Frau Gähwiler, wie ist Ihr aktuelles Befinden nach dem Rücktritt aus dem Stadtparlament, eher Entlastung oder eher Wehmut?

Im Moment ist gerade Sommerpause und es ist mir noch gar nicht so sehr bewusst. Vorwärts gehen heisst immer auch Liebgewonnenes zurückzulassen. Ich habe den politischen Meinungsstreit immer als eine Bereicherung empfunden. Die Auseinandersetzung im Parlament, die Diskussionen in der Fraktion und die Gespräche mit der Bevölkerung habe ich immer sehr geschätzt.

Wie lange haben Sie dem Stadtparlament angehört?

9 Jahre

Was motivierte Sie für Ihr politisches Engagement?

Ideen entwickeln, Veränderungen initiieren, kämpfen, diskutieren, sich für eine Stadt für ALLE einsetzen - gemeinsam etwas entwickeln und bewegen können, war stets ein starkes Motiv hinter all meinem Handeln.

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Für Susanne Gähwiler könnte es nach einem Unterbruch eine Rückkehr in die Politik geben.  

Welche politischen und gesellschaftlichen Anliegen waren Ihnen besonders wichtig?

Mein grosses Anliegen war, mich für benachteiligte Menschen, Ungerechtigkeiten und für die bildungsfernen Schichten einzusetzen.

Welche Situationen aus dem Parlament bleiben Ihnen unvergesslich?

Da gibt es viele Situationen, insbesondere die Arbeit in den Kommissionen bleibt unvergesslich. Viele persönliche und konstruktive Gespräche, die bei den Abstimmungen am Schluss manchmal doch ein anderes Bild zeigten. Unvergesslich bleibt mir sicher der erfolgreich eingebrachte Partizipationsartikel und dass sich die Stadt Wil zumindest mit Tagesschulen auseinandersetzt.

Wie lautet Ihr Schlussresümee nach Ihrer Parlamentstätigkeit?

Ich möchte mich gerne bei der Bevölkerung für ihr Vertrauen und die Unterstützung bedanken. Diese Zeit hat viele positive Spuren hinterlassen. Ich habe hier so viel gelernt, erlebt und erfahren. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Sitzung an der Seite von Katja Hegelbach erinnern und an das Herzklopfen bei den ersten Voten, mittlerweile kann ich ziemlich entspannt vor vielen Menschen reden. Die Arbeit in den Kommissionen war für mich stets sehr bereichernd - insbesondere der Abschied aus der Bildungskommission ist für mich schmerzlich, da ich in dieser Kommission mein grosses Fachwissen einbringen konnte, im Gegensatz zu meiner langen Tätigkeit in der Bau- und Verkehrkommission.

Werden Sie sich in irgend einer Weise weiterhin politisch engagieren?

Im nächsten Jahr werde ich mir Zeit für meine Familie und meine berufliche Zukunft nehmen. Nachher kann ich mir sehr gut vorstellen, wieder aktiv zu werden. Es gäbe schon noch Ämter, die mich interessieren würden.

Nun wird Ihnen mehr Zeit zur Verfügung stehen, wie werden Sie sie nutzen?

Für mich, meine Familie und meine Klasse. Durch meine verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten, PH St.Gallen und dem Parlament blieb die letzten Jahre nicht viel Zeit für die Familie, Sport, Lesen und Kreativität. In erster Linie möchte ich mir Raum für Neues schaffen und habe mich nebst dem Parlament von vielen anderen Engagements verabschiedet. Ich bin gespannt, wie schnell ich mich daran gewöhnen werde und es sich nicht nach viel mehr Zeit anfühlt.