«Die Orgel ist ein Zeichen der Macht der Musik und wir haben mit der Revision der Orgel das Zeichen gesetzt, dass wir an die Zukunft der Kirche glauben», sagte Peter Falk, Mitglied des Kirchenverwaltungsrates, im Festgottesdienst zur Einweihung der revidierten Orgel. Für 200 000 Franken hat die 1934 gebaute Orgel ihren ursprünglichen Charakter zurückerhalten. Etwas mehr als vier Monate haben die Arbeiten gedauert. «Sie ist emotional und hat doch einen festen Grund», stellte der Orgelbauer und Intonateur Andreas Zwingli am Schluss fest. Er war vom eigenen Werk berührt.

Orgel wieder uneingeschränkt spielbar
Es war, als würde man sie zum ersten Mal hören. Was für ein Jubilieren, was für ein Klang und was für eine Harmonie. Als Andreas Zwingli, Orgelbauer der Späth Orgelbau AG, Rüti, am Freitagabend Felix Mendelssohn Bartholdy spielte, dankte es die «Königin der Instrumente» mit reinen Tönen, mit ihrer charaktervollen Reife, gepaart mit jugendlichem Schwung. Zwingli und Alwin Waldhoff, Hauptorganist der katholischen Kirche Uzwil und Umgebung, wechselten sich im Spiel ab. Brahms, Frescobaldi – Bach natürlich –, Franck und Max Reger kamen zum Zug. 

Am Schluss des Konzertes teilten sich die beiden Organisten die Manuale und die Pedalen und spielten die Sonate d-moll op. 30 von Gustav Adolf Merkel (1827-1885) vierhändig und vierfüssig. Pfarreileiter Klaus Gremminger nahm die Teile der Orgel zum Anlass, passende Texte als Einführung zu den Werken zu lesen. Die entstaubten, vorher teilweise kratzenden oder gar stummen Pfeifen sind zu neuem Leben erwacht. «Sowohl romantische wie moderne Musik ist jetzt uneingeschränkt auf dieser Orgel spielbar», freute sich Alwin Waldhoff.

Weihe des revidierten Instrumentes
Die strahlende, klanglich einheitliche Orgel stand auch am Sonntag im Zentrum. Sie ertönte mächtig zum Einzug und sie übernahm den Hauptpart, als die Kantorengruppe mit Gastsängerinnen und –sängern unter der Leitung von Esther Will Bislin «Gott des Himmels und der Erden» sangen. Klaus Gremminger sprach das Weihegebet und segnete die Orgel: «Sie ertöne zu deiner Ehre. Sie erhebe unsere Herzen.» 

Im gleichen Gottesdienst wurden drei neue Ministrantinnen aufgenommen. Sie durften auf Orgelpfeifen die Töne g, a und h spielen, die für Gemeinschaft, Aufgabe und Handeln standen. So wurde das Zusammenspiel der christlichen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Das Zusammenspiel, das auch die Orgel mit ihren 44 Registern immer wieder hörbar macht. Und ein Gemeinschaftswerk war auch die Revision selber. Den Spezialisten, die den Termin einhalten mussten und den aussergewöhnlichen Temperaturen trotzen mussten, gehörte ein spezieller Dank seitens der Kirchenverwaltung.

Neue Setzeranlage unterstützt Organisten
Die Orgel, die mit ihrem Prospekt perfekt zur Architektur der Kirche passt, ist in aufwändiger Kleinarbeit gereinigt, ausgebessert, elektronisch aufgerüstet und neu intoniert worden. Sie hat eine Setzeranlage erhalten, die es den Organisten ermöglicht, ihre Begleitungen im Voraus zu registrieren. Über 10 000 Kombinationen sind speicherbar, jeder Organist hat seinen Zugangscode. 

Hochstehende Handarbeit und Hightech vereinen sich in der nun top ausgerüsteten Orgel. «Sie ist wieder ein Ganzes», meinte Andreas Zwingli. Fehler, die anfangs der 80er-Jahre gemacht worden waren, sind behoben worden. Die Mixtur im Schwellwerk stimmt wieder, die Brillanz ist zurück. Die Sprachgebung und das Klangkonzept sind mit der Intonation passiert. Die Mächtigen Klänge eines ganzen Orchesters kommen wieder zum Tragen.

Die Kunst der Intonation
Andreas Zwingli, Organist, Organologe und Geschäftsleiter der Späth Orgelbau AG, hat der Niederuzwiler Orgel die Seele wiedergegeben. Die Intonation, die klangliche Gestaltung der 2878 Orgelpfeifen, hat einen Drittel der gesamten Revisionsarbeit ausgemacht. Die Intonation ist eine Feinarbeit der besonderen Art und hat alles vom Spezialisten abverlangt; besonders in diesem heissen Sommer, denn jedes Grad mehr Wärme hat den Ton beeinflusst. 

Beim Intonieren wird der Bereich des Labiums, das Gesicht der Pfeife, mit Spezialwerkzeugen bearbeitet, um die Pfeife in Klangfarbe und Lautstärke zu verändern und ihr einen klaren und vollen Ton abzugewinnen. Zudem müssen alle Register in sich wie auch zueinander in Klangcharakter und Lautstärke ausgeglichen und gestimmt werden. Der Intonateur hat den Stil der Orgel und die Raumakustik in seine Arbeit einbezogen. Die Zusammenstellung der Register und das Verhältnis von Durchmesser zur Länge haben ebenfalls einen Einfluss; die Intonation hat jedoch den grössten auf den Klang.