Als Christian Levrat im November seinen Rücktritt als Präsident der SP Schweiz ankündigt hatte, war der Fokus sofort auf Barbara Gysi gerichtet. Die Wilerin ist seit sieben Jahren Vizepräsidentin. Nachdem die 55-Jährige damals gesagt hatte, dass sie sich eine Kandidatur überlege, ist die Entscheidung nun gefallen. Barbara Gysi steht nicht zur Verfügung für das Amt der höchsten SP-Politikerin des Landes. Dies sagt sie am Donnertag dem Regionaljournal von Radio SRF.

Dabei gibt sie mehrere Gründe an – «persönliche und politische». Sie wolle ihren Schwerpunkt weiterhin in der Arbeit in der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit legen. Zudem möchte Gysi als Präsidentin des Personalverbandes wirken und auch im Kanton St. Gallen noch genügend präsent sein. Alles brächte sie nicht mit dem Präsidium unter einen Hut. Sie sieht ihre Stärken mehr in der direkten, inhaltlichen Arbeit. «Wenn es gewünscht ist, werde ich Vize-Präsidentin bleiben. Es ist aber gut, wenn wir ein neues Gesicht an der Spitze haben», sagt Barbara Gysi im Radio-Interview.

_______________________________________________________________________________

Spekulationen um den Ständerat (12.11.):

Bereits seit dem Jahr 2012 ist Barbara Gysi Vizepräsidentin der SP Schweiz. Nun tritt Präsident Christian Levrat zurück. Da liegt es fast schon auf der Hand, dass Gysi im kommenden Frühjahr übernimmt. Die Ersatzwahl erfolgt Anfang April 2020 am Parteitag in Basel. Doch was sagt Gysi selbst? «Das tönt durchaus interessant», sagt die 55-jährige Wilerin – um danach den Ball flach weiterzuspielen. «Wir haben in der Partei noch nicht darüber gesprochen, denn wir waren im Wahlkampf. Zudem muss ich auch für mich herausfinden, ob es passt und genügend Zeit vorhanden ist.» Es sind die typischen Sätze, die jemand sagt, der nichts vorwegnehmen will. Ein gewisses Grundinteresse ist aber vorhanden.

Das zählt auch für den Ständerat. Selbst wenn oder gerade wenn Paul Rechsteiner am kommenden Sonntag im zweiten Wahlgang wiedergewählt wird, könnte spätestens in vier Jahren die «Stöckli»-Zeit reif sein für die Wilerin. Zwar will sie sich nicht auf konkrete Szenarien einlassen, sagt aber ganz allgemein: «Wenn sich irgendwann die Möglichkeit für den Ständerat ergibt, wäre das sicher interessant.» Derzeit nicht interessant für Gysi ist der St. Galler Regierungsrat. Zwar wurde sie angefragt, hat aber abgelehnt. Ihr politischer Weg soll auf nationaler und nicht kantonaler Ebene weitergehen.

_______________________________________________________________________________

So hat hallowil.ch am 12.11. berichtet:

Stellt die Stadt Wil neben einer Bundesrätin ab April auch noch die Präsidentin der SP Schweiz? Dieses Szenario ist durchaus vorstellbar. Aber der Reihe nach: Der 49-jährige Christian Levrat hat nach bald zwölf Jahren an der Spitze der SP Schweiz seinen Rücktritt per Frühjahr 2020 bekanntgegeben. Seit 2003 ist der Fribourger im Bundeshaus politisch aktiv; zuerst als Nationalrat, seit 2012 als Ständerat.

Doch wer wird nun nationaler SP-Präsident? Bereits schiessen diverse Namen ins Kraut. Eine «logische» Nachfolgerin wäre die Wilerin Barbara Gysi. Die 55-Jährige ist seit dem Jahr 2012 Vizepräsidentin der SP Schweiz. Schon seit 2011 ist die ehemalige Wiler Stadtparlamentarierin und Präsidentin der SP Wil im Nationalrat aktiv. Im Oktober schaffte sie souverän die Wiederwahl – zum zweiten Mal. Zuvor war Gysi zwischen 1999 und 2011 St. Galler Kantonsrätin und ab 2009 auch Fraktionspräsidentin der St. Galler SP. Während elf Jahren war sie zudem in Wil Stadträtin. Der politische Rucksack ist also vollgepackt. Zudem scheint Gysi die nötigen Ressourcen zu haben, da sie im Frühjahr nicht zur obersten Gewerkschafterin des Landes gewählt worden ist. Die Ersatzwahl für Christian Levrat findet Anfang April am vorgezogenen SP-Parteitag in Basel statt.

Gysi und der Ständerat

Doch will Barbara Gysi dieses Amt überhaupt? Sie war für hallowil.ch am Dienstagvormittag nicht erreichbar. Ein «Nein» käme aber überraschend. Denn es gibt ja auch diese Überlegung: Wird Paul Rechsteiner (SP) am kommenden Sonntag erneut in den Ständerat gewählt, dürfte er wohl noch vier Jahre machen. Dann könnte die Zeit reif sein für Barbara Gysi, die ihre Wahlchancen mit dem Amt «Präsidentin SP Schweiz» untermalen würde.