Corona ist wahlweise eine Erfindung von China, Bill Gates oder den Reptiloiden, eine eigens gezüchtete Biowaffe oder schlicht nicht real, auch dem Klimawandel wird noch immer regelmässig die Existenz abgesprochen und überhaupt ist die Erde erst etwa 6000 Jahre alt. Fake News existieren nicht erst seit der polternde Ex-Potus sein Geschwurbel über den grossen Teich schickte – aber seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass «alternativen Fakten» mehr Glaubwürdigkeit geschenkt wird, als, sagen wir, einer wissenschaftlichen Taskforce.

Woher kommt es, dass wir bestimmten Meldungen mehr Glauben schenken als anderen? Und wie entlarven wir Fake News in einer Zeit der ständigen Berieselung, gar Beschallung mit Informationen, Meldungen und Mitteilungen? So viel vorweg: Es ist kompliziert. Aus der Kommunikationsforschung weiss man, dass wir jenen Nachrichten mehr Glauben schenken, die gut oder besser als andere in unser Weltbild passen. Das gilt sowohl für wahre als auch für falsche Nachrichten. Ausserdem glauben wir Nachrichten eher, wenn sie aus einem Umfeld kommen, dem wir vertrauen. Wenn sie zum Beispiel aus dem persönlichen Umfeld kommen oder aber von prominenten Personen. Ob ein Twitter-Account von einer berühmten Person oder von Unbekannten bedient wird, macht einen ziemlich grossen Unterschied.

Und man nimmt Nachrichten schneller für bare Münze, wenn man direkt betroffen ist oder betroffen sein könnte. So etwa im Falle der Falschmeldung über Kindesentführungen in der Region, die in letzter Zeit in den sozialen Medien die Runde machte. hallowil.ch hatte bei der Kapo nachgehakt: Entführt wurde niemand. Aber gerade, wenn es um Kinder geht, wird es schnell emotional und schwierig zu überblicken. Wenn nun also so eine «Warnung» kursiert, fühlen sich schnell all jene betroffen, die selber Kinder haben oder noch Kinder sind. Betroffen sind wir auch alle von Corona und den damit verbundenen Einschnitten und der grossen Unsicherheit. Diese Betroffenheit ist nachvollziehbar und verständlich – und trotzdem gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und die täglich auf uns einprasselnden Meldungen zu hinterfragen und auf ihre Seriosität hin zu überprüfen. Das kann man und soll man natürlich auch mit den Weisungen des Bundesrats machen, aber man soll es eben auch tun, wenn die Meldungen von Komikern, Köchen oder Kosmetikern kommen.

Hinterfragen

Ein wichtiges «Instrument» dafür ist denn auch das eigentliche Hinterfragen: Klingt es plausibel? Wer hat die Meldung eigentlich veröffentlicht? Welche Interessen könnten dahinter stecken? Wie sieht das Profil aus, von dem die Meldung kommt? Welche Meldungen werden dort noch so verbreitet? Und: Würde ich meinen Lohn auf den Wahrheitsgehalt der Meldung verwetten?

Urheber prüfen

Auch wichtig und meist mit wenigen Klicks herauszufinden ist, wer Urheber einer Meldung oder einer Website ist.  Steht eine Einzelperson hinter einer Meldung oder verbirgt sich dahinter etwa ein Unternehmen, eine politische Gruppierung usw.? Dafür lohnt sich ein Blick ins Impressum einer Seite, auch eine Domain-Abfrage ist ein guter Schritt (seit dem 1. Januar 2021 werden allerdings allfällige Personendaten nur noch auf ein Gesuch hin veröffentlicht).

Eigentliche Nachricht prüfen

Gibt es schon Einträge im Netz, die gleich lauten, aber deutlich älter sind? Oder gibt es Seiten, die die Nachricht schon aufgegriffen und als Fake entlarvt haben? Wie berichten vertrauenswürdige Nachrichtenseiten über das Thema? Wenn die Internetrecherche nichts bringt, dann lohnt sich auch mal der Griff zum Telefonhörer oder das direkte Nachfragen. So wie es hallowil.ch bei der Entführungsmeldung getan hat zum Beispiel.