Der Ball rollt wieder auf dem Bergholz-Kunstrasen. Von der Normalität ist man aber noch ein ganzes Stück entfernt. Die Spieler haben Verhaltensregeln bekommen. Diese sehen eine alleinige Ankunft im Stadion vor. Zudem werden drei Garderoben zur Verfügung gestellt, in welchen sich höchstens je vier Personen gleichzeitig aufhalten dürfen. Jeder Spieler bekommt maximal 15 Minuten Zeit, um sich umzuziehen. Zudem müssen beim Betreten des Feldes die Hände desinfiziert werden. Jeder Spieler hat eine eigene Trinkflasche bekommen, die er selber füllt. Verboten sind das Abklatschen und Umarmen sowie das zu Boden spucken. Nach dem Spiel darf im Stadion geduscht werden. Allerdings sind nicht mehr als zwei Akteure gleichzeitig im Duschraum erlaubt. Im Physioraum dürfen sich maximal zwei Personen aufhalten, also Physiotherapeut und Spieler. Während der Behandlung müssen Schutzmasken getragen werden.

Auf dem Feld ging es bei der ersten Trainingseinheit noch halbwegs gemächlich zu und her. Das hat nicht mit den Corona-Bestimmungen zu tun, sondern mit der Tatsache, dass die Spieler seit zweieinhalb Monaten nicht mehr normal trainieren konnten und man Verletzungen verhindern will. Doch wie fit sind die Spieler? Der 33-jährige Captain Philipp Muntwiler sagt: «Dass man nach zweieinhalb Monaten eine gewissen Rückstand hat, ist normal. Wie fit ich bin, wird man dann im Verlauf der Woche sehen. Die erste Übungseinheit war ein Willkommens-Training.»

Im Video: Warum keine Corona-Tests gemacht werden

 

Testspiel gegen Vaduz

Die gute Kunde: Kein Spieler fehlte aus gesundheitlichen Gründen. Einziger Abwesender war der neu verpflichtete Österreicher Ivan Sarcevic, der im Juni noch beim VfL Wolfsburg trainiert und dann zu den Wilern stösst. Nicht mehr dabei war Goalietrainer Stephan Lehmann. Da sein Ende Juni auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde, hat man sich darauf geeinigt, dass Nachfolger Philipp Bowald bereits jetzt übernimmt.

Ansonsten: Alles wie gehabt. Knapp drei Wochen bleiben nun bis zum ersten Pflicht-Geisterspiel am 19. oder 20. Juni zuhause gegen Leader Lausanne-Sport. Am Dienstag, 9. Juni um 15.30 Uhr ist im Bergholz ein Testspiel gegen den Liga-Konkurrenten FC Vaduz anberaumt worden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zudem wird es noch ein internes Spiel geben. Danach wird es richtig taff: Die verbleibenden 13 Meisterschaftsspiele werden innerhalb von 6 Wochen zwischen dem 19. Juni und dem 2. August durchgedrückt. Es gibt somit durchgehend Englische Woche. Der Spielplan will es so, dass die Wiler Heimspiele mit einer Ausnahme immer am Wochenende stattfinden, die Auswärtsspiele mit einer Ausnahme immer unter der Woche. Im Internet gibt es einen Livestream aller Partien, hallowil.ch liefert wie gewohnt einen Liveticker. Der genaue Spielplan wird im Verlauf der Woche publiziert.


Stadion-Zutritt? «Nicht nur für die Cüpli-Fraktion»

Noch nicht abschliessend geklärt ist, ob auch einige Zuschauer den Partien beiwohnen können. Der Bundesrat lässt derzeit maximal 300 Personen pro Veranstaltung zu. Also hätte es neben Spielern, Betreuern, Journalisten und weiteren arbeitenden Personen noch Platz für den einen oder anderen Fan. Der FC Wil erstellt derzeit ein Konzept, um zu regeln, wer ins Stadion darf. Präsident Weber spricht von einem Turnus. Es soll nicht nur die «Cüpli-Fraktion» berücksichtigt werden.

Mit dem Trainingsstart hat der FC Wil laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) kein Anrecht mehr auf Kurzarbeit. Doch damit will sich der Bergholz-Klub nicht abfinden. «Momentan liegt das Arbeitspensum eines Spielers bei rund zwei Stunden pro Tag. Vor der Corona-Pandemie waren es vier bis sechs Stunden mit allen weiteren Beschäftigungen wie Interviews und dergleichen. Wir haben die Trainingspläne von vorher und jetzt und können den Unterschied gut aufzeigen. Ich denke, Kurzarbeit steht uns weiterhin zu», sagt Weber.