Die Syna-Sektion Region Wil verband ihre Hauptversammlung mit dem einmaligen Besuchserlebnis in der Klangarena Degersheim. Um mehr Syna-Mitglieder für eine Teilnahme an der Versammlung zu animieren, verbanden die Organisatoren diesmal den Anlass mit dem Besuch der Klangarena in Degersheim. In einer eineinhalbstündigen Führung und musikalischen Demonstrationen gewährte der Baumkünstler und Musiker Oliver Lüttin den Besuchenden einen Einblick in seine fantastische Welt. Bereits auf dem Weg vom Dorf hinauf zu seinem 1999 gekauften ehemaligen Bauernhaus fallen die zwei riesigen Mammutbäume hinter der Liegenschaft auf. Vor einem von ihnen steht der Tempel, der für den Künstler den Respekt vor der Natur verkörpert. Er beherbergt seit der Hochzeit mit seiner thailändischen Frau Suchai einen goldenen Buddha.

Spannender Erzähler
Oliver Lüttin erwies sich als guter Gastgeber und unterhaltsamer Erzähler. Zum Apéro mit hausgemachten Frühlingsrollen und Getränken begrüsste er seine Gäste im Atelier inmitten einer Auswahl von exotisch anmutenden Holzinstrumenten. Seine spannenden Ausführungen startete er mit einem Blick auf seine künstlerische Entwicklung. Schon in der Jugend habe er eine starke Zuneigung zum Wald empfunden. Nach einer Maurerlehre habe er sich in verschiedenen Funktionen des Bauhaupt- und Nebengewerbes handwerkliche Fähigkeiten erworben. Sein Leben sei aber keineswegs gerade verlaufen. „Wie bei einem knorrigen Baum gab es dabei Wendungen und Astlöcher, Spalten und Ritzen“, philosophierte Lüttin.

Erste Erfahrungen
Auf einer Reise durch Australien habe er das ursprüngliche Instrument der Aborigines, das Didgeridoo entdeckt und sei von der Einfachheit fasziniert gewesen, erzählte er. „Das hat mich auf die Idee gebracht, selber die gewachsenen Formen von Hölzern zu nutzen und aus ihnen Instrumente zu bauen. Das Zusammenwirken von natürlichen Materialien und den Klängen des spielenden Menschen bringt die Schönheit der Schöpfung zum Ausdruck“. So habe er in den Wäldern der Ostschweiz nach hohlen Bäumen gesucht, deren Formen ihn für seine künstlerische Arbeit inspirierten. Nach der Devise „so wie es ist, ist es richtig“ akzeptiere er jeden Baum, wie er sich in seiner natürlichen Art anbiete.

Aus Stämmen Töne entlocken
Der 52-jährige Baumkünstler verwendet für den Bau seiner aussergewöhnlichen Instrumente verschiedenste Baumarten. So bearbeitete er einen über drei Meter langen Buchenstamm mit zahlreichen Saiten zu einem vielseitigen Klangkörper, dem er rund 350 Töne entlocken kann. Oliver Lüttin demonstrierte mit einigen Beispielen seine musikalische Fertigkeit und sein Talent. Beispielsweise konnten die erstaunten Zuhörer die Melodien eines Hackbretts erkennen oder fremdartige Klänge aus anderen Kulturen hören. Viele Erkenntnisse und Ideen würden aus Zufall entstehen, gestand er. Einen anderen hohlen Baumstamm gestaltete der kreative Künstler zu einem Xylophon. Je nach Holz- oder Steinplatten ertönten verschiedene Klänge.

Neue Präsidentin gewählt
Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich vom Ideenreichtum und den musikalischen Demonstrationen des Gastgebers Oliver Lüttin begeistert. Neben seiner künstlerischen Arbeit und den Atelierführungen bietet er auch Workshops an und Konzerte, die er mit anderen Musikern organisiert. Er wirkt auch als Kursleiter im Bereich Instrumentenbau. Nach der beeindruckenden Führung und einer von der Gewerkschaft gesponserten Mahlzeit kam der traktandierte Teil der Hauptversammlung zum Zuge. Im Mittelpunkt standen die Wahl der neuen Präsidentin Nina Portmann und die Ehrung von sieben langjährigen Mitgliedern im Mittelpunkt. (Separater Bericht von Josef Bischof).