Die Eigenwilligkeit der Musikvorträge kam auch an der total unterschiedlichen Bekleidung der Musiker zum Ausdruck. Statt einem einheitlichen Auftritt fanden sich Hemden, T-Shirt und Hose in unterschiedlichen Farben. Trugen einige Schuhe sonntäglicher Natur, sah man bei deren Kollegen Turnschuhe und lässige Auftritte. Gemessen an ihren hochkarätigen Musikvorträgen hatten sie es auch gar nicht nötig, ihren Kompositionen in passender Manier Gewicht zu verleihen.

Aus Wien, aber musikalisch wenig davon spürbar
Die Musikvorträge stellten die Bläser nicht mit gewählten Titeln vor. Vielmehr versuchten sie, das Publikum in Gefühlswelten zu tauchen. So war es auch zu Beginn mit dem Stück «Tau». Die Musik soll das morgendliche Erwachen in noch kühlem Tau vorstellen. Der Rekordsommer habe solche Morgenmomente besonders geniessen lassen. In der Fortsetzung folgte eine gedankliche Steigerung, sich unerwarteter Momente zu besinnen, um aus dem nächsten Stück innere Gefühle heraus zu spüren. Die Gefühlswelt der Anwesenden anzuregen, dafür war im abschliessenden Naturjodel gesorgt.

Je länger die extravaganten Melodien in den Saal klangen, konnte das Publikum den Vorträgen dennoch Wohlklingendes abgewinnen, zumindest am meist längeren Applaus bestätigt. Um die Zuhörerinnen und Zuhörer in melodisch besser gewohnter Stimmung in die Pause zu entlassen, war am harmonisch klingenden Stück vor der Pause erkennbar, wiederum mit Jodelgesang verbunden.

Euphorische Fortsetzung nach der Pause
Dass die doch etwas eigenwillig wirkenden Musik bei einigen Zuhörern Stirnrunzeln bewirkte, bestätigte sich darin, dass nach der Pause einige Plätze mehr leer blieben. Schon die extravagante Art des angekündigten Ensembles konnte nicht ein volles Haus erwarten lassen. Wer jedoch auch zum zweiten Teil der Aufführung blieb, erlebte insbesondere den Enthusiasmus der Musiker für ihre Musik, wieviel Herzblut sie jedem Ton widmeten.

Ein «melancholischer Walzer», zwar eine widersprüchliche Formulierung, stand am Anfang des zweiten Teils. Richtig walzerische Takte waren allerdings erst mit der Zeit spürbar. Von Realität und Traum war die Rede beim folgenden Stück. Was Realität und Traum sei, müsse man selbst herausfinden. Mexikanische Klänge folgten mit dem gesanglichen Soloauftritt des Mexikaners im Ensemble. Sein Auftritt erntete besonderen Applaus. Eigenwilligkeit erhielt Fortsetzung mit einem Stück, dass melodisch auf einer Zither begann, gefolgt von stark wirkender Blasmusik.

Musik vom Säntis in Formation
Die Musikanten bewegten sich während der ganzen Aufführung wie Wandernde auf der Bühne. Um sich im Einsatz abstimmen zu können, war auch mal Nähe zum Kollegen oder Sichtkontakt gefragt. Zum Abschlussvortrag mit deutlich wohlklingenden Melodien stellten sie sich in Formation auf einer Linie auf, womit das Publikum noch einmal in Schwung gesetzt war. Mit einem melodischen Ohrwurm «La, la, lalala…», das Publikum war zum Mitsingen gefordert, verabschiedeten sich die Musiker vom Publikum.