Der zweite Anlauf auf dem Weg in den Bundesrat läuft für Karin Keller-Sutter weiterhin nach Plan. Im Stadtsaal Wil hat sie die drittletzte Hürde übersprungen, bevor sie sich ab dem 5. Dezember aller Voraussicht nach Bundesrätin nennen darf – und die Stadt Wil erstmals überhaupt Repräsentantin der Landesregierung ist.

Die amtierende Ständeratspräsidentin wurde an der Nominationsversammlung von den über 300 nach Wil gepilgerten Freisinnigen einstimmig auf den Weg Richtung Bundeshaus geschickt. Die Frage von Kantonalpräsident Raphael Frei, ob es noch weitere Kandidierende gebe, war rein formeller Natur. Natürlich gab es sie genau so wenig wie Gegenstimmen.

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Die Stadttambouren Wil eröffneten die FDP-Nominationsversammlung für Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter.


Freude über die parteiinterne Konkurrenz

In ihrer Rede erwähnte Karin Keller-Sutter vieles, was sie schon eineinhalb Wochen zuvor an gleicher Stelle bei der Ankündigung der Nomination vor den Medien kundgetan hatte. Sie sei frei für dieses Amt und könne sich deshalb vorbehaltlos in Dienst der Eidgenossenschaft stellen. «Ich fühle mich breit getragen und spüre auch viel Support aus der Romandie», sagte die Wilerin. Erneut war sie auch bemüht, eine persönliche Note von sich zu geben. «Ich habe einige Schicksalsschläge erlebt. Mein Vater ist kurz nach meiner Heirat verstorben. Es war meinem Mann und mir nicht vergönnt, Kinder zu haben. Und ich bin vor acht Jahren nicht in den Bundesrat gewählt worden. Ich habe gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen statt zu hadern. Es geht immer irgendwo eine Türe auf. Man muss sie nur sehen.» Zur persönlichen Note passte auch, dass ihr Mann Morten und Hund Picasso der Versammlung beiwohnten.

Keine Erwähnung wert waren ihr vor versammelter Runde die beiden Nominationen aus den eigenen FDP-Reihen. Diese Woche hatten der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki und der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler angekündigt, dass sie auch zur Wahl stehen. Beide sind von den jeweiligen Kantonalparteien nominiert worden. «Ihre Kandidaturen freuen mich. Es wäre nicht gut gewesen, wenn ich alleine kandidiert hätte», sagte Karin Keller-Sutter im Nachgang der Versammlung gegenüber Hallowil.ch. Hintergrund dürfte sein, dass ihre Wahl mehr Gewicht bekommt, wenn sie sich gegen andere Kandidaten durchsetzt.


 
Video: Grussworte von Regierungspräsident Stefan Kölliker.
 
Video: Karin Keller-Sutter stellt ihre Beweggründe zur Bundesratswahl vor.

«Hoffe nicht, dass Spielchen gespielt werden»

Die nächste Hürde ist für Karin Keller-Sutter am 16. November zu überspringen. Dann ernennt die FDP-Bundeshausfraktion ihre Kandidaten für den Wahltag am 5. Dezember. Alles andere als eine Nomination der Kronfavoritin aus Wil wäre eine Sensation. Auch die Wahl in den Bundesrat scheint derzeit ungefährdet zu sein. Karin Keller-Sutter sagt dazu: «Ich bin noch nicht gewählt. Es kann noch viel passieren. Ich hoffe aber nicht, dass irgendwelche Spielchen gespielt werden.»


Stimmen aus der Nominationsversammlung:

Claudio Altwegg, FDP, Präsident Ortspartei Wil: «Wir sind stolz, dass Karin Keller-Sutter als Jungfreisinnige bei uns in Wil ihre Laufbahn lanciert hat. «Unsere Karin» bringt den Leistungsausweis für den Bundesrat definitiv mit.»

Raphael Frei, FDP, Kantonalpräsident St. Gallen: «Die Ostschweiz liegt nicht an der Peripherie des Landes, sondern im Herzen Europas. Darum ist es wichtig, dass die Ostschweiz im Bundesrat vertreten ist. Es geht aber nicht darum, dass Karin Keller-Sutter eine Frau ist und aus der Ostschweiz kommt. Sie ist kompetent, erfahren, dossierfest und gut vernetzt.»

Stefan Kölliker, SVP, St. Galler Regierungspräsident aus Bronschhofen: «Karin Keller-Sutter würde die Tugenden der Ostschweiz in den Bundesrat einbringen. Es gilt anzustreben, die fähigsten Personen des Landes im Bundesrat zu haben. Das war in den vergangenen zwei Jahrzehnten leider nicht immer der Fall. Das spricht für Karin, die einen optimalen Rucksack mitbringt.»

Marc Mächler, FDP, St. Galler Regierungsrat aus Zuzwil: «Seit 1940 ist kein St. Galler Bundesrat mehr gewählt worden. Darum ist diese Versammlung ein Jahrhundert-Event. Karin Keller-Sutter hat eine klare, verlässliche Linie. Sie agiert nicht nur aus Opportunismus heraus. Das ist leider eine Seltenheit geworden.»

Susanne Hartmann, CVP, Stadtpräsidentin Wil: «Für die Stadt Wil wäre es eine riesige Freude und Ehre, wenn Karin Keller-Sutter gewählt würde. Das brächte in Sachen Ausstrahlung viele Pluspunkte mit sich. Bisher gab es fünf Bundesräte aus dem Stand St. Gallen, aber noch keinen aus Wil.»