Es darf wieder Sport getrieben werden. Zumindest ab dem 11. Mai. Während im Breitensport ab dann Trainings in Kleingruppen mit maximal fünf Personen möglich sind – ohne Körperkontakt und unter Einhaltung der Hygiene- und Distanzregeln versteht sich – gehen die Lockerungen im Profisport weiter. Ab dem 8. Juni darf in Profiliegen wieder gespielt werden, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zudem wurde beschlossen, dass bis Ende August keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten zugelassen sind.

Geht also für den FC Wil am 8. Juni die Challenge-League-Saison mit lauter «Geisterspielen» weiter? Ganz so einfach ist die Sache nicht. «Wir prüfen nun die ganzen Auflagen auf Herz und Nieren, die Kosten, die Auswirkungen», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber. Die Finanzierung ist dabei ein zentrales Thema. Sind die Spieler weiterhin als Kurzarbeitende gemeldet, wenn wieder trainiert und gespielt wird? Wenn nein, wird das den Klubs Schwierigkeiten bereiten. Zudem ist zu klären, wo gespielt werden soll. Ganz normal jeder Klub im eigenen Stadion? Oder ernennt man pro Runde ein so genanntes «Corona»-Stadion, in dem alle Partien stattfinden? Bringt das wirklich finanzielle Vorteile? Die Telefone zwischen den Vereinspräsidenten und der Swiss Football League laufen heiss. Ein Statement der Liga betreffend Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebs gab es bis am Mittwochabend noch nicht. Auch der Schweizerische Fussballverband hat noch nicht vermeldet, ob die Saison im Amateurbereich, wie von den Regionalverbänden beantragt, effektiv abgebrochen wird. Alles andere wäre eine Überraschung.

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Lauter Auswärtsspiel für den FC Wil? (19.4.)

Als das Coronavirus Ende Februar auch die Schweiz erreichte und Fussballspiele plötzlich nicht mehr erlaubt waren, lautete der Tenor bei vielen Präsidenten der Profi-Klubs: lieber die Saison abbrechen als Geisterspiele ohne Zuschauer austragen. Knapp zwei Monate sind verstrichen seit dem letzten Pflichtspiel in der Schweiz, und der Wind hat gedreht. FC-Wil-Präsident Maurice Weber, ursprünglich gegen Geisterspiele, sagt nun: «Das Ziel ist klar, den Spielbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten und die Saison fertigzuspielen. Wir kommen nicht um Geisterspiele herum.» Hintergrund seiner Aussage: Grossanläse dürften in der Schweiz noch längere Zeit verboten sein. Die TV-Gelder und Sponsoring-Einnahmen machen bei vielen Schweizer Klubs einen grossen Teil des Budgets aus, die Erträge aus Ticketing und Catering beim FC Wil hingegen nur etwa zehn Prozent.

Darum hat sich mit Fortdauer der Corona-Krise bei den Fussball-Bossen immer mehr die Meinung durchgesetzt, lieber die TV- und Sponsoring-Einnahmen zu haben statt gar nichts. Sollte nämlich die Saison abgebrochen werden, müsste Geld womöglich an die Fernseh-Partner zurückbezahlt werden. Das würde manche Klubs in arge Schieflage bringen. Mindestens.

Regelmässige Corona-Tests für die Spieler?

Darum hat eine Arbeitsgruppe nun ein Dokument erarbeitet, wie es im Schweizer Fussball weitergehen könnte. Zwar will Weber, der auch Einsitz im Komitee der Swiss Football League hat, noch keine Details nennen. Klar aber ist: Die Gesundheit der Bevölkerung steht über allem. Gespielt wird also nur, wenn der Bundesrat grünes Licht gibt. Sollte es weitergehen können, so ist eines der Szenarien der Swiss Football League, dass nicht alle 20 Profi-Klubs in ihren eigenen Stadien trainieren und spielen, sondern dass man einige wenige Stadien auswählt und dort spielt. Der Vorteil: Man müsste nicht in 20 Stadien gegen das Coronavirus kämpfen, sondern nur ein paar wenige dagegen schützen. Wie viele und welche Stadien dies wären, ist noch unklar. Von der Kostenseite sei es aber günstiger», so der FC Wil-Präsident. Er verweist auf England, wo ein solches Modell nun umgesetzt würde. In der Schweiz sei es eines von diversen Szenarien.

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«Die Corona-Krise wirft uns einen nächsten Knüppel zwischen die Beine. Aber auch diesen werden wir beseitigen», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber. (Archivbild: Boris Hasler)

Klar ist auch, dass die Spieler möglichst gut geschützt werden müssten. Wenn sich auch nur ein Akteur ansteckt, muss womöglich die ganze Mannschaft unter Quarantäne gesetzt und als Folge davon die Meisterschaft abgebrochen werden. Also «dürften» die Spieler wohl regelmässig zum Corona-Test. «Sinnvoller Weise müsste man die Spieler überwachen. Am besten wäre es, die ganze Mannschaft unter Quarantäne zu setzen», sagt Weber. Er geht davon aus, dass in der bevorstehenden Woche viele grundlegende Entscheide fallen. Ein möglicher Fahrplan: Ab Mai darf wieder trainiert werden. Nach einer rund dreiwöchigen Vorbereitungsphase könnten dann ab Juni die 13 verbleibenden Runden gespielt werden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dies soll mit «Englischen Wochen» – also mit Spielrhythmus Samstag-Mittwoch-Samstag – geschehen. So könnte die Meisterschaft gegen Ende Juli oder Anfang August beendet sein. Im Herbst würde dann die neue Spielzeit beginnen.

Zinsloses Darlehen für den FC Wil

Noch auf einer anderen Ebene ist die Liga aktiv: Nämlich beim Thema Unterstützung durch den Staat. Zwar hat der Bundesrat bereits 50 Millionen Franken für den Spitzensport zur Verfügung gestellt. Dieses Geld ist aber längst nicht nur für den Fussball gedacht. «Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Zudem bekommt man dieses Geld erst, wenn der Klub schon klinisch tot ist und kurz vor der Deponierung der Bilanz steht. Das ist zu spät», sagt Weber. Darum werden nun Bürgschaften beantragt. Details nennt der FC-Wil-Präsident noch nicht. Zeitnah werde die Liga informieren.

Beim FC Wil ist die aktuelle Lage so, dass sich der Verein im Kurzarbeit-Modus befindet. Zudem hat er ein zinsloses Darlehen beantragt. Dieses wird in der Höhe von zehn Prozent des Jahres-Budgets bis zu maximal 500'000 Franken gesprochen, womit dem FC Wil rund 250'000 Franken zufliessen. «Das hilft uns einen Monat. Danach braucht es eine andere Lösung», sagt Weber.

Die Saison im Amateur-Fussball wird höchstwahrscheinlich abgebrochen.