Frau Körner, wie sehr haben Sie seit der Absage von Kulturveranstaltungen als Schauspielerin das Publikum vermisst?

Natürlich hatten wir im Sommer 2020 einfach ein riesiges Glück, dass unsere Produktion den eisernen Glauben hatte, dass wir spielen können und so kam es auch. Das gute an unserer Produktion war, dass wir outdoor (aber gleichzeitig trotzdem geschützt und regenfrei im Innenhof des Wasserschlosses Hagenwil) spielen durften. So konnten wir die Anzahl der Zuschauer reduzieren und unser Schutzkonzept gefiel dem Kanton und wir durften alle Aufführungen durchführen vom August –September.

Gab es auch schwierigere Situation?

All meine andern Produktionen wurden abgesagt oder verschoben oder auf Eis gelegt. Aber gejammert wird eh schon genug, das will ich hier auf gar keinen Fall tun. Wir tun alle unser Bestes, dies Krise zu überstehen und es kommen wieder bessere Zeiten. Schön, wenn man wunderbare Erinnerungen im Herzen trägt, die tragen einen durch Zeiten wie diese.

Pflegen Sie während der Zwangspause Kontakt zu Ihren künstlerischen Kollegen?

Das mit Kontakten pflegen geht mir genau gleich wie allen andern Menschen in unserem Land – Kontakte ja, aber nur virtuell, reden ja, aber Nähe fühlt sich einfach anders an. Ich als körperkontaktfreudiger Mensch leide natürlich darunter, nie jemanden zu herzen, freu mich aber umso mehr auf die Zeit, wo es wieder erlaubt ist. Und ja, natürlich hat man Kontakte einfach anders.

Waren für Sie als Künstlerin die Umstände durch die Einschränkungen auch eine anregende Zeit?

Ich habe das Glück vielseitig zu sein. Das ist eine grosse Stärke, die mir immer wieder zu gute kommt in meinem Leben. Kann ich das eine nicht ausüben, mach ich einfach das andere. All meine Berufe mach ich mit Herzblut und für mich ist nichts Arbeit, sondern immer Vergnügen, denn ich habe immer wieder die wunderbare Chance mit liebenswürdigen Leuten zusammenzuarbeiten, sei dies in der Schauspielerei sowie in der Schule.

Sie geben demnach vermehrt Schule, wenn die Schauspielerei eingeschränkt ist?

Ich bin seit dem Sommer bei den 5./6. Klässlern in der Schule Schwarzenbach und geniesse die Kinder, meine Lehrerkollegen, das neue Schulhaus und fühle mich sehr wohl.

Die Auftritte vor Publikum werden wohl nicht so schnell wieder möglich sein?

Die nächsten Vorbereitungen für das kommende Sommerprojekt laufen auf Hochtouren, den Text habe ich gerade erhalten und kann nun mit dem Rollenstudium sachte starten, bevor dann ab Ende Mai die Proben beginnen. Auch im Studio gibt es immer wieder Aufträge, die man während der Pandemie problemlos ausführen kann.

Hatte die zurückliegende Zeit positive Auswirkungen auf Ihre Kreativität?

Ha, ich brauche keine Pandemie um kreativ zu sein. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die gemeinsame Zeit mit Mann und Kindern im ganz Kleinen nicht in vollen Zügen genossen hätte. Wann hat man schon die Möglichkeit sooo lange einfach aufeinanderzuhocken und sich zu geniessen! Herrlich sowas! Geschenkte Zeit, die einem keiner mehr nehmen kann.

Wie sehen Sie Ihre mittelfristigen beruflich-künstlerischen Perspektiven?

Dass es die Kunst braucht ist unumstritten und gerade jetzt merken doch alle wie stinklangweilig das Leben ohne Kunst ist! Darum meine Vorhersagungen: Es wird, sobald es wieder gestattet ist, einen riesen Hype geben, endlich wieder Kultur zu geniessen, endlich wieder ausgehen, endlich wieder viel Futter für die Seele, die jetzt so kurz gekommen ist bei ganz vielen Leuten!

Zur Person:

Im Theaterclub des Lehrerseminars entdeckte Bigna Körner ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. Sie wurde zu ihrer Berufung. Im Laufe ihrer vielfältigen Karriere hat die Wilerin unter anderem Werbespots fürs Radio gesprochen, sie spielte in TV-Krimis mit und sie steht regelmässig bei den Schlossfestspielen in Hagenwil auf der Bühne. Mehrmals inszenierte sie auch Stücke mit der bühne70 wil. Die Mutter von zwei Kindern arbeitet auch in ihrem ursprünglichen Beruf als Lehrerin.  

Ein Mitschnitt von den Schlossfestspielen in Hagenwil: