Eines gleich vorweg: Die Referenten machten zwar keinen Hehl aus ihrer Haltung, vermieden es aber, bei der chronologischen Auflistung des bisherigen Geschehens Öl ins Feuer zu giessen. Da unter den 45 Zuhörern in der Aula Sproochbrugg kein Gemeindevertreter war, war - bis auf einen Votanten - in der Diskussion keine Stimme zu hören, welche das Vorgehen des Gemeinderates stützte.

Im Gegenteil: Wiederholt machten Personen darauf aufmerksam, dass es im Abstimmungsbüchlein nur so von «halbwahren oder nicht vollständigen Informationen» strotze. Und dass man deshalb gut daran täte, ungeachtet des Ergebnisses an der Urne eine Stimmrechtsbeschwerde zu erheben. Besonders der Umstand, dass die Gemeindebehörde laut Angaben der Anwesenden scheinbar mit irreführenden Fotomontagen die Stimmbürger zu beeinflussen versuche, erregte Unmut. Ein älterer Herr formulierte es am Ende des Abends so: «Ich denke, dass wir jetzt die Diskussion falsch führen. Der «Eisenring» hat ja eigentlich alles richtig eingegeben. Die Fotomontagen macht ja nicht der «Eisenring», sondern derjenige, der bei uns die Steuern holt – und das ist nicht in Ordnung. Ich denke, dass man da eine Stimmrechtsbeschwerde machen muss.»

Darum geht es am 17. November

Über was wird eigentlich in den Dörfern Zuckenriet, Leggenwil und Niederhelfenschwil am 17. November abgestimmt? Die Eisenring AG hatte vor Jahren Land in Lenggenwil erworben, um dort einen Neubau zu realisieren, da am Standort in Gossau der Platz knapp wurde. Der mit dem Projekt einhergehende Überbauungsplan Geren und der Teilstrassenplan Buchenstrasse wurde jedoch, nachdem zuvor die Gemeinde Niederhelfenschwil Einsprachen von Einwohnern gegen den Teilstrassenplan Buchenstrasse abgewiesen hatte, im Juli 2018 vom kantonalen Baudepartement abgelehnt. Darauf kündigte die Gemeinde im April dieses Jahres eine Grundsatzabstimmung an. Diese steht nun an. In dieser haben die Stimmbürger zu entscheiden, ob sie eine Arbeitszone A15 oder eine Arbeitszone A18.5 im Dorf haben wollen. 

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45 Stimmberechtigte liessen sich am Dienstagabend in der Aula Sproochbrugg von der der IG Lebensqualität NLZ über die "Eisenring"-Abstimmung vom kommenden 17. November informieren.

Die IG Lebensqualität bekämpft die Variante A 18.5, welche eine Gebäudegesamthöhe von 18.5 Meter erlaubt und von «Eisenring» bevorzugt wird. Wie Patrick Mathis erklärte, sei A18.5 die für «Eisenring» massgeschneiderte Variante, die mit einem massiven Bau von 170 bis 180 Meter Fassadenlänge und 18,5 Meter Gesamthöhe aufwarte, jedoch «ein massiver Klotz» sei, «der nicht in unsere ländliche Gemeinde passt». Zudem diene die Zone A18.5 nur der Eisenring AG, denn «laut der Behörde ist die Umzonung von A15 in A18.5 für die Firma Eisenring AG möglich, jede andere Zonenänderung im Sinne der bisherigen Dorfentwicklung ist aber ausgeschlossen. Das macht uns stutzig, zumal für uns da einfach vertiefte Aklärungen fehlen», erklärte Mathis.

Ein zu grosser Betrieb fürs kleine Dorf?

Die IG Lebensqualität vertrete deshalb die Meinung, dass Bauten dieser Grösse in ein gut erschlossenes Industriegebiet wie St. Gallen West oder Gossau Ost gehörten. Zumal auch das Verkehrsaufkommen beträchtlich sein dürfte: «Die geplante Fläche ist dreimal grösser als in Gossau, das Volumen viermal grösser. Das Volumen lässt eine massiv höhere Produktivität vermuten, was Auswirkungen auf den Verkehr mindestens im gleichen Faktor erwarten lässt», so Franz Meienhofer von der IG Lebensqualität.

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Franz Meienhofer befürchtete, dass die etwaige Neuansiedlung von "Eisenring" dem Dorf einen massiven Mehrverkehr einbrocken könnte, welcher die Lebensqualität vieler schmälerte.


Visualisierung durch Visiere gewünscht

In der Diskussion wurde mehrmal gewünscht, dass die Gemeindebehörde die Fläche mit Visieren abgesteckt hätte - wozu rechtlich jedoch kein Zwang besteht. Sie selbst, so Mathis, haben vom Gemeindepräsidenten diesbezüglich erst am Nachmittag des Infoabends per Email einen negativen Bescheid erhalten. «Simon Thalmann teilte uns heute um 13.30 Uhr mit, dass der Gemeinderat keine rechtliche Grundlage sehe, um der Bevölkerung mit einer Visierung die realen Grössenverhältnisse aufzuzeigen», so Mathis.