Die Swisscom beabsichtigt mitten in einem Wohngebiet den Bau einer neuen Antennenanlage. Dagegen erheben betroffene Nachbarn eine begründete Einsprache.Die moderne Kommunikation steht in einem Spannungsfeld, das kontroverse Diskussionen auslöst. Die Verbreitung und die Nutzung mobiler Kommunikation werden immer intensiver. Entsprechend müssen die Mobilfunkbetreiber die Infrastruktur anpassen, um die notwendige Kapazität garantieren zu können. Der Bau neuer Antennen stösst jedoch in den betroffenen Wohnzonen regelmässig auf grossen Widerstand. Die Bewohner befürchten gesundheitliche Störungen und beträchtliche Liegenschafts-Entwertungen.

Widerstand der Nachbarn
Mit der amtlichen Bauanzeige der Gemeindeverwaltung Niederhelfenschwil vom 15. Mai wurden die benachbarten Grundstückbesitzer des Bauobjektes über das Vorhaben informiert. Auf dem Flachdach des Fabrikationsgebäudes der Monstein Processing AG im Obstgarten will die Swisscom eine neue Mobilfunkanlage mit zwei OMNI-Antennen erstellen. Dagegen bildete sich sofort Widerstand, liegt der Standort doch mitten im Dorf und in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern und einer Stallung. So ist beispielsweise die kürzeste Distanz zwischen einer Antenne und einem Schlafzimmer lediglich 20 Meter. Die im Baubewilligungsverfahren berechtigten Einsprecher formierten sich um den Hauptinitianten Thomas Kleger, der im Obstgarten ein Einfamilienhaus besitzt. 235 einspracheberechtigte Personen schlossen sich der Gruppe an, was mehr als 70 % der möglichen Einsprecher entspricht.

Keine Antennen im Wohngebiet
„Wir sind überzeugt, dass die Mobilfunkantennen im bewohnten Gebiet nicht nur unverhältnismässig, sondern im vorliegenden Fall auch nicht im öffentlichen Interesse sind“, argumentiert Wirtschaftsprüfer Thomas Kleger, der mit Hans Vettiger junior und weiteren aktiven Einsprechern die Aktion organisiert. Die erforderliche Datenmenge könnten bei relativ neuen Handys und Smartphones ohne Weiteres über Kabel/WLAN übertragen werden, meint Kleger. Gleichzeitig führen die Initianten der Einsprache weitere Gründe an: „Mobilfunkstrahlung wurde von der WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft. Studien zeigen, dass intensive Handynutzung ein erhöhtes Hirntumorrisiko erzeugen kann“. Die geplanten Mobilfunkantennen würden den gesetzlichen Strahlengrenzwert von 5.0 V/m mit 4.9 V/m praktisch vollständig beanspruchen.

Forderungen an Behörden
Thomas Kleger und seine Mitunterzeichner beabsichtigen in den nächsten Monaten die Gründung einer Dörfer übergreifenden Interessengemeinschaft (IG) im Kampf gegen Mobilfunk-Antennen. Im Widerstand gegen solche Objekte sollen auch Interessierte oder Betroffene der ganzen Gemeinde eingebunden werden. „Die IG wird fordern, dass die Standorte der Antennen sorgfältig zu planen seien, keinesfalls in einem Wohngebiet. Dies unter Berücksichtigung der Wünsche der Bevölkerung, der Gesundheitsvorsorge und des Ortsbildes“. Die Einsprecher erwarten von den Behörden, dass sie die Besorgnisse der Betroffenen bezüglich Liegenschafts-Entwertung und Gesundheitsschädigung ernst nehmen. Sie sollen sich dafür einsetzen, dass im Wohngebiet keine Mobilfunkantennen bewilligt werden.

Andere Meinungen
Eine etwas andere Meinung vertritt René Monstein, der von der Swisscom für die Installation einer Antennenanlage auf seinem Fabrikationsgebäude angefragt wurde. „Im Dorf Niederhelfenschwil ist der Empfang denkbar schlecht und es gibt einige Funklöcher. Wir selber mussten schon bei auswärtigen Telefonaten ins Freie, um überhaupt eine Verbindung zu bekommen. Deshalb würden wir eine Verbesserung begrüssen“, sagt Monstein. Er sehe keine visuelle Beeinträchtigung des Ortsbildes. Ausserdem führt er an, dass heute bald jedermann elektronische Geräte benutze und eine gute Verbindung fordere. Eine entsprechende Infrastruktur, die dafür erforderlich sei, werde jedoch abgelehnt. Wie die Einsprecher und eine Mehrheit der Bevölkerung würde er jedoch eine Platzierung der Antenenne ausserhalb der Wohnzone ebenfalls begrüssen.

Langwieriges Verfahren
Auch viele andere Bewohner von Niederhelfenschwil beanstanden die schlechte Abdeckung und die Funklöcher im Dorf. So auch der Arzt Dr. Knopke: „Davon bin auch ich betroffen. Wenn ich beim Notfalldienst nicht erreichbar bin, könnte dies bei Ernstfällen verheerende Folgen haben. Über allfällige gesundheitliche Störungen durch Strahleneinflüsse sind keine sicheren wissenschaftlichen Beweise vorhanden“. Aber aus pragmatischen Gründen mische er sich nicht ein. Allerdings wäre er für einen anderen Standort der Antenne, ausserhalb des Wohngebietes. Über das laufende Baugesuchs-Verfahren kann Gemeindepräsident Simon Thalmann keine näheren Auskünfte erteilen. Ein Entscheid könne sich aber noch über mehrere Monate hinauszögern. Vorerst sei die Einsprachefrist mit Begründung bis Ende Juli verlängert worden.