Nach sieben Stunden Fliegen, der Ankunft in Roxbury und zwei intensiven Trainingstagen hatte sich das U18-Faustball-Männerteam mit dem Wallenwiler Thomas Weder einigermassen an die Gegebenheiten in den USA anpasst. Die Zeitverschiebung spielte eine Rolle, die Bodenverhältnisse waren anders als in der Schweiz und das Wetter war heiss. Gesehen hatte Weder von den USA nur wenig. Einen Flughafen, das Hotel, den Hotelswimmingpool, den Trainings- und Spielplatz, das nahe Wäldchen und immerhin, beim An- und Abflug eine eindrückliche Skyline. Es galt strenge Regeln zu befolgen: Zum Essen gab es nur helles Fleisch, wenig Fett, Speck war beispielsweise verboten. Die Nachtruhe war wichtig. Schlafen ging man zwischen 21 Uhr und 22 Uhr, um dann am nächsten Morgen zwischen 7 Uhr und 8 Uhr aufzustehen. Allmählich stellte sich auch ein spezielles Gefühl ein. Weder wurde es bewusst, dass er einer der Auserwählten für diese WM war.

Mental fit mit einem Ritual
Die Schweizer Spieler trafen sich jeweils neben dem späteren Spielfeld und bilden einen Kreis um die Schweizer Fahne, die in der Mitte lag. Sie hörten ihren Team-Song. Der Trainer rief: “Swiss go!“ Die Spieler wiederholen das oft und so laut sie konnten und gingen fünf Meter nach aussen. So brachten sie sich in Kampfstimmung und wollten gewinnen – und die Gegner einschüchtern.

Dann das erste Gruppenspiel gegen Argentinien. Nach dem üblichen Ritual war es dieses Mal anders als sonst. Beim Einlaufen wurde es Weder warm und kalt – Gänsehaut und Schweiss. Er war angespannt, nervös und zugleich froh, dass es endlich losging. Den Schweizern gelang ein guter Start. Die Mannschaft konnte die Argentinier mit 3:0 schlagen.

Vor dem Spiel gegen den bisherigen U18-Weltmeister Deutschland waren aber alle nervös. Es kamen schärfere Bälle und das Spiel zeichnete sich durch ein höheres Tempo aus. Die deutschen Spieler hatten mehr Erfahrung und kannten die Abläufe besser. Die Schweizer verloren mit 0:3. Es reichte schliesslich für die Halbfinal, wo gegen den späteren U18-Weltmeister Brasilien eine 0:3-Niederlage resultierte. Auch das Spiel um Platz drei gegen Österreich ging mit 0:3 verloren.

Vom Schiedsrichter aus der Bahn geworfen
Was der Schiedsrichter pfeift und sagt, das gilt. Das hat auch Weder erfahren. Der Unparteiische hat einen Fehler gesehen, der – wie der Lifestream später zeigte – gar keiner war. Der Hinterthurgauer hat beim Pfiff „Was“ geschrien und der Schiedsrichter hat das englische Wort „F...“ verstanden und die gelbe Karte gezückt. Ältere Spieler wissen meist gut mit solchen Situationen umzugehen. Für Weder war das brutal. Nach dem falschen Pfiff und der ersten gelben Karte fand er nicht mehr zurück ins Spiel. Der Rhythmus war gebrochen und der Tag im Eimer. Die anteilnehmenden, verständnisvollen Reaktionen der Teamkollegen und des Trainers halfen kaum.

An der eigenen Kraft arbeiten
Auf die WM 2020 angesprochen, sagt Weder sofort: «Ich möchte dabei sein.» Man sei nicht automatisch gesetzt. Man müsse sich wieder qualifizieren, den Fitness-Test bestehen, an seiner Technik feilen und in seinem Fall, möglichst keine Fehler mehr beim Anschlag machen, auch noch Kraft bekommen für einen stärkeren «Hammer».

Bericht: Margrit Keller