Die Auswirkungen des Klimawandels sind real. Transportunternehmen sind im Fokus, wenn es um die Reduktion von Schadstoffemissionen geht. Die Dekarbonisierung des Güterverkehrs ist längst kein Trend mehr, sondern Programm. Für das Familienunternehmen aus der Ostschweiz ist das seit Jahrzehnten ein Schwerpunkt. Die Etappenziele sind gesetzt: Emissionsfreie Belieferung der Innenstädte ab 2025, der urbanen Regionen ab 2030. Weiteres Ziel, der Überlandverkehr: Der Transportdienstleister will Überlandstrecken ab 2040 mehrheitlich mit emissionsfreien Fahrzeugen zurücklegen.

Innovationsflotte

Das Flottenmanagement setzt nicht auf ein einzelnes Fahrzeugmodell oder nur eine alternative Antriebstechnologie. Josef Jäger, Direktor von Camion Transport, erklärt: «Unsere Innovationsflotte reicht vom muskelbetriebenen Cargo eBike bis zum schweren Nutzfahrzeug und besteht aus Elektro-, Brennstoffzellen-Elektro- sowie Hybridfahrzeugen. Diese haben alle ihren eigenen Charakter, unterschiedliche Aktionsradien, sind also geschaffen für verschiedene Einsatzgebiete. Und sie eignen sich nicht für jede Transportart im gleichen Mass.» Begleitend prüft der Logistikspezialist auch die Ladetechnologien und Geräte sowie die idealen Standorte für Elektro-Tankstellen, unter anderem mit der Möglichkeit für Zwischenbetankungen in den schweizweiten Niederlassungen.

Auf dieser Grundlage testet Camion Transport Alternativantriebe in der Praxis, seit Februar 2021 auch den vollelektrischen «FUSO eCanter». Die Brennstoffzellen-Elektro-Nutzfahrzeuge «Hyundai Xcient Fuel Cell» sind täglich für grössere Distanzen im Tagesgeschäft eingeplant. Ein Elektro-LKW der Schweizer «E-Force One AG» fährt in der Westschweiz im Shuttlebetrieb. Und die Kleinfahrzeuge sind bei Partnerbetrieben in der Citylogistik unterwegs. Jüngstes Mitglied der Innovationsflotte ist der «e-Ducato Transporter» von Fiat Professional für die Auslieferung von Kleinsendungen. Im Herbst stossen zwei rein elektrische Fahrzeuge von DAF Trucks dazu. Und im Laufe des nächsten Jahres vervollständigen schliesslich fünf voll elektrische «Mercedes-Benz eActros» aus der ersten Serienproduktion die Innovationsflotte.

Hindernisse: Abhängigkeit und Akzeptanz

«Wir lassen uns für eine tiefere Analyse der Innovationsflotte Zeit bis Ende 2022. Dann werden wir aufgrund der Erfahrungen und Fakten der Hersteller die weitere Fahrzeugbeschaffung definieren. Sowie das Investitionsbudget ab 2023 dafür freigeben», erklärt Jäger. «Der Anteil einzelner Antriebstechnologien ist offen. Es liegt nicht alles in unserer Hand. Wir sind bei der Planung von der Verfügbarkeit der Fahrzeuge abhängig. Nebst dem wichtigen ökologischen Aspekt muss es auch betriebswirtschaftlich Sinn machen. Und sind auch die Kunden bereit Mehrkosten mitzutragen?»

Kernkompetenz Transportökologie

Das Transport- und Logistikunternehmen setzt in der Transportökologie ein Ausrufezeichen. «Die ökologische Verantwortung haben wir in der Firmenphilosophie verankert. Seit 1985 kombinieren wir die Verkehrsträger Schiene und Strasse erfolgreich. Vor bald zehn Jahren erhielten wir den ‹Eco Performance Award› für unser Nachhaltigkeitsprogramm ‹Eco Balance by Camion Transport›. Wir sind Pilotkunde für Nutzfahrzeughersteller und offen für neue Transportpartnerschaften, beispielsweise mit Velokurieren für die letzte Meile», bilanziert Jäger.