Strassenlärm beeinträchtigt die Lebensqualität. Der Lärm von Autos hat zwei Hauptursachen. Der Motor produziert Lärm. Bereits ab Tempo 20 bis 25 aber sind die Abrollgeräusche der Autos lauter als der Motor und damit der prägende Faktor für die Lärmbelastung. Damit ist auch klar: Selbst wenn die Fahrzeugflotte sich Richtung Elektroautos entwickelt, bleibt der Verkehrslärm, ausgelöst durch die Abrollgeräusche, ein Thema. Und: Durch den Trend hin zu grösseren und schwereren Fahrzeugen mit breiteren Reifen steigt das Rollgeräusch und damit der Lärm.

Flüsterbeläge

Zum Schutz vor Strassenlärm sind Schallschutzfenster und Lärmschutzwände oft eingesetzte Mittel. Aber eigentlich gibt das Gesetz vor, den Lärm an der Quelle zu bekämpfen. Kommt dazu: Lärmschutzwände verunstalten oft den Lebensraum, Lärmschutzfenster nützen nur, wenn sie geschlossen sind. Und wer will schon immer die Fenster geschlossen halten. Wichtiges Element können deshalb Flüsterbeläge sein, die Fachwelt spricht von lärmarmen Belägen. Was unterscheidet sie von normalen Belägen? Vereinfacht gesagt: Je kleiner die Korngrösse in der Belagsmischung und je grösser die Hohlräume im Belag, desto leiser ist der Belag. Die Forschung nach optimierten Belägen läuft, die Erkenntnisse fliessen laufend in die Praxis ein. Flüsterbeläge sind etwas teurer als konventionelle Beläge. Und sie haben eine weniger lange Lebensdauer. Auf der anderen Seite erfüllen sie ihren Hauptzweck: Den Lärm an der Quelle zu reduzieren.

Uzwiler Erfahrungen

Die Wiesentalstrasse erhielt vor fünf Jahren einen lärmarmen Belag. Seither überwacht der Kanton die Wirkung des Belages mit jährlichen Messungen. Das erstaunliche Ergebnis: Der Belag hat nur sehr wenig von seiner lärmreduzierenden Wirkung verloren. Noch immer ist der Flüsterbelag der Wiesentalstrasse rund fünf Dezibel leiser als ein konventioneller Strassenbelag. Das entspricht etwa derselben Wirkung, wie sie eine Halbierung des Verkehrs hätte. Die Werte sind damit deutlich besser als erwartet. Dazu Besim Osmani, Projektleiter Tiefbau der Uzwiler Verwaltung: «Entscheidend dürften zwei Faktoren sein. Zweimal jährlich lassen wir den Belag von einem beauftragten Unternehmen mit Hochdruck reinigen, das Reinigungswasser und die Verschmutzungen werden gleich abgesaugt. So bleiben die Poren des Belages offen. Und bewährt hat sich auch, dass der Flüsterbelag in einer Strasse eingebaut wurde, die einen hochwertigen und intakten Unterbau aufweist.» Nebst der Wiesentalstrasse erhielt auch die Henauerstrasse im Niederuzwiler Zentrumsgebiet einen Flüsterbelag.

Lindenstrasse

Aufgrund der Lärmmessungen wäre bei der Lindenstrasse kein Flüsterbelag erforderlich gewesen. Trotzdem hat die Gemeinde bei der Sanierung einen solchen eingebaut, im Interesse der Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner. In den Zentren zu wohnen, muss unter verschiedenen Gesichtspunkten attraktiver werden. Verkehrslärm ist einer davon. Zum Einsatz kam ein weiterentwickelter Belag der neusten Generation. Die Fachleute gehen davon aus, dass seine Wirkung etwa gleich ist, wie wenn sich der Verkehr auf der Strasse um mehr als die Hälfte reduzieren würde. Damit diese versprochene Wirkung möglichst erreicht wird, wurde der Belagseinbau von der Gemeinde eng überwacht, wurden Proben entnommen und wird eine mehrjährige Messreihe zeigen, wie sich der neue Belag verhält. Einen identischen Belag will der Kanton dann auch bei der Sanierung der Bahnhofstrasse im Uzwiler Zentrum verwenden. Besim Osmani: «Vorher-Nachher-Vergleiche beim Lärm sind schwierig. Wer hat schon eine klare Erinnerung, wie der Lärm früher war? Die Lindenstrasse ist ein guter Ort, um sich selber ein Bild vom Unterschied zwischen einem konventionellen und einem Flüsterbelag zu verschaffen. Im Bereich der Uzebrücke beim Gemeindehaus ist der Übergang vom neuen auf den alten Belag. Autos, die vom Zentrum her Richtung Lindenplatz fahren, fahren auf dem neuen Belag wie auf einem Teppich. Hörbar lauter werden sie, wenn sie auf den alten Belag wechseln.»