Diesmal hatten die Verantwortlichen vom Kulturbär Uzwil grad zwei grosse Namen gegen sich. Erstens war es der letzte Fasnachtsabend vor dem Aschermittwoch – und zweitens, vermutlich noch viel gewichtiger für viele, vor allem Männer - der Championsleague-Match zwischen Basel und dem grossen Manchester City, welches allerdings – und fast erwartet – sehr zu Ungunsten der Basler ausging... Doch wer ins Kino City gekommen war, erlebte entspannte, wohltuende und emotionale Musik in familiärer Atmosphäre.Vier leidenschaftliche Musiker
Leadsänger und Conférencier Konstantin Topalidis machte schnell klar, wo das Herz der vier Herren schlägt, links – in Kuba und bei afroamerikanischen Rhythmen. Vor allem der „Buena Vista Social Club“, in Besonderen dessen Sänger Ibrahim Ferrer, hat es ihnen angetan. Sie boten aber auch englische und italienische Songs, alle auf tanzbare Weise arrangiert. Auch ihre Instrumente zogen alle Blicke auf sich. Schön poliert und wie neu präsentierten sich der Kontrabass und die verschiedenen Schlagwerke. Hingabe an die Musik war allen vier anzuhören, die Darbietung immer wieder verblüffend abwechslungsreich.

Konstantin Garcia Topalidis
Elegant angezogen traten die vier Herren auf die Bühne, Saxofonist und Vorsänger Tobaldinis gar mit Hut. Er hatte für jedes unvorhergesehene Päuschen einen Spruch parat, nahm auch mal seine Musikerkollegen liebevoll aufs Korn, aber am liebsten sang er, und das mit ganzem Körpereinsatz, geschlossenen Augen und grosser Inbrunst. Und wenn er eines seiner beiden Saxofone hervornah, konnte einen dessen schwelgerischer, oft melancholischer Klang beinahe zu Tränen rühren.

Er hatte es allerdings schwer, – auch wenn er es immer wieder versuchte! - die aufmerksam Zuhörenden aus den Kinosesseln zu locken, um zu den sehr tanzbaren Rhythmen auch genau dies zu tun. Ganz am Schluss machten sich ein paar Frauen ganz weit hinten daran, in der Sesselreihe sich ein wenig die Beine zu vertreten. Zu schön ist es eben in diesen Kinosesseln, sich der Musik einfach so hinzugeben…

Adriano Regazzin
Am Keyboard war Adriano Regazzin zu hören, ein Mann, der schon oft als gefragter „Sideman“ mit Künstlern und Künstlerinnen durch die Welt gezogen ist, so beispielsweise mit der Alphornsolistin Eliana Burki in den USA. Er bringt auch an der Kanti Trogen Jugendlichen die richtigen Tastentöne bei. Im Kino City machte er immer wieder Ausflüge in eigene Harmonien, die sich aber nahtlos ins Klanggefüge einpassten. Vollkonzentriert spielte er sich ins Feuer, ohne die Kollegen zu dominieren, sondern immer als einfühlsamer Begleiter und immer wieder auch als Sänger.

Georgios Mikirozis
Den Schlagzeuger Georgios Mikirozis durfte das Uzwiler Kulturkino-Publikum bereits letztes Jahr mit der Gruppe LOS GRECOS geniessen. Er hat die unglaubliche Fähigkeit, ganz verschiedene Rhythmen auf ganz unterschiedlichen Perkussionsinstrumenten mit lässiger Leichtigkeit zu spielen – eine Kunst, für die es normalerweise ungefähr drei Personen brauchen würde wie Ansager, Saxofonist und Leadsänger Konstantin Topaldinis verschmitzt anmerkte. Und so wechselte auch je nach verwendetem Instrumentarium die Klangfarbe. Hinter all den Kübeln und übrigen Perkussionsinstrumenten verschwand er optisch fast völlig

Daniel Maeder
Auch am Kontrabass stand ein Profi, Daniel Maeder, ein Rheintaler mit italienischen Wurzeln, welcher an der Musikschule Lichtenstein unterrichtet, wenn er nicht gerade mit einer Band als versierter „Tieftöner“ unterwegs ist. Seine feine, dem lateinamerikanischen Lebensgefühl angepasste Zupfweise gefiel dem Publikum, was es immer mal wieder mit einem Szenenapplaus bedachte, auch wenn die bequemen Plüschsessel die Lautstärke etwas dämpften.

Musik zum Träumen
Auch wer weder Italienisch noch Spanisch oder Englisch verstehen sollte, konnte sich dieser Musik hingeben. Chachacha-Rhythmen liessen die Füsse oder auch nur die Finger tanzen, Man spürt ja an der Art eines Liedes, ob es sich um eine schmachtende Liebesballade oder einen traurigen Abgesang auf eine zerbrochene Liebe handelt. Konstantin Topaldinis offenbarte, dass er gerne Schnulzen singe. Bei „Broken Wings“ spielten sich die Musiker fast in Trance, der Schlagzeuger nahm sich alle möglichen Schlaginstrumente solistisch vor – eine schweisstreibende Sache.

Und sowieso: Viele dieser Lieder handeln ja von den grossen Themen der Menschheit, die sich in Musik so wunderbar – und viel besser als in Worten - ausdrücken lässt. „One Love, One Life“ ist eine eigentliche Beziehungsgeschichte – Georgios Mikirozis lockte dazu Töne wie klappernde Hufe aus seinen Instrumenten heraus. Zum Schluss gab es als Zugabe den Welthit „Besame mucho“ von Consuelo Velazquez und gleich noch ein „gedankenloses Geflüster“ - „Careless Whispers“ -, ein Abschiedslied an einen Freund - freudig entgegengenommen und verdankt mit grossem Applaus.

Rundherum
Die Türen zu den Kulturkino-Abenden öffnen immer eine Stunde früher. Im Eintrittspreis ist ein Apéro inbegriffen, dazu können Bekannte und Freunde entspannt begrüsst werden. Da die Billette an diesen Abenden nicht nummeriert sind, gehört auch das Auslesen des optimalen Sitzplatzes zum Ausgangsvergnügen. Dazu gibt es jedes Mal auch eine Pause, in welcher heisse Suppe und die restlichen Brötchen – diesmal gestiftet vom Café Stalder – genossen werden können. Überhaupt die Sponsoren: Auch diese Anlässe könnten nicht ohne ortsverbundene Sponsoren angeboten werden, jeweils auf der grossen Kinoleinwand gross angekündigt.


Nächster Anlass

Dienstag, 27. Februar 2018 – ALICE TOLD A SECRET – PopElectronicBlues Band
Enid Becirovic, Oberuzwiler Musiklehrerin, und Ivo Münger
Beginn 19:30, Saalöffnung um 18:30

ALICE TOLD A SECRET

Kulturbär Uzwil

Kino City Uzwil

heridos de sombra

Tieftonerzeuger David Maeder

David Maeder

Wer gerne etwas in Kubas „Buena Vista Social Club“ mit Ibrahim Ferrers Gesang schwelgen möchte – hier ein Link dazu:

Ibrahim Ferrer, Buena Vista Social Club

Bruca Manugua

Broken Wings – Mr. Mister

Perkussionist Georgios Mikizoris war schon letztes Jahr im Kino Uzwil zu geniessen, damals mit LOS GRECOS

LOS GRECOS