht mehr die volle Pumpleistung erbringen. Als Folge entsteht Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Herzmuskelerkrankungen. Geschädigte Nerven zeigen sich unter anderem im Taubheitsgefühl.

Soziale Folgeschäden
Alkoholkranke Menschen ziehen sich zurück, verlieren Familie und Freunde, vernachlässigen Freizeitbeschäftigungen, versagen am Arbeitsplatz, was zu Stellenverlust und finanziellen Problemen führt. Die Beschaffungskriminalität nimmt zu. Für den Patienten gibt es nur noch den Zwang zum Alkohol, alles andere verliert an Bedeutung. Die diagnostischen Kriterien des Gebrauchs nach dem ICD-10-Code sind genau umschrieben.

Was kann man selbst tun?
Als allgemeiner Orientierungsrahmen für einen risikoarmen Konsum gilt: 1 – bis maximal 2 Standardgläser pro Tag für eine gesunde, erwachsene Frau. Für den Mann sind es 2 bis maximal 3 Standardgläser. Ein Standardglas Alkohol enthält ungefähr 10 Gramm reinen Alkohol. So viel ist zum Beispiel in einem Glas Bier (0,25 l), einem Glas Wein (0,1 l), einem Glas Sekt (0,2 l) oder einem Schnaps (4 cl) enthalten. Menschen, bei denen mindestens ein Elternteil alkoholabhängig ist, sollten ganz auf Alkohol verzichten. Ebenso, wenn in deren Familien Brust- oder Dickdarmkarzinom bekannt sind. Auch Personen, die unter Erkrankungen leiden, die durch Alkohol verschlechtert werden, wie Refluxerkrankung, Dickdarmpolypen , Bauchspeicheldrüsen- oder Leberkrankungen.

Behandlungsmöglichkeiten
Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Wichtig ist aber, beim geringsten Verdacht Hilfe suchen - beim Hausarzt, einer Suchtberatungsstelle, in einer Klinik usw. Für Fragen und Diskussionen wende man sich an eine der folgenden Internetadressen: www.suchtschweiz.ch – www.sucht-info.ch – www.blaueskreuz.ch – www.bag.admin.ch – www.fosumos.ch – www.psgn.ch. Niemand soll sich aus Scham nicht helfen lassen, denn Ausstieg aus dem Alkohol ist mit entsprechender Fachhilfe möglich und macht das Leben wieder wertvoller. In der Fragestunde ging es vor allem um das Problem, wie spreche ich Menschen an, bei denen ich ein Alkoholproblem erkenne. Der Referent meinte: «Man muss sehr sensibel vorgehen, keine Diagnose stellen, dafür Fakten erwähnen. Die Betroffenen werden immer verneinen, aber steter Tropfen höhlt den Stein