Nachdem bei der Sifa-Eröffnung am Donnerstagabend ein Artist Feuer geschluckt hatte, wurde am Dienstagabend der Zirkus-Direktor von den Flammen geschluckt. Nicht ein richtiger Mensch ist verbrannt worden, sondern der rund fünf Meter hohe «Füürlizapfe», also der «Böögg» der Sirnacher Fasnacht. Erbaut wurde er nicht wie in den vergangenen fünf Jahren von den «Zapfen-Mannli», sondern von einem Sifa-Team unter der Leitung der ehemaligen Muschelfee Shelby Lee Widmoser. Somit ist das närrische Treiben in der Region bis zum 11. November vorbei.

 
Im Echtzeit-Video: So schnell geht es dem "Füürlizapfe" an den Kragen.

Es ist der Zeitpunkt, um nüchtern auf die flüssigen Fasnachts-Tage zurückzublicken. In Sirnach und Wil ziehen die Verantwortlichen der Sifa und FGW ein positives Gesamtfazit. An beiden Orten gab es einen Umzug mit 50 oder mehr Nummern, es waren 10'000 oder mehr Zuschauer dabei – und vor allem gab es keine Zwischenfälle in Form von Ausschreitungen wegen überhöhtem Alkoholkonsum.

Wagenprämierung auch in Wil

In Wil gibt es aber durchaus Punkte, die man aufs nächste Jahr hin verbessern möchte. Vor allem eine Steigerung der Qualität der Wagen liegt FGW-Präsident Oliver Baumgartner am Herzen. Er sagt: «Wir werden künftig vermehrt darauf achten und eine Wagenprämierung einführen.» Ein Dorn im Auge sind ihm in erster Linie die Barwagen. Sie produzieren hauptsächlich laute Musik, haben aber nicht viel Fastnächtliches an sich. Da die Umgebung teilweise schon deutlich vor Umzugsbeginn beschallt wurde, setzte es Kritik ab. «Da haben wir Sensibilisierungsbedarf für das nächste Jahr. Auch uns ist klar, dass nicht jeder ein Fastnächtler ist. Vor allem vor dem Umzug muss die Lautstärke runtergedreht werden», sagt Baumgartner.

In Sirnach sind klassische Barwagen seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen. «Die hohe Qualität, die wir diesbezüglich durchgesetzt haben, wird von den Besuchern gelobt. Weil sich das herumgesprochen hat, müssen wir je länger je weniger Anfragen ablehnen», sagt Marco Meuri, Präsident der Sifa. Eine Wagenprämierung gibt es in Sirnach bereits. Dabei können Einkaufs-Gutscheine gewonnen werden.

Gümpeli-Mittwoch soll straffer werden

Ebenfalls augenscheinlich war, dass in Sirnach nur noch zwei und in Wil gar keine Schulklasse mehr dabei waren. Das Interesse an der Fasnacht scheint bei den Lehrkräften nicht mehr so gross zu sein wie auch schon. «Ich hoffe, dass nächstes Jahr wieder Kindergruppen am Umzug teilnehmen. Aufgrund der medialen Berichterstattung zu diesem Thema haben sich schon einige Lehrer gemeldet. Die Zusage einer Wiler Klasse für das nächste Jahre gibt es aber noch nicht», sagt Baumgartner. Angst, dass deswegen diese Wiler Tradition aussterben könnte, hat er nicht. Weder bei der FGW noch bei der Tüüfelsgilde gibt es ein Nachwuchsproblem.

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Diese Einrad-Artisten von der Schule Kastanienhof in St. Margarethen waren eine von nur zwei Schulklassen, die an den Umzügen Sirnach und Wil teilnahmen. (Bild: Bettina Brauchli)

Auch der Gümpeli-Mittwoch dürfte hinsichtlich des nächsten Jahres unter die Lupe genommen und wohl einige Anpassungen erfahren. Laut Baumgartner wird eine Straffung des Anlasses angestrebt und der Auftritt des Herolds zeitlich nach vorne genommen. Der vorgelagerte Umzug hat noch nicht wirklich funktioniert. Dafür war die Beschallung während des Verlesens der Bulle von Herold Michael Sarbach überdurchschnittlich gut.