Vor den Gesamterneuerungswahlen sah der Kirchberger Gemeinderat wie folgt aus: Mit Gemeindepräsident Roman Habrik, Schulratspräsident Orlando Simeon und den Gemeinderäten Michael Sutter, Linus Calzaferri und Ueli Hui hatte die FDP fünf von neun Sitzen inne - und damit das Absolute Mehr. Die CVP hatte dann mit den drei Gemeinderäten Lukas Fust, Denise Huber und Martin Bühler die zweitmeisten Sitzen. Und die SVP hatte mit Hermann Baumgartner noch einen Sitz. Bereits im Frühling deutete alles darauf hin, dass an den Gesamterneuerungswahlen im Herbst eine Kampfwahl stattfinden wird: Denn von den neun Mitgliedern des Gemeinderates traten mit Fust, Hui, Bühler und Baumgartner gleich vier Gemeinderäte zurück. Danach kam der Kirchberger Wahlkampf immer wieder in die Negativschlagzeilen: Zuerst wollte die anoyme Gruppe «Pro Gemeinde Kirchberg» dem amtierenden Schulratspräsidenten Simeon Konkurrenz machen und hat sich dafür auf die Suche nach einem passenden gemacht. Auch Gemeindepräsident Habrik wurde von der Gruppe scharf kritisiert. Mit ihrem Vorhaben ist die Gruppe, die sich öffentlich nie zeigte, gescheitert. Sie fand keinen einzigen Kandidaten. Und kurz vor den Wahlen vom 27. September wurden mehrere Plakate von SP-Gemeinderatskandidat Stefan Diener beschädigt und mit rechtsextremen Symbolen beschmiert.

Für die neun Gemeinderatssitze (sowohl der Gemeinde- als auch der Schulratspräsident zählen dazu) haben zwölf Personen eine Kandidatur eingereicht. Im ersten Wahlgang wurden neben Gemeindepräsident Habrik und Schulratspräsident Simeon auch die Gemeinderäte Michael Sutter und Denise Huber wiedergewählt. Neu gewählt wurden damals Silvan Holenstein (FDP), Jacques Breitenmoser (SVP), Yvonne Tinner-Mannhart (parteilos) und Josef Meier (CVP). Sie alle haben das Absolute Mehr erreicht. Der Bisherige Linus Calzaferri verpasste das Absolute Mehr im ersten Wahlgang um 32 Stimmen.

Weil dann noch ein Sitz im Kirchberger Gemeinderat frei blieb, ging es auch für Kirchberg in den zweiten Wahlgang: Neben Calzaferri traten auch die beiden Kandidaten Nadja Bösiger-Wäckerlin (SP) und Reto Hollenstein (CVP) wieder an. Als bisheriger Gemeinderat wurde Calzaferri, der seit dem Jahr 2009 im Gemeinderat tätig ist, im zweiten Wahlgang abgewählt. Sein Gegenkandidat Hollenstein hatte 220 Stimmen mehr. Mit Calzaferris Abwahl hat die FDP nicht nur einen Sitz im Gemeinderat, sondern sogar das Absolute Mehr verloren.

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«Dem Gemeinderat wurde ein Denkzettel verpasst»

«In erster Linie tut es mir für Linus Calzaferri leid», sagt Simon Seelhofer, Präsident der FDP Kirchberg, «Er ist ein zuverlässiger und engagierter Gemeinderat, der es verdient hätte, wiedergewählt zu werden.» Trotz der Niederlage an diesem zweiten Wahlgang zeigt sich Seelhofer zufrieden mit den Resultaten seiner Partei an den Gesamterneuerungswahlen. «Gesamthaft gesehen dürfen wir mit den Wahlergebnissen zufrieden sein», so Seelhofer. Allem voran habe die FDP mit der Wiederwahl von Gemeindepräsident Habrik und Schulratspräsident Simeon die beiden wichtigsten Ämter auf kommunaler Ebene behalten können. «Und das trotz der Kritik der anonymen Gruppe, die übrigens Spuren hinterlassen hat», ergänzt Seelhofer. 

Auch meint der Parteipräsident, dass es eine gute Leistung war, dass Silvan Hollenstein bereits im ersten Wahlgang neu in den Gemeinderat gewählt wurde. Dass die Liberalen nun das Absolute Mehr im Kirchberger Gemeinderat verloren haben, betrachtet Seelhofer als «weniger tragisch». Schliesslich habe die FDP mit vier Mitgliedern noch immer die Mehrheit der Kirchberger Gemeinderatssitze. «Deshalb haltet sich die Enttäuschung diesbezüglich in Grenzen.» Auch ist Seelhofer der Meinung, dass es für die Gemeinde einfacher ist, wenn die Parteiverteilung im Gemeinderat ausgeglichener ist. 

Grundsätzlich findet Seelhofer, dass dem Gemeinderat an diesen Gesamterneuerungswahlen «ein Denkzettel verpasst wurde». Gerade weil es viele leere Stimmzettel gab, aber auch, weil einige bisherige Gemeinderäte sehr knapp wiedergewählt wurden. «Gewisse Sachen muss der Gemeinderat in der nächsten Legislatur sicher besser machen», meint Seelhofer. 

Will sich die FDP einen Sitz in vier Jahren zurückholen?

Nach den beiden Wahlgängen setzt sich der Kirchberger Gemeinderat ab dem 1. Januar 2021 wie folgt zusammen: Gemeindepräsident Roman Habrik (FDP), Schulratspräsident Orlando Simeon (FDP) und den Gemeinderäten Silvan Holenstein (FDP), Michael Sutter (FDP), Jacques Breitenmoser (SVP), Yvonne Tinner-Mannahrt (parteilos), Denise Huber (CVP), Josef Meier (CVP) und Reto Hollenstein (CVP). Ob die Liberalen bei den Gesamterneuerungswahlen in vier Jahren einen Sitz im Gemeinderat wieder zurückholen wollen, ist noch ungewiss. «Es ist noch zu früh, um über solche Ziele und Vorhaben zu reden», meint der Kirchberger FDP-Präsident Seelhofer. Man müsse auch realistisch bleiben und einsehen, dass die FDP mit vier Gemeinderatssitzen stark unterwegs sei.