Am vergangenen Samstag machte an einem Event in der Wiler Altstadt eine historische Persönlichkeit ihre Aufwartung. Zuvor konnten die Teilnehmenden den einmaligen Rundblick aus dem Türmchen des Baronenhauses geniessen.Die Verblüffung bei den rund zwei Dutzend Besucherinnen und Besuchern war gross als plötzlich der einstige Hausherr des Baronenhauses in dessen Eingangshalle auftauchte. In grauem Frack und Zylinder stellte sich der Überraschungsgast als Baron Johann Nepomuk Wirz à Rudenz vor. Verkörpert wurde er von Walter Dönni, Präsident der Bühne 70 und von Wil Tourismus. Er alias Wirz à Rudenz erzählte aus dem bewegten Leben des letzten Reichsvogtes. Der 1841 verstorbene war unter anderem Bauherr der stattlichen Rudenzburg sowie Brauereigründer. Der Auftritt bildete einen der Höhepunkte der zweieinhalb stündigen Veranstaltung, die mit einem geselligen Apéro ausklang.

Nach `Brot & Buch` und `Krönender Schaum` war es der dritte Event in der Reihe `Altstadt Plus`. Deren Ziel ist es wieder mehr Leben in die historischen Gassen zu bringen. Weitere Anlässe werden gemäss dem Veranstalter Simon Lumpert, der die Altstadtvereinigung präsidiert, folgen.

Ausblick aus dem Turmzimmer
Eine weitere Attraktion war der exklusive Ausblick aus dem Türmchen des Baronenhauses auf die vielfältigen Braun- und Rottöne der Dachlandschaften der Altstadt. Malermeister Bruno Egli führte die Teilnehmenden in das Turmzimmer des markanten Baues am Goldenen Boden. In der Werkstatt seines Malerbetriebes in Wil wurden kürzlich die Fensterläden des Baronenhausesturms mit der markanten Bärensilhouette versehen.

Vorgängig hatte Paul Mayer als versierter Altstadtführer die Gäste in einige besonders schmucke Zimmer des palastartigen Gebäudes geführt. Dort erzählte er ihnen von der Entstehungsgeschichte der kunstvollen Intarsien, Stuckaturen und Kachelöfen.

Beschränkte Farbpalette
„Frisch gestrichen“ lautete das Thema des Anlasses. Ruedi Elser, dipl. Architekt ETH und ehemaliger Altstadtberater sowie Bruno Egli erläuterten auf geführten Rundgängen, welche Kriterien bei der farblichen Gestaltung von Liegenschaften in der Altstadt beachtet werden, wenn diese einer Renovation unterzogen werden sollen. Ruedi Elser sprach dabei unter anderem von Farbharmonien und Akzenten, die in den historischen Häuserzeilen gesetzt werden sollen.

Während heute für Bauherren sämtliche Farbtöne erhältlich sind, stand in der Entstehungszeit der Altstadthäuser nur eine beschränkte Auswahl zur Verfügung, dem gelte es Rechnung zu tragen. „Wenn Sie beispielsweise heute ihre Fassade im Farbton ihres Nagellackes streichen wollen, ist dies ohne weiteres möglich“, meinte Elser schmunzelnd. Ob dieses Vorhaben von der Baubehörde bewilligt würde, liess der Experte offen.