Es war eine skurrile Szene am Sonntagabend bei der Siegerehrung des Regiomasters. Dem FC Bazenheid wurde ein Pokal überreicht. Aber es war niemand in der Halle, der den Pot abholen wollte. Wie bitte? Mit einem Pokal hatte scheinbar bei den Toggnburgern niemand gerechnet. Denn schon rund dreieinhalb Stunden vor der Siegerehrung hatten sie ihr letztes Spiel absolviert und waren in der Vorrunde ausgeschieden. Den Pokal gab es für das fairste der 16 Teams. Gerade einmal fünf Fouls leisteten sich die Bazenheider in ihren drei Vorrundenspielen. Kein anderes Team brachte es auf einen tieferen Schnitt als 1,67 Fouls pro 14-minütiger Partie. Bis vor dem Endspiel hatte der SC Brühl in dieser Wertung einen besseren Wert, danach nicht mehr.

Was die bereits heimgereisten Toggenburger ebenfalls verpassten: Der Rekord des besten Turnier-Torschützen aller mittlerweile 30 Regiomasters-Ausgaben bleibt beim FC Bazenheid. Vor Jahresfrist hatte Darko Anic, der nun nicht mehr im Verein spielt, 14 Tore erzielt und diese Bestmarke aufgestellt. Dieses Mal kam Enes Ciftci vom FC Rapperswil-Jona diesem Wert zwar sehr nahe, liess sich aber mit 13 Treffern als Torschützenkönig feiern.

Lauter Niederlagen gegen Unterklassige

So viel der guten Neuigkeiten. Sportlich war es eine einzige Enttäuschung, was die mit einem Rumpfteam angetretenen Toggnburger am grössten Ostschweizer Hallenturnier zeigten. Als Vertreter der 2. Liga interregional trafen sie in der Vorrunde auf lauter unterklassige Teams – und holten dabei keinen einzigen Punkt. Mit einem Torverhältnis von 4:14 schied die Equipe von Trainer Eddy Coutinho sang- und klanglos aus. Die Mannschaft war meilenweit von jenen Auftritten entfernt, welche sie vergangenes Jahr bis ins Halbfinal geführt hatten. Oder etwas zugespitzt formuliert: Die Bazenheider machten so weiter, wie sie im Herbst draussen auf dem Feld aufgehört hatten: mit einer Niederlageserie.

Nicht besser lief es der U20-Auswahl des FC Wil, die ebenfalls ohne einen einzigen Punktgewinn nach der Vorrunde die Segel streichen musste. In den ersten beiden Auftritten gegen Herisau und Abtwil-Engelburg führten die jungen Wiler zwar je mit 2:0, liefen dann aber zweimal in eine 2:3-Niederlage. Das Ausscheiden war somit, genau wie beim FC Bazenheid, schon zur Mittagspause Tatsache. Beide Teams stehen übrigens noch nicht in der Vorbereitung auf die Rückrunde.

Feldspieler wird bester Torhüter

Gewonnen wurde das Turnier vom souveränen 3.-Liga-Tabellenführer KF Dardania. Die Stadt-Sankt-Galler verloren zwar ihr erstes Gruppenspiel und dabei ihren Torhüter wegen einer Verletzung. Doch Feldspieler Jetmir Beqiraj hielt danach so gut, dass die Turnier-Organisatoren nicht darum herumkamen, ihn als «Nicht-Goalie» zum besten Torhüter zu küren. Im Final brachte Beqiraj den Turnier-Rekordsieger SC Brühl zur Verzweiflung, hielt alles, ermöglichte Dardania einen 1:0-Erfolg und somit den Titelgewinn – und dies bei der ersten Turnierteilnahme des Vereins.

Weitere Infos zum Regiomasters auch unter hallochamps.ch.

Spielberichte FC Bazenheid:
Bazenheid (2.i.) – Rorschach-Goldach (2.) 2:5
Dem FC Bazenheid ist der Auftakt ins Regiomasters gründlich missglückt. Gegen den FC Rorschach-Goldach verliert er mit 2:5. Die Toggenburger lassen sich ein ums andere Mal ausspielen. Aber immerhin: Das schönste Tor des Spiels erzielt der FC Bazenheid, nämlich Etienne Bachmann mit der Hacke nach schönem Durchspiel. Den zweiten Treffer der Rot-Schwarzen markiert Matthias Rüegg.

Bazenheid (2.i.) – Wittenbach (3.) 1:5
Wieder lässt sich der FC Bazenheid von einem unterklassigen Verein wiederholt auskontern und läuft in die zweite hohe Niederlage. Zwar haben die Toggenburger mehr Ballbesitz, finden aber zu wenige Lösungen. Dem FC Wittenbach genügt es, Konter zu fahren und diese erfolgreich abzuschliessen. So steht es zwischenzeitlich 0:5, ehe Kevin Gomes noch der Ehrentreffer gelingt.

Bazenheid (2.i.) – Winkeln (2.) 1:4
Wieder nichts für die Toggenburger. In einem Spiel, in dem es für beide Teams um nichts mehr geht, gibt es die dritte Pleite für den FC Bazenheid. Wie schon zuvor gegen Wittenbach kommt die Mannschaft von Trainer Eddy Coutinho erst zum ersten Torerfolg, als die Entscheidung beriets gefallen ist - in diesem Fall durch Adi Oberholzer beim Stand von 0:4. Somit scheiden die Bazenheider mit drei Niederlagen sang- und klanglos aus.

Spielberichte FC Wil U20:
Wil U20 (2.i.) – Herisau (3.) 2:3
Die U20-Auswahl des FC Wil besiegt sich im ersten Spiel selber. Zwar gehen die Äbtestädter gegen den um zwei Ligen tiefer spielenden FC Herisau mit 2:0 in Führung und sind auf scheinbar sicherem Weg zum Startsieg. Doch unmittelbar nach dem 2:0 fällt das erste Gegentor. Und dann nehmen die Wiler gleich zwei 2-Minuten-Strafen. Die fällige Unterzahl hatte jeweils eigen Gegentreffer zur Folge. Die Startniederlage ist perfekt.

Wil U20 (2.i.) – Abtwil-Engelburg (2.) 2:3
Déjà-vu für die jungen Wiler: Auch gegen Abtwil-Engelburg geht die Mannschaft von Trainer Fabinho schnell mit 2:0 in Führung, kassiert dann aber postwendend das erste Gegentor. Und auch in dieser Partie entgleitet die Führung schliesslich vollends. Nach der zweiten 2:3-Niederlage des Tages sind die Wiler nach zwei Spielen bereits ausgeschieden.

Wil U20 (2.i.) – Rapperswil-Jona (PL) 1:4
Für beide Teams geht es in diesem Spiel um nichts mehr. Während der FC Wil U20 bereits ausgeschieden ist, steht Rapperswil-Jona, das mit nur sechs Spielern angetreten ist, bereits im Viertelfinal. Das Kehraus-Spiel trägt den Wilern die dritte Niederlage im dritten Spiel ein. Somit muss die Mannschaft von Trainer Fabinho ohne einen einzigen Punkt auf die Heimreise.

Im Video: Fabinho zu drei Niederlagen in drei Spielen

 
Der FC-Wil-U20-Trainer zeigt sich im hallowil.ch-Interview zwar unzufrieden, kann das frühe Out aber verkraften.

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Turnier-Vorschau:

Es ist ein Jubiläum: Bereits zum 30. Mal geht am Sontag das Regiomasters über die Bühne. Der vom FC Fortuna St. Gallen organisierte Anlass ist nichts anderes als das grösste Hallenturnier der Ostschweiz. Zwar beteiligen sich die Fanionteams des FC St. Gallen und des FC Wil nicht, dafür sonst 16 Teams zwischen dem Ober- und dem Bodensee, zwischen der Promotion League und der 3. Liga. Dieses Jahr sind aus der Region Wil allerdings nur zwei Teams dabei, nämlich der FC Bazenheid und die U20-Auswahl des FC Wil, beide Vertreter der 2. Liga interregional. Beide haben das Turnier auch schon gewonnen. Die Wiler siegten im Jahr 2010. Die Krone des Torschützenkönigs durfte sich damals ein gewisser Fabian Schär aufsetzen lassen. Die Bazenheider haben das Turnier schon dreimal gewonnen, nämlich in den Jahren 2008, 2009 und 2018. Vergangenes Jahr blieben die Toggenburger im Halbfinal hängen und wurden schliesslich Vierte.

Die Wiler bekamen eine «Hammer-Gruppe» zugelost. Die Jungs von Trainer Fabinho treffen auf den Vorjahres-Turniersieger Abtwil-Engelburg und den Challenge-League-Absteiger Rapperswil-Jona – und auf Fabinhos Ex-Team Herisau. Etwas einfacher scheint die Ausgangslage für den FC Bazenheid zu sein. Er bekommt es in der Vorrunde mit den drei unterklassigen Vereinen Winkeln, Rorschach-Goldach (je 2. Liga regional) und Wittenbach (3. Liga) zu tun. Platz zwei und somit die Viertelfinal-Qualifikation muss das Ziel sein.

Voller Service aus der Kreuzbleiche

Beim Regiomasters geht es aber längst nicht nur um «Budenzauber», sondern es ist auch ein beliebtes Stelldichein zu Jahresbeginn für die Ostschweizer Fussball-Prominenz. So wird auch Tranquillo Barnetta, der vergangenen Sommer seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt hat, dabei sein und am Mittag interviewt werden.

Am Regiomasters wird dieses Jahr aber auch das neue Fussball-Online-Magazin hallochamps.ch «geboren». Dabei handelt es sich um ein Produkt der Wiler kanawai medien ag, welches sich ausschliesslich um den Ostschweizer Fussball-Nachwuchs kümmert und mit News und Hintergründen die Stars von morgen begleitet. Seit dieser Woche ist die Seite offiziell online.