Gerade jetzt im Winter, wenn es regnet oder schneit, ist ein Besuch eines FC-Wil-Heimspiels etwas für Hartgesottene – oder Sympathisanten mit einem dickeren Portemonnaie. Wer sich kein Haupttribünen-Billett leisten kann, hat während des Spiels kein Dach über dem Kopf und steht im wahrsten Sinne des Wortes im Regen. Eine Überdachung der IGP-Arena war zwar in den ursprünglichen Bauplänen für die Errichtung des Sportpark Bergholz vorgesehen, wurde dann aber verworfen, um den Gesamtkredit von 60 Millionen Franken nicht zu sprengen.

Der FC Wil strebt nun eine teilweise Überdachung an und hat am Montagnachmittag an einer Pressekonferenz die Pläne präsentiert. Überdacht würden rund drei Viertel der Gegentribüne und etwa zwei Drittel der Wiler Fansektors. Somit wären rund 4000 Personen unter Dach. Weiterhin im Regen stünden die Fans des Gastklubs. Doch warum wird nicht das ganze Stadion überdacht? FC-Wil-Präsident Maurice Weber argumentiert mit den Kosten. Das vorliegende Projekt beläuft sich auf 1,35 Millionen Franken. Die Totalüberdachung würde sich auf rund 2,8 Millionen Franken belaufen.

An einer Ecke ein zweistöckiges Gebäude

Die Konstruktion hätte gegen hinten eine geschlossene Front. Dies brächte als Vorteile mit sich, dass die Zuschauer besser vor Wind geschätzt wären und der Schall sich nicht in der ganzen Stadt verbreitete. Heute wird selbst aus Bronschhofen gemeldet, man höre es, wenn der FC Wil ein Heimspiel austrage. Positive Begleiterscheinung wäre die besser hörbare Unterstützung der Anhänger im Stadion.

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So sähe die IGP-Arena nach der Teil-Überdachung aus.

Zusätzlich zum Dach würde an der Ecke nahe das Hauptparkplatzes, wo heute der Kassen-Container steht, ein zweigeschossiges Gebäude errichtet. Darin könnte eine Buvette betrieben werden. Diese stünde nicht nur während der Spiele der ersten Mannschaft zur Verfügung, sondern auch während Nachwuchs-Partien, die ebenfalls auf dem Kunstrasen in der IGP-Arena stattfinden.

So sieht der Kostenteiler aus

Die Kosten belaufen sich auf rund 1,35 Millionen Franken. 500'000 Franken würde der Kanton St. Gallen über den Sport-Toto-Fonds beisteuern. Der städtische Beitrag beliefe sich auf 450'000 Franken. Den Rest, also rund 400'000 Franken, hätte der FC Wil beizusteuern – wohl hauptsächlich durch Bauleistungen. Über den städtischen Beitrag hat das Stadtparlament zu befinden. Im Budget für das nächste Jahr, über welches am 12. Dezember debattiert und entschieden wird, sind 100'000 Franken für die Überdachung vorgesehen. Der Rest würde im Jahr 2020 folgen. Sagt das Parlament nein, dürfte das Dach vom Tisch sein.

Wer schliesslich baut, steht noch nicht fest. Präsident Weber würde dies mit seinem Architekturbüro Weber & Partner gerne machen, zumal er auf Eigeninitiative bereits Vorleistungen erbracht und ein Projekt ausgearbeitet hat. Zu entscheiden hat dies aber die Stadt, die Eigentümerin des Fussballstadions und des ganzen Sportpark Bergholz ist. Weber hofft, dass das Dach im Frühjahr 2020 gebaut ist. 

 
Fliegen Sie schon einmal durch die überdachte IGP-Arena.

Super League: FC Wil möchte in Wil spielen

Womöglich wird aber schon vorher in der IGP-Arena gebaut. Das könnte der Fall sein, wenn der FC Wil in dieser Saison den Aufstieg in die Super League realisiert. Nach 14 Runden steht er überraschend auf Platz zwei, der zur Teilnahme an der Barrage berechtigen würde. Wie Weber an der Pressekonferenz auf Anfrage von Hallowil sagte, wird im Februar 2019 mit grosser Wahrscheinlichkeit die Super-League-Lizenz beantragt. Definitiv entscheiden wolle man, wenn die vier verbleibenden Spiele dieses Jahres absolviert sind.

Problem dabei: Die IGP-Arena in ihrem heutigen Zustand ist nicht Super League tauglich. Die Anzahl Sitzplätze ist deutlich zu tief. 700 hat es, gefordert sind mindestens 6500. Eine Sondergenehmigung erteilt die Liga, wenn ein bewilligungsfähiges Ausbauprojekt vorliegt. Dieses gibt es bereits. Es rührt noch aus Zeiten, als die türkischen Investoren beim FC Wil das Sagen hatten. Damals war neben einem Stadion-Neubau als Übergangslösung auch eine temporäre Aufrüstung der IGP-Arena angedacht – und zwar mittels Tribünen, welche die bestehenden Elemente ergänzen. Dies wäre laut Weber kompatibel mit den Überdachungsplänen. Ein Ausweichen in den St. Galler Kybunpark ist nicht möglich, da die Polizei keine Bewilligung erteilt.