hallowil hat beim Wiler Kantonsrat Erwin Böhi nachgefragt, wie diese widersprüchlichen Signale der SVP zu verstehen sind? 

Die Umgestaltung der St. Galler Spitallandschaft wird dazu führen, dass vier der bisher neun Spitäler in Gesundheits- und Notfallzentren umgewandelt werden. Das bedeutet, in Altstätten, Flawil, Rorschach und Wattwil wird es keine eigentlichen Spitäler mehr geben, was verständlicherweise in den betroffenen Regionen Widerstand auslöste. Diese Thematik wurde seit 2018, als die Reformpläne der Regierung bekannt wurden, öffentlich kontrovers diskutiert, auch innerhalb der politischen Parteien und natürlich ebenfalls bei der SVP. Die Sektion Toggenburg hat sich nun dafür ausgesprochen, bei der Abstimmung vom 13. Juni über die Abschreibung des Baukredits von 2014 für das Spital Wattwil Nein zu sagen. Ich finde, das ist ihr gutes Recht, auch wenn ich selbst anderer Meinung bin.

Können sich diese unterschiedlichen Sichtweisen auf das Spital Wil auswirken?

Falls das St. Galler Stimmvolk Nein sagt und den Baukredit nicht abschreibt, dann entsteht eine politische Pattsituation, denn ein solcher Entscheid würde im Widerspruch stehen zum Beschluss des Kantonsrats, das Wattwiler Spital durch ein Gesundheits- und Notfallzentrum zu ersetzen. Aufgrund der aktuellen Mehrheitsverhältnisse wäre es aber unwahrscheinlich, dass der Kantonsrat seine Meinung ändert und auf seinen Beschluss zurückkommt. Weil er diese Thematik abschliessend entscheiden kann, würde ein Nein des Stimmvolks nicht bedeuten, dass Wattwil Spitalstandort bleibt. Die Bettenabteilung würde somit nach Wil verlegt, was die Auslastung des hiesigen Spitals erhöhen und seine heute prekäre finanzielle Situation verbessern würde.

Demnach besteht trotz anders lautender Abstimmungspropaganda kaum Chancen auf einer Weiterbestand des Spital Wattwil?

Die einzige Möglichkeit, Wattwil als Spitalstandort aufrechtzuerhalten wäre mittels einer Volksinitiative, wobei auch dabei die gesamte St. Galler Stimmbevölkerung das letzte Wort hätte und nicht nur das Toggenburg. Die Chancen einer solchen Volksinitiative wird man bereits aufgrund des Abstimmungsresultats vom 13. Juni einschätzen können.  

Weiteres zum Thema: Siehe auch das Interview mit Erwin Böhi, das hallowil am am 21. März publiziert hat.