Zu Beginn der Generalversammlung wurde das Protokoll der vergangenen Generalversammlung einstimmig genehmigt. Präsident Maurice Weber ging im Anschluss auf die vergangene Saison ein, in welcher man bis zum überraschenden Abgang von Ciriaco Sforza eine ruhige Vorbereitung hatte. Man konnte in der Saison 2019/2020 insgesamt acht Spieler und zwei Trainer in die Super League transferieren, was für den FC Wil als Ausbildungsverein spreche. Danach ging Weber auf die Effizienzkriterien im Nachwuchsbereich der Swiss Football League ein. Dort konnte der FC Wil den ersten Platz beanspruchen. Und dies mit grossem Vorsprung auf das zweitplatzierte Kriens. Ganze 182 Startelfeinsätze von Schweizer Spielern unter 21 Jahren konnte der FC Wil in dieser Wertung sammeln, 67 Einsätze mehr als der Zweitplatzierte. Weber sagte weiter, dass er froh wäre, wenn die Gelder für diese Kriterien erhöht würden, sei die Jugendförderung doch mit einem grossen Aufwand verbunden. Bislang wird unter den 20 Mannschaften aus Super und Challenge League total eine Million Franken aufgeteilt.

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Präsident Maurice Weber führte durch den ersten Teil der Generalversammlung.

Keine Rückforderungen der Sponsoren

Nach den Ausführungen von Weber übernahm CEO Benjamin Fust das Wort. Er berichtete, dass sich in der vergangenen Saison die Sponsoren sehr loyal gegenüber dem Verein gezeigt hätten und dass der FC Wil keine Sponsorengelder zurückzahlen musste, obschon seitens des FC Wil nicht aller Leistungen aufgrund der Beschränkungen hätten erbracht werden können. Dieser Umstand wurde mit einem spontanen Applaus der anwesenden Aktionäre gewürdigt. Die Suche nach neuen Sponsoren gestalte sich indes sehr schwierig, da viele Unternehmen aufgrund der anhaltenden Pandemie sehr zurückhaltend seien. Weiter sei man beim FC Wil immer noch auf der Suche nach einem Namenspartner für den Sportpark Bergholz.

Einsprache gegen Stadiondach

Beim Thema der Überdachung der Gegentribüne hatte Fust dann nicht so gute Nachrichten. Gegen die Überdachung der Gegentribüne, welche vom Wiler Parlament im Mai dieses Jahrs beschlossen wurde, ging eine Einsprache ein. Seitens des FC Wil hofft man, dass die Bedenken so schnell wie möglich ausgeräumt werden können, so dass die Überdachung dennoch im kommenden Jahr eröffnet werden kann.

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CEO Benjamin Fust kam im zweiten Teil der GV zu Wort. In Abwesenheit von Finanzchef Mischa Sammer, der sich in Quarantäne befand, präsentierte Fust ebenfalls die Bilanz und Erfolgsrechnung der vergangenen Saison.

Ausserordentliche Aufwände sorgen für Verlust

Die Jahresrechnung der vergangenen Saison schliesst mit einem Verlust von 273'548 Franken, bei Erträgen von 4'096’293 Franken und Aufwänden von 4'369’841 Franken. Im Vorjahr hatte ein Verlust von 201'740 Franken resultiert. Der Ertrag war um 120'000 Franken höher als im Vorjahr. Dazu geführt hatten 350'000 Franken Mehreinnahmen bei den Transfers. Die Zuschauereinnahmen seien noch nie so tief gewesen in der vergangenen Saison. Dafür seien die Einnahmen vom Fussballverband noch nie so hoch gewesen. Dies aufgrund des ersten Platzes bei den Effizienzkriterien. Die Sponsoringeinnahmen beliefen sich auf 930'000 Franken, was gut 27 Prozent des Betriebsertrages entspricht. Bei den betrieblichen Aufwänden war die Lohnsumme um gut 200'000 Franken höher als im Vorjahr.

Speziell waren indes die ausserordentlichen Erträge und Aufwendungen. Ganze 723'253 Franken wurden als ausserordentlicher Ertrag und 667'372 Franken als ausserordentlicher Aufwand ausgewiesen. Die ausserordentlichen Erträge kamen gemäss Fust aufgrund der Unterstützungsleistungen von Bund und Kanton zustande. Die ausserordentlichen Aufwände beinhalten gemäss Fust einerseits eine Wertberichtigung auf eine Forderung und andererseits eine Vergleichszahlung aus einem Prozess. Genauere Angaben wollte man vonseiten des Clubs dazu nicht machen. Sieht man sich den Anhang zur Jahresrechnung an, sieht man, dass bei den Forderungen eine Wertberichtigung von 645'510 Franken gemacht wurde. Da es keine Rückforderungen vonseiten der Sponsoren gegeben hat, kann man davon ausgehen, dass dieser Betrag aus einem Transfer stammt. Im Anhang zur Jahresrechnung wird von «rund 611'000 Franken» gesprochen. Der Rechtsfall wird mit «rund 56'000 Franken» angegeben.

Fust betonte, dass man auch ohne diese ausserordentlichen Erträge einen positiven Abschluss präsentieren hätte können. Geht man aber realistischerweise davon aus, dass auch nicht jedes Jahr solch hohe ausserordentliche Erträge entstehen, wäre der Verlust sogar noch höher. Zusammen mit dem Vorjahresverlust beträgt der Bilanzverlust nun total 475'057 Franken. Dadurch, dass die Rangrücktritte in der Höhe von 264'557 Franken und der bereits in der vergangenen Saison beantragte Solidarbürgschaftskredit in der Höhe von 248'000 Franken gesetzlich nicht als Fremdkapital gelten, besteht beim FC Wil keine Überschuldung in der Bilanz.

Was passiert ab 2023?

Geschäftsführer Fust informierte auch, dass eine Umschuldung stattgefunden habe. Dies geht auch deutlich aus der Bilanz hervor, reduzierte sich doch das kurzfristige Fremdkapital, während das langfristige Fremdkapital zugenommen hat. Diese Zunahme ist vollumfänglich auf die Covid-Darlehen zurückzuführen: Es wurden ein «Darlehen Covid-19 Sport» in der Höhe von 820'000 Franken und ein «Darlehen Covid-19 Mannschaftssport» in der Höhe von 786'000 Franken aufgenommen. Weiter sagte Fust, dass man mit positiven Cashflows aus Transfer- und Sponsorenerlösen diese Verbindlichkeiten so bald als möglich tilgen will.

Sieht man sich die Bestimmungen genauer an, merkt man, dass der FC Wil dieses«Sport-Darlehen» in Raten ab Juli 2023 bis Juli 2027 zurückzahlen muss, das «Mannschaftssport-Darlehen» muss ab Januar 2023 bis spätestens Januar 2031 zurückbezahlt sein, und der Solidarbürgschaftskredit bis spätestens Ende März 2025. Rechnet man das herunter auf eine Saison ergibt das für die Saison 2023/24 eine rückzahlbare Schuld von 303'250 Franken. In der darauffolgenden Saison gar 551'250 Franken. Diese Beträge sind für den FC Wil nicht unerheblich, machen sie doch 9 Prozent bzw. 16 Prozent des Betriebsertrages aus. Angesprochen auf diesen Umstand sagt ein gelassen wirkender Geschäftsführer Fust, dass man einen entsprechenden Plan habe. Mehr wollte er nicht verraten.