Die Gemeinden Flawil, Degersheim und Gossau betreiben gemeinsam die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Oberglatt in Flawil. Nun soll die Kläranlage Oberglatt bis 2020 für knapp 20 Millionen Franken erweitert werden. Die Flawiler und Gossauer Stimmberechtigten befinden am 4. März 2018 an der Urne über den Kostenanteil der Gemeinde. In Degersheim wird an der Bürgerversammlung vom 26. März 2018 über die Investitionskosten abgestimmt.Der letzte Ausbau der ARA Oberglatt erfolgte zwischen 1999 und 2003. Nun hat sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Das vorliegende Projekt beinhaltet einerseits die Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe (Biofiltration) und anderseits den Neubau einer Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV).

Erweiterung…
Die biologische Reinigungsstufe muss erweitert werden, um auch in Zukunft über eine genügende Reinigungskapazität zu verfügen. Zudem sind die gesetzlichen Anforderungen an die Reinigungsleistung und an den Gewässerschutz gestiegen. Die bestehenden vier Zellenpaare der Biofiltration sollen deshalb um drei zusätzliche Zellenpaare erweitert werden. Dieser Ausbau ist nötig, um die Zellen auch einzeln für Wartung und Instandhaltung ausser Betrieb nehmen zu können, ohne dass in dieser Zeit die Gefahr einer Verschmutzung der Glatt besteht.

…und Neubau
Mit modernen Messmethoden können sogenannte Mikroverunreinigungen nachgewiesen werden, welche die Gewässerökologie beeinflussen und sich auch im Grundwasser wiederfinden. Unter dem Begriff Mikroverunreinigungen ist eine Vielzahl von Substanzen wie zum Beispiel Medikamente, Pflanzenschutzmittel, Lebensmittelzusätze, Inhaltsstoffe von Kosmetika oder Reinigungsmitteln zusammengefasst. Viele dieser Stoffe gelangen über das häusliche und industrielle Abwasser zu Abwasserreinigungsanlagen und anschliessend in die Gewässer. Die ARA Oberglatt kann diese Stoffe nur schlecht entfernen.

Seit dem Jahr 2016 ist in der Gewässerschutzgesetzgebung verankert, dass grössere Abwasserreinigungsanlagen wie die ARA Oberglatt Massnahmen zur Entfernung von Mikroverunreinigungen treffen müssen. Dazu muss die ARA Oberglatt mit einer zusätzlichen EMV-Stufe nachgerüstet werden. Dafür sind verschiedene Becken notwendig, welche auf der Reservefläche der ARA Oberglatt erstellt werden.

Investitionskosten
Die gesamten Investitionskosten für den Ausbau der ARA Oberglatt werden im Bauprojekt, welches der Abwasserverband den angeschlossenen Gemeinden Anfang Juli 2017 übergeben hat, mit 19,95 Millionen Franken veranschlagt. Allein der Betrag für die neue Stufe zur Elimination der Mikroverunreinigungen macht über 13 Millionen Franken aus – Kosten, welche der Bund zu 75 Prozent subventioniert. Nach Abzug der Bundessubventionen belaufen sich die Nettoinvestitionen zulasten der drei Verbandsgemeinden auf 10,61 Millionen Franken.

Allerdings wird der Bund die definitive Subventionszusicherung erst nach der Krediterteilung verfügen, weshalb der Bruttokredit beantragt werden muss. Der Anteil der Gemeinde Flawil beträgt brutto 6,57 Millionen Franken (netto 3,5 Millionen Franken), jener der Gemeinde Degersheim brutto 2,31 Millionen Franken (netto 1,24 Millionen Franken). In Flawil und Gossau befinden die Stimmberechtigten am 4. März 2018 an der Urne über den Kostenanteil der Gemeinde. In Degersheim wird an der Bürgerversammlung vom 26. März 2018 über die Investitionskosten abgestimmt.

Was passiert bei einer Ablehnung?
Um das Projekt Erweiterung der ARA Oberglatt umzusetzen, ist die Zustimmung aller drei Verbandsgemeinden erforderlich. Sollte die Bürgerschaft einer der drei Verbandsgemeinden den Kredit ihrer Gemeinde nicht gewähren, hätte dies zur Folge, dass das vorliegende Ausbauprojekt nicht umgesetzt werden kann.

In Bezug auf die EMV-Stufe steht jedoch fest, dass diese Investition aufgrund der Bundegesetzgebung ohnehin anfallen wird. Die Übergangsfrist läuft bis ins Jahr 2040. Bis zu diesem Zeitpunkt muss die ARA Oberglatt umgerüstet sein beziehungsweise hat sie diese EMV-Stufe in Betrieb zu nehmen. Beim Teil der Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe sind die Auswirkungen einer Ablehnung schwieriger vorauszusagen. Der Kanton dürfte jedoch den Druck auf den Abwasserverband Flawil-Degersheim-Gossau (AVFDG) erhöhen, damit die ARA Oberglatt über eine genügende Reinigungskapazität verfügt.

Flawiler Gemeinderat beantragt ein Ja
Der Flawiler Gemeinderat beantragt den Stimmberechtigten, dem Gemeindebeitrag von brutto 6,57 Millionen Franken für die Erweiterung der ARA Oberglatt zuzustimmen. Weil verschiedene vom Gewässerschutz geforderte Grenzwerte nicht mehr eingehalten werden können, ist eine Erweiterung notwendig.

Flawil ist auf eine gezielte und intensive Weiterentwicklung der Infrastruktur angewiesen. Der Gemeindeanteil wird über die Spezialfinanzierung Abwasserbeseitigung finanziert und hat keine Auswirkungen auf den Steuerfuss. Auch müssen gemäss langfristiger Finanzplanung der Spezialfinanzierung die Abwasserbeiträge deswegen nicht erhöht werden.

Antrag des Degersheimer Gemeinderates
Der Degersheimer Gemeinderat beantragt den Stimmberechtigten an der Bürgerversammlung, die Investitionskosten von brutto 2,31 Millionen Franken für den Ausbau der ARA Oberglatt zu genehmigen.

Gutachten wird vorgestellt
Vor den jeweiligen Abstimmungen in den Verbandsgemeinden führen Flawil, Degersheim und Gossau gemeinsam eine Orientierungsversammlung durch. Am Montag, 5. Februar, 2018 wird um 19.30 Uhr im Flawiler Lindensaal (Lindenstrasse 6b) das detaillierte Gutachten vorgestellt. Der Anlass bietet zudem der Bevölkerung der drei Verbandsgemeinden die Gelegenheit, Fragen zum Projekt zu stellen.

In diesen Tagen werden den Flawiler Stimmberechtigten die Abstimmungsunterlagen zugestellt. Das Abstimmungsgutachten ist ebenfalls auf www.flawil.ch unter der Rubrik «Aktuelles ? Projekte» aufgeschaltet.
Die Degersheimer Stimmberechtigten werden im Amtsbericht mit einem detaillierten Gutachten über das Projekt informiert.


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Die ARA Oberglatt hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht.
Drohnenbild: Beat Schiltknecht.