Seit 2016 sind Sie als internationaler Chefexperte an den Weltmeisterschaften tätig. Was ist dabei Ihre Aufgabe?

Als Chefexperte ist man für den Gesamtablauf des Wettbewerbes, also auch für die Vorbereitungen der Experten und die technische Einrichtung verantwortlich. Selbst bewertet man nicht, aber man prüft und kontrolliert, das richtig beurteilt wird. Der Chefexperte wird immer vom gesamten Expertengremium, in unserem Falle 38 Ländern, gewählt. In der Regel wird ein erfahrener, international angesehener Experte vorgeschlagen.

Und wie sind Sie dazu gekommen?

Da ich bereits seit 2010 Experte war, die Erfahrungen als WM-Organisator 2003 aus St.Gallen hatte und als ehemaliger Schweizermeister an der Weltmeisterschaft 1999 teilgenommen habe, konnte ich natürlich mit einem sehr breiten Erfahrungsschatz auftrumpfen.

Als Trainer konnten sie sechs Goldmedaillen mit nach Hause nehmen. Wie gross ist jeweils die Freude, welche Sie mit den jungen Berufsleuten teilen, über eine solche Auszeichnung?

Natürlich riesig. Die gesamten Vorbereitungen für einen solchen Grossanlass sind enorm. Jeder investiert sehr viel Freizeit. Die Wettkämpfer gehen bei mir zu Hause irgendwann ein und aus, sie werden zu Familienmitgliedern. Das schweisst enorm zusammen. So leidet und freut man sich mit ihnen.

Was macht für Sie der Reiz als Trainer aus?

Es ist nicht mal der Reiz. Ich sehe es als Berufung. In meinen jungen Jahren durfte ich sehr viel von erfahrenen Berufsleuten lernen und wurde immer gefördert. Deshalb sehe ich es als Pflicht, Wissen weiterzugeben, damit auch andere profitieren können. Zudem erhält man das Privileg, sich als internationaler Juror mit Berufskollegen aus der ganzen Welt auszutauschen. Man darf ein sehr grosses Netzwerk aufbauen und sein kulturelles Verständnis erweitern.

Kürzlich verhalfen Sie Martina Wick an den Berufsweltmeisterschaften zum Sieg. An welche Begebenheiten erinnern Sie sich noch besonders gut?

Ich wusste, dass ihr der Franzose, welcher wirklich eine Top Leistung erbracht hatte, ganz nah an den Fersen klebte. Der letzte Tag war bei beiden matschentscheidend: Wer behält die Nerven bis zur letzten Minute? Der würde dann ganz oben stehen. Martina trotzte dem hohen Druck und arbeitete bis zur letzten Sekunde mit enorm hoher Präzision und Ruhe. Es war einfach ihr Lauf: Die gesamte Vorbereitung, die mentale Stärke – alles hat gepasst und verwies den Franzosen auf den zweiten Platz. Aber der Nervenkitzel war bis zum Schluss da.

Künftig werden Sie Mitglied der Geschäftsleitung von SwissSkills. Welche Arbeiten übernehmen Sie?

Ich habe seit 2020 als Technischer Delegierter und Mitglied der Geschäftsleitung die Gesamtverantwortung über alle internationalen Missionen der Berufs-Nationalmannschaft übernommen. Somit bin ich für alle Experten und Wettkämpfer jeglicher Berufsgattungen, welche an den EuroSkills und an den WorldSkills teilnehmen, verantwortlich. Eine solche Delegation besteht aus etwa 100 Leuten. Dies beinhaltet die Vorbereitung für die Wettkämpfe und die internationale Vertretung der Schweiz als Mitgliedsland. Im Weiteren unterstütze ich alle Berufsverbände und mein erfahrenes Expertenteam, um die besten Talente für zukünftige Missionen zu selektionieren.

Stimmt es Sie auch ein bisschen wehmütig, vielleicht nicht mehr ganz nah bei den jungen Berufsleuten sein zu können?

Es ist sicherlich nicht mehr das eins zu eins im fachlichen Bereich. Ich bin jetzt in einer neuen Funktion, welche nah bei allen Wettkämpfern ist. Somit darf ich mit vielen jungen Talenten in den Austausch gehen. Für das andere arbeite ich ja noch gerne an der Berufsfachschule. Dort nehme ich mit meinen Lernenden an anderen Wettbewerben teil und unterstütze sie fachlich, wo es nötig ist.

In diesem Jahr wurde Ihnen auch der Förderpreis der Hans Huber Stiftung verliehen. Wie gross ist bei Ihnen die Freude über solche Auszeichnungen?

Die Freude ist sehr gross. Ich darf diesen Preis nun zum vierten Mal entgegennehmen, was eine grosse und besondere Ehre ist. Auch deshalb, weil ich bei der letzten Preisvergabe etwas leichtherzig mein Wiederkehren angekündigt hatte. Auszeichnungen sind neben einer Anerkennung eigener Leistungen auch wichtige Gelegenheiten, der dualen Berufsbildung und derer Wichtigkeit ein Gesicht in der Öffentlichkeit zu geben. Denn dies ist ein enorm wichtiger Rückgrat unserer Gesellschaft und kämpft mit grosser Sorge um Nachwuchs.

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Kürzlich verhalf er Martina Wick an den Berufsweltmeisterschaften zum Sieg.