Die Kantone Thurgau und St. Gallen investieren gemeinsam mit den Gemeinden der Regio Wil im Rahmen des Entwicklungsprojekts Wil West in die langfristige Stärkung der Region als Wirtschafts- und Wohnstandort. Mit dem Agglomerationsprogramm 3. Generation wurde Ende 2016 der Antrag auf Bundesbeiträge für die Verkehrsinfrastrukturen eingereicht und damit der Grundstein für die Realisierung gelegt.Mit der Entwicklungsperspektive (ESP) Wil West haben die beiden Kantone St. Gallen und Thurgau in Zusammenarbeit mit den 22 Gemeinden der Regio Wil ein Gesamtkonzept erarbeitet, welches die Attraktivität der Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort erhöhen und die gesamte Region stärken soll. Das Projekt umfasst einen neuen Autobahnanschluss, die Massnahmen zur Zentrumsentlastung der Stadt Wil sowie die Entwicklung eines neuen Wirtschaftsgebietes (Areal Wil West).

Für die Realisierung der Infrastrukturmassnahmen sind Bundesgelder erforderlich, welche mit der Einreichung des Agglomerationsprogramms 3. Generation beim Bund beantragt wurden. Mit dem Antrag werden die einzelnen Massnahmen in ein Gesamtprojekt (ESP Wil West) zusammengefasst und in eine Abhängigkeit gebracht, welche mit der Zusage der Bundesgelder greift.

Kanton- und gemeindeübergreifendes Gesamtprojekt
„Die einzigartige Zusammenarbeit der zwei Kantone und 22 Gemeinden macht das Gesamtprojekt ESP Wil zu einer Referenz für interkommunale und interkantonale Kooperation“, äussert sich Carmen Haag, Regierungsrätin im Kanton Thurgau. Entsprechend positiv seien die ersten Signale seitens Bund.

Die Verfügbarkeit von Bundesgeldern für die regionale Entwicklung schafft alleine jedoch keine Planungssicherheit. Eine Zusage der Bundesgelder bedingt ein solidarisches Vorgehen und gemeinsamer Effort für eine erfolgreiche Realisierung der Entwicklungsperspektive Wil West. Die definitive Antwort des Bundes wird per Mitte 2018 erwartet.

Verkehrsentlastung in der Stadt Wil
Die beiden involvierten Kantone und die Gemeinden der Regio Wil verfolgen mit ESP Wil West die Stärkung der Wohn- und Wirtschaftsregion. Mit der Optimierung der Verkehrssituation in der Stadt Wil und näheren Umgebung werden die Verkehrsströme effektiver gesteuert, was sich sowohl positiv auf die Wirtschaft als auch auf die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt und den umliegenden Gemeinden auswirkt. Die zahlreichen Verkehrsmassnahmen gehören gemeinsam mit dem geplanten Autobahnanschluss dem Teilprojekt Infrastruktur an.

Die Massnahmen rund um die Zentrumsentlastung Wil sind heute in der Detailplanung, wurden in der Struktur vereinfacht und zeitlich terminiert – die Stadt Wil ist gemeinsam mit dem Kanton dabei die Planungsschritte voran zu treiben. Mit einer transparenten Kommunikationsführung will der Kanton St. Gallen gemeinsam mit der Stadt Wil und der Regio Wil den Boden für eine erfolgreiche Realisierung schaffen.

Fläche für Neuansiedlungen und Expansion
Mit dem Teilprojekt Arealentwicklung Wil West schafft die Kooperation grosse, zusammenhängende und verfügbare Landreserven an idealster Lage und angrenzend an bereits bestehende Industriegebiete. Auf dem Areal Wil West entsteht ein neuer Standort zur Entwicklung der Wirtschaft in der Region und der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die im Masterplan von 2012 definierte Nutzungskonzeption für das Areal Wil West wurde der aktuellen Wirtschaftslage und dem prognostizierten künftigen Bedarf angepasst und damit die Arbeitsplatzerwartung auf 1500 – 2000 Beschäftigte verkleinert.

Wurde der Fokus vor fünf Jahren primär auf Neuansiedelungen gelegt, werden in der heutigen Nutzungskonzeption bewusst Expansionsflächen für lokale KMU Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Region setzt damit ein deutliches Zeichen, dass sie auf ihre Stärken baut und insbesondere ihr Wachstum von innen fördern will. So soll das Areal Wil West dazu beitragen, für die Wirtschaft wichtige Infrastrukturlücken zu schliessen (ortsdurchfahrtsfreie Autobahnanbindung, sehr gute ÖV-Anbindung, Hotellerie und Verpflegungsangebot, effiziente Energieversorgung u.a.).

Die gesamte Region stärken
Die Regio Wil glaubt an eine positive Entwicklung der Wirtschaftsregion und investiert in die Entwicklung einer starken Standortmarke Regio Wil. «Unsere Region verfügt über viele Vorteile die wir deutlich selbstbewusster nach aussen tragen müssen» sagt Guido Grüter, Präsident der Regio Wil. Konkret meint er damit die hervorragende verkehrstechnische Lage der Region in Kombination mit der Nähe zum Flughafen. «Wir verfügen über hervorragende Berufsleute und das Ideal Wohnen und Arbeiten am selben Ort lässt sich hier noch erfüllen».

Die Region wächst auf der Seite der Wohnbevölkerung, die Kombination von hoher Wohnqualität zu zahlbaren Preisen bei gleichzeitig guter Anbindung an die Zentren. «Wenn es uns mit dem Vorhaben ESP Wil West gelingt, die Wohnqualität in der Region weiter aufzuwerten und gleichzeitig ein innovatives, gut erschlossenes Wirtschaftsgebiet zu entwickeln, wird sich dieser Trend auch positiv auf die Ansiedelung von Unternehmen auswirken», äussert sich Guido Grüter. Dies bedinge jedoch die Bündelung sämtlicher Kräfte und einen solidarischen Einsatz aller Beteiligten.


Wil West ist das entscheidende Entwicklungsprojekt der Kantone St. Gallen und Thurgau
Gemeinsam mit den 22 Gemeinden der Regio Wil haben die Kantone ein Gesamtkonzept für die Stärkung der Region erarbeitet. Das Konzept beinhaltet ein Autobahnanschluss, die Verkehrsentlastung der Stadt Wil sowie ein neues Wirtschaftsgebiet (Areal Wil West). Der im Rahmen des Konzepts erarbeitete Bericht Agglomerationsprogramm Wil 3. Generation liegt aktuell beim Bund zur Prüfung.

Aktueller Stand:
2017: Prüfung des Berichts Agglomerationsprogramm Wil, 3. Generation durch den Bund
2018: Öffentliche Kommunikation Zentrumsentlastung Stadt Wil
Ab 2019: Mittelfreigabe durch den Bund
2019: Start Realisierung Zentrumsentlastung und Beginn Erschliessung Areal Wil West
Ab 2021: Baubeginn
Ab 2022: Verkauf Areal, Gebietsbetreuung

Wil West: Interview Regierungsrat Marc Mächler
Marc Mächler ist seit 2016 als St. Galler Regierungsrat Vorsteher des kantonalen Baudepartements.

Herr Mächler, die Kantone Thurgau und St. Gallen haben mit dem Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Wil West ein für die Ostschweiz entscheidendes Vorhaben in Bern eingereicht. Weshalb wird das Projekt als „Kernstück“ bezeichnet?
M. Mächler: Das Entwicklungsprojekt Wil West bietet für die Region Wil wie auch die beiden Kantone eine einmalige Chance und ist äusserst spannend. Es verbindet zwei Kantone und mehrere Gemeinden miteinander in einem gemeinsamen Projekt. Wil West gibt der Wohn- und Wirtschaftsregion Regio Wil entscheidende Impulse für die künftige Entwicklung. Einerseits bringt das Vorhaben die lang ersehnte Zentrumsentlastung für die Stadt Wil, andererseits stärkt es die Region als Wirtschaftsstandort. Das zukunftsorientierte Generationenprojekt ist damit das Kernstück für eine starke Region.

In Zusammenhang mit dem ESP Wil West wird oft vom Chancenprojekt gesprochen. Was ist damit gemeint? Welche Chancen bietet das Entwicklungsprojekt?
M. Mächler: Der ESP Wil West hat eine grosse Bedeutung für die gesamte Region. Es ist ein entscheidendes Projekt für die beiden Kantone St. Gallen und Thurgau sowie für Wil und die umliegenden Gemeinden, den Standort aufzuwerten, an Vielfalt und Attraktivität zu gewinnen und im nationalen Vergleich der Region mehr Profil zu verleihen. Die Entwicklung bringt die lang ersehnte Entlastung der Stadt Wil vom Durchgangsverkehr und verbessert damit die Verkehrslage in der Stadt Wil und den anliegenden Gemeinden massiv. Das wirkt sich auch positiv auf die Wohn- und Aufenthaltsqualität der Region aus. In Kombination mit der Schaffung eines innovativen, bestens erschlossenen Wirtschaftsgebietes wird die Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort deutlich aufgewertet. Entscheidend in diesem Projekt ist, dass wir diese positive Entwicklung nutzen! Realisierbar ist der ESP Wil West jedoch nur dann, wenn wir alle gemeinsam am gleichen Strick ziehen und die sehr gute, beispielhafte kantonsübergreifende Zusammenarbeit weiterführen.

Als interkantonales und interregionales Entwicklungsprojekt unterstützen zwei Kantone und mehrere Gemeinden die Realisierung von Wil West. Diese Zusammenarbeit ist aussergewöhnlich. Was sind die Schwierigkeiten und warum funktioniert es in diesem Fall?
M. Mächler: Wichtig sind eine klare Abstimmung der Verantwortlichkeiten und eine einheitliche Kommunikation. Entscheidend ist, dass das Projekt bis zum Schluss von allen Beteiligten getragen, unterstützt und realisiert wird. Die Eingabe des Agglomerationsprogramms der 3. Generation beim Bund ist nur der erste Schritt dahin, dessen müssen wir uns bewusst sein. Mit einem positiven Entscheid des Bundes und der Freigabe der Bundesgelder muss die Kooperation weiterhin bestehen, nur dann ist die Realisierung möglich. Der Standort für die Arealentwicklung liegt auf der Kantonsgrenze zwischen St. Gallen und Thurgau. Genau genommen ist das Areal im Besitz des Kantons St. Gallen, liegt aber auf Thurgauer Boden. Das führt automatisch zu einem interkantonalen Interesse und fordert eine lösungsorientierte Zusammenarbeit.

Weshalb eignet sich der Standort für den Entwicklungsschwerpunkt Wil West?
M. Mächler: Dank der hervorragenden Lage des Wirtschaftsgebiets Regio Wil wirkt sich das Gesamtprojekt positiv auf die ganze Region aus, wenn nicht sogar auf die gesamte Ostschweiz. Auf der Achse zwischen Zürich und St. Gallen erschliesst Wil West mit einem starken Wirtschaftsstandort ideal die Ostschweiz mit dem Metropolitanraum Zürich und schafft gleichzeitig einen noch attraktiveren Wohnraum. Der Standort ist hervorragend an die öffentlichen Verkehrsmittel und den Individualverkehr erschlossen und damit ein guter Ausgangspunkt für Unternehmen und ein idealer Wohnort mit viel Lebensqualität.

Im Masterplan von 2012 wird im Rahmen der Arealentwicklung von 4000 neuen Arbeitsplätzen gesprochen. In Zwischenzeit wurde diese Annahme auf bis zu 2000 Arbeitsplätzen korrigiert. Warum diese Anpassung?
M. Mächler: Die Nutzungskonzeption des Masterplans von 2012 basierte auf den damaligen Prognosen und der Wirtschaftslage. Die Anpassung der Nutzungskonzeption ist eine Reaktion auf die generell veränderte Wirtschaftslage und dem heute prognostizierten künftigen Bedarf. Entsprechend wurde die Arbeitsplatzerwartung auf 1500 bis 2000 Beschäftigte reduziert. Zudem steht in der Nutzungskonzeption heute nicht mehr primär die Neuansiedelung von zum Teil ausländischen Unternehmen im Zentrum, sondern auch die Fläche für lokale Gewerbe- und Industriebetriebe mit Expansionspotential. Damit konzentriert sich die Region auf ihre Stärken und baut diese aus. Ich bin zuversichtlich, dass mit Wil West etwas Wertvolles für die Region entsteht.