Der Bundesrat ruft dazu auf, freiwillig Energie zu sparen. Seinen Sparappell richtet er an alle Verbraucherinnen und Verbraucher. Reichen die Appelle nicht aus, dürfte der Bund Verbrauchseinschränkungen verordnen. Reichen auch sie nicht aus, dürfte es zu Kontingentierungen kommen. So das Szenario. Im Prinzip ist der Gedanke hinter dieser Kaskade ebenso einfach wie einleuchtend, wie es im aktuellen Mitteilungsblatt heisst. Gelingt es, mit freiwilligen Massnahmen den Energieverbrauch genügend zu reduzieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einschneidendere Zwangsschritte. Das setzt voraus, dass Bevölkerung, Unternehmen und öffentliche Unternehmen auf freiwilliger Basis ihren Energieverbrauch ernsthaft überprüfen und reduzieren.

Was tut die Gemeinde?

Die jahrelangen Anstrengungen der Gemeinde hin zur Energiewende haben den Energieverbrauch deutlich reduziert. Das hilft. Trotzdem steht die Gemeinde vor grossen Herausforderungen, sollte eine Energie-Mangellage eintreten. Seit Mitte Juli laufen die Arbeiten der Gemeinde im Hinblick darauf. Zuerst ging es darum, sich die aktuellen Überblicke über alle relevanten Energieverbrauche zu verschaffen. Jährlich verbrauchen alle kommunalen Infrastrukturen, Bauten und Anlagen rund 5,8 Mio. Kilowattstunden Energie ab den Versorgungsnetzen von Strom und Gas. Weiter wurden mögliche Sparmassnahmen ausgearbeitete, ihre Potenziale und ihre Folgen für die Nutzer-innen und Nutzer eruiert. Zudem sind für die kommunalen Einrichtungen die Auswirkungen von Energie-Kontingentierungen oder Netzabschaltungen geklärt. Wenn etwa die Stromversorgung zeitweise unterbrochen ist: Läuft die Kläranlage? Funktionieren die Abwasserpumpwerke? Können die Haushaltungen mit Trinkwasser versorgt werden? Auch diesen Fragen ist die Gemeinde nachgegangen.

Sparpotenzial

Die vier wichtigsten kurzfristigen Massnahmenbündel zusammen dürften zu jährlichen Einsparungen von rund 700‘000 Kilowattstunden oder 10 bis 15 Prozent des gesamten vom Netz bezogenen Energieverbrauchs der Gemeinde führen. Die Einsparungen sind damit relevant. Natürlich: Alle Massnahmen sind mit Einschränkungen verbunden – man spürt sie. Über 60 Prozent des Potenzials liegt darin, die Temperaturen in allen beheizten Räumen der Gemeinde – ob Schulanlage oder Garderoben, ob Sporthallen, Gemeindesaal, Verwaltungsgebäude oder Bibliothek – während der Heizperiode tiefer anzusetzen. Rund 25 Prozent des Potenzials liegt darin, die Beleuchtungen aller öffentlicher Anlagen aufs Minimum zu beschränken. 10 bis 15 Prozent des Sparpotenzials kann die Strassenbeleuchtung beitragen, wenn sie ab Nachtmitte komplett abgeschaltet wird. Dazu kommen Einsparungen, wenn überall dort, wo kein Warmwasser fürs Duschen gebraucht wird, die Warmwasser-Aufbereitung ausser Betrieb genommen wird. Händewaschen geht auch kalt. Und schliesslich ist als Massnahme angedacht, die LED-Weihnachtsbeleuchtungen der Gemeinde – die Fenstersterne am Gemeindehaus, die Baumbeleuchtungen beim Bahnhof, auf dem Stickereiplatz und im Lindenring – nicht in Betrieb zu nehmen. Bereits ausser Betrieb genommen wurden die LED-Stickerei-Leuchtwände beim Gemeindehaus und beim Bahnhof.

Stichwort Strassenbeleuchtung

In den Jahren 2014 bis 2017 investierte die Gemeinde mehr als 2 Mio. Franken, um ihre Strassenbeleuchtung energetisch zu ertüchtigen. Alte, energieintensive Quecksilberdampflampen wichen einer sparsamen LED-Beleuchtung. Nur die energetisch besseren orangen Natrium-Dampflampen blieben, sie werden später ausgetauscht. Gleichzeitig wurden die Kandelaber saniert, Netzlücken geschlossen und zusätzliche Strecken beleuchtet. So kam eine grosse Zahl neuer Leuchten dazu. Insgesamt 1‘700 sind es aktuell. Aus Sicherheitsgründen leuchtet die Uzwiler Strassenbeleuchtung die ganze Nacht durch – ab Nachtmitte aber nur noch mit 10 Prozent ihrer Leistung. Insgesamt konnte trotz Ausbauten und längerer Beleuchtungszeit der Stromverbrauch der Strassenbeleuchtung von jährlich 600‘000 Kilowattstunden um einen Drittel auf rund 400‘000 Kilowattstunden gesenkt werden. Wird die Beleuchtung im Hinblick auf die Strom-Mangellage zwischen 0.30 Uhr und 5.30 Uhr komplett abgestellt, resultiert daraus eine Einsparung von rund 100‘000 Kilowattstunden. Nebenbei: Die Strassenbeleuchtung an Kantonsstrassen ist Sache des Kantons. An den Kantonsstrassen sind laut der Regierung aktuell rund 27 Prozent der Beleuchtungen auf LED umgerüstet. Der Kanton geht davon aus, die Umrüstung bis 2045 abzuschliessen.

Grossverbraucher

Verschiedene Anlagen der Gemeinde sind aus rechtlicher Sicht Grossverbraucher. Reichen die freiwilligen Sparmassnahmen nicht aus, werden Massnahmen des Bundes vor allem auch die Grossverbraucher treffen. Ein Beispiel dafür ist die Eishalle. Sie wurde mit grossem finanziellem Aufwand erst kürzlich saniert und energetisch optimiert. Der Energiebezug ab Netz sank dadurch um rund einen Viertel. Trotzdem ist sie inklusive Curlinghalle mit einem Jahresbrauch von noch fast einer Million Kilowattstunden sehr energieintensiv. Verlangt der Bund im Rahmen von Massnahmen in nächsten Phasen substanzielle Verbrauchsreduktionen bei Grossverbrauchern, bleibt voraussichtlich nur, die Anlage stillzulegen. Gerade weil sie energetisch optimiert ist, fehlen substanzielle Sparmöglichkeiten.

Güterabwägung

Und natürlich kann man sich je nach Standpunkt auch die Frage stellen, ob es richtig ist, die Raumtemperaturen etwa in den Schulen abzusenken und gleichzeitig eine Eishalle zu betreiben. Auch weitere Fragen stehen im Raum: Macht es Sinn, in Uzwil die Eishalle zu schliessen, sie in Wil weiter zu betreiben? Sind unterschiedliche Regime in den Strassenbeleuchtungen zielführend, wenn sich doch der Verkehr nicht an Gemeindegrenzen hält? Ist es richtig, wenn eine Gemeinde ihre Weihnachtsbeleuchtungen betreibt, andere Gemeinden sie im Lager lassen?

Warten auf Koordination

Die Phase der Freiwilligkeit bringt diese Fragen mit sich. Deshalb läuft derzeit die regionale Koordination, um Einheitlichkeit zu erreichen. Uzwil hofft, dass dies sehr rasch erfolgt, weil die Umsetzungen der Sparmassnahmen viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Eingriffe in die Wärme- und Beleuchtungssteuerungen etwa sind aufwändig und verursachen Kosten. Die Regierung befasst sich erst am 21. September 2022 mit Massnahmen. Uzwil ist vorbereitet. Sobald die Absprachen erfolgt sind, setzt die Gemeinde die freiwilligen Energiespar-Massnahmen um. Um ihren Beitrag zu leisten, damit es möglichst gar nicht erst zu einschneidenderen Massnahmen kommt. Zudem gilt es, angesichts der hohen Energiepreise die Betriebskosten im Griff zu haben.

Energie an der Bürgerversammlung

Energie wird auch das Thema der Bürgerversammlung von Ende November sein. Der Gemeinderat unterbreitet dafür der Bürgerschaft einen Bericht, der sich mit der kommunalen Infrastruktur und auch mit den Potenzialen zur eigenen Energieproduktion befasst.