49 Jahre: So lange gibt es das Spital Wil. Nur etwas weniger lang, nämlich seit 45 Jahren, geht Roland Blöchlinger dort ein und aus. Jetzt steht er, fast 64-Jährig, kurz vor der Pensionierung. Der Mitarbeiter Hauswirtschaft ist im Haus bekannt. Vielen wird er fehlen. Denn er war stets pflichtbewusst und gewissenhaft zur Stelle, wo es ihn brauchte. Und er sorgte auch fürs Wohlbefinden seiner Arbeitskollegen. Hier ein nettes Kompliment, dort eine stets gefüllte Schoggi-Schachtel. Roland Blöchlinger ist gut gelaunt und überträgt dies auf die Kollegen. «Was nützt es, traurig zu sein», fragt er achselzuckend.

18-jährig war Roland Blöchlinger ins Spital Wil eingetreten. Zuvor absolvierte der Wilener die zweijährige Anlehre im Johanneum in Neu St. Johann. Als Maler hatte er es kurz versucht, doch es war die Raumpflege, die ihn begeisterte. Der Beruf sei damals ziemlich neu gewesen. Mit sechs weiteren Buben war er in Ausbildung, noch getrennt von den weiblichen Auszubildenden. Lange war er der einzige Mann in der Hauswirtschaft. Seine Arbeitsorte waren das Labor, die Personalzimmer, der Operationssaal, die Abwaschküche, die Wäscherei, die langen Flure, das Pflegeheim nebenan. Betten, Böden, Teppiche. Nichts, was Roland Blöchlinger nicht gereinigt hatte. Seine liebste Tätigkeit war das Fensterputzen. Er leistete gerne seinen Beitrag über sein 100-Prozent-Pensum hinaus. In der Freizeit gestaltete er mit den Kolleginnen Weihnachtsdeko und Osterschmuck.

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Stets gut gelaunt: Roland Blöchlinger putzte im Spital alles, was es zu putzen gab.


Wie eine Familie

Es war ein Herzinfarkt vor 13 Jahren, der ihn zwang, kürzerzutreten. Kurz vor dem Ruhestand ist er zu 30 Prozent tätig, wobei er auch nach Feierabend gerne noch eine Mahlzeit mit dem Team einnimmt, ehe er wie jeden Tag mit dem Velo oder zu Fuss den Heimweg antritt. «Die Menschen hier sind wie meine Familie», sagt Roland Blöchlinger. Diese Familie wird ihm fehlen, selbst wenn er sich auf die Pensionierung freut.

Roland Blöchlinger ist als einer der langjährigsten Mitarbeitenden der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg kürzlich geehrt worden. Veränderungen hat er mitgetragen, neue Systeme und Arbeitsweisen erlernt, neue Vorschriften umgesetzt. Er scheint das Gegenstück zur Schnelllebigkeit in Person zu sein. Ein Kollege sagt: «Immer, wenn ausstehende Arbeiten plötzlich erledigt waren, wusste man, Roland war hier.» Von den Kollegen wird er, der stets gerne hilft, deshalb «Heinzelmännchen» genannt. (pd/red)