Zum ersten Mal fand am 31. März und 1. April 2022 eine Bundestagung für Bürgermeisterinnen in der Hofburg in Wien statt. Organisiert vom Österreichischen Gemeindebund stand sie unter der Schirmherrschaft von Frauenministerin Susanne Raab und Präsidenten-Gattin Doris Schmidauer; Gastgeber waren Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl. Rund 100 Bürgermeisterinnen aus Österreich sowie eine Delegation Gemeindepräsidentinnen aus Deutschland und der Schweiz diskutierten zwei Tage lang zu Themen und Herausforderungen in der Kommunalpolitik.

Frauen in der Kommunalpolitik

Ziel der Tagung war, die Partizipation von Frauen in kommunalen Einrichtungen bis hin an die Gemeindespitze nachhaltig zu fördern und die Öffentlichkeit für die Notwendigkeit einer besseren Geschlechtergleichstellung in der lokalen Führung zu sensibilisieren. In Fachinputs wurden die neuesten Studien und Zahlen zur politischen Teilhabe von Frauen in Österreich und in anderen Ländern den EU präsentiert. Liegt der Frauenanteil bei den Orts-Chefinnen in Österreich bei rund 10 Prozent, so zeigt sich in der EU beim Frauenanteil in den höchsten Gemeindeämtern eine Spanne zwischen 36 Prozent in Schweden bis zu wenigen 5 Prozent in Griechenland.

Schweiz im Mittelfeld

In der Schweiz hat der Gemeindeverband letztmals im Dezember 2019 den Anteil der Frauen in Gemeindepräsidien erhoben: Von den 2212 Schweizer Gemeinden wurden 358 - also rund 16 Prozent - von Frauen präsidiert. Im Kanton St. Gallen sind es aktuell 11 von 77 oder 14 Prozent der Gemeinden, die von Frauen geführt werden, wobei der Frauenanteil nicht mit der Gemeindegrösse zusammenhängt. Allerdings ist festzustellen, dass in Gemeinden mit mehr als 20'000 Einwohner/innen, also in den Schweizer Städten, der Frauenanteil in den Gemeinde- und Stadträten in den letzten Jahren auf gegen 30 Prozent gestiegen ist.

Solidarität und Wertschätzung

Besonders beeindruckt hat Monika Scherrer die Atmosphäre an der Tagung, welche von Solidarität und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war. Auch der Empfang bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Präsidentenpalais der Hofburg und ein Abendessen beim Wiener Bürgermeister und dem Präsidenten des Städtebundes, Michael Ludwig, im Rathaus bleiben Monika Scherrer in bester Erinnerung. «Alleine die prunkvollen alten Gebäude haben aus der Tagung etwas ganz Spezielles gemacht», ist sie begeistert.

Dynamik

Auch in der Schweiz laufen Bestrebungen, die Frauen an den Gemeindespitzen zu vernetzen. So lädt Bundesrätin Simonetta Sommaruga sämtliche Schweizer Gemeinde- und Stadtpräsidentinnen am 11. Juni 2022 nach Bern ein. Für Monika Scherrer ist es wichtig, dass die Bestrebungen zur Förderung der Frauen – auch in der Kommunalpolitik – eine Fortsetzung findet. Sie ist überzeugt: «Wo Frauen Verantwortung übernehmen, ändert sich das Klima und es wird respektvoller diskutiert. Frauen bringen zudem eine Dynamik mit, von der alle profitieren».

Herausforderungen

Neben dem Frauenanteil wurde an der Tagung in Wien auch viel über die Herausforderungen in der Gemeindepolitik diskutiert. Dabei war festzustellen, dass die starken rechtlichen Regulierungen zunehmend als Belastung empfunden werden. Auch die ganz verschiedenen Rollen, sei es als Führungskraft, als Krisenmanagerin oder Krisenmanager, als Fachperson oder auch als direkte Ansprechperson für die Bevölkerung verlangen von den Amtsträgerinnen und Amtsträger ein hohes Mass an Belastbarkeit und Empathie.