Am Sonntagsgottesdienst fand in der Wiler Stadtkirche St. Nikolaus die festlich gestaltete Einsegnung und Eröffnung der neuen Marienkapelle, wo die über 800-jährige Wiler Madonna einen würdigen Platz erhielt und die Gläubigen zur Verehrung einlädt. Der Initiant für den Bau der Marienkapelle, Benno Ruckstuhl, gab sich erfreut über die wirkungsvolle Ausgestaltung. Stadtpfarrer Roman Giger bilde mit seiner Unterstützung des Anliegens sozusagen die Seele der Kapelle.Der Einladung zur Segnungsfeier für die Marienkapelle folgten die Gläubigen aus Stadt und Region in grosser Zahl. Die Stadtkirche füllte sich bis auf letzte Platze. Der Stellenwert der Marienkapelle erhielt weitere Betonung mit dem Festgottesdienst und der musikalischen Umrahmung durch den Cäcilienchor St. Nikolaus und dem Symphonischen Orchester Wil.


Breites Engagement
Zur Eröffnung des Gottesdienstes wies Stadtpfarrer Roman Giger auf das grosse Engagement hin, welches die Umgestaltung der bisherigen Taufkapelle zur Marienkapelle bedurfte. Die Herkunft der Madonna, geschichtlich mit über 800 Jahren beurteilt, ist nicht bekannt, was auch für den damaligen Künstler zutrifft. Den breit angelegten Recherchen von Benno Ruckstuhl, selber Mitglied der Wiler Kunst- und Museumsfreunde, sei es zu verdanken, dass sich auch die kirchliche Leitung von einer Neuplatzierung überzeugen liess. Die Neuplatzierung sollte den Stellenwert Mariens durch eine geeignete Räumlichkeit und Ausgestaltung sichtbar machen, was neben baulichen Anpassungen auch den Beizug der Denkmalpflege und einer Spezialistin für Restaurierung notwendig machte.


Marie als Türöffnerin zu Jesu
In seiner Predigt wies Stadtpfarrer Roman Giger darauf hin, dass die Stadtkirche mit der Marienkapelle eine zweite Türöffnerin erhalte. Der Kirchenpatron der Stadtkirche, Bischof St. Nikolaus gelte gleichfalls als Türöffner zum Guten in seinem Wirken. Die Gottesmutter sei sozusagen die Türöffnerin zur Menschwerdung Christi. Mit der Eröffnung der Marienkapelle öffne sich eine besondere Türe, wo im Innersten etwas tief Spirituelles und Mystisches zum Ausdruck komme. Dies in geeigneter Form auch bei der Ausgestaltung zum Ausdruck zu bringen, habe man denkmalpflegerische Gedanken einfliessen lassen.


Drei Personen gab der Stadtpfarrer das erklärende Wort, welche sich in den Überlegungen und der Ausgestaltung besonders verdient gemacht haben. Der Geschichte und der Betrachtung des Werdegangs der Madonna hatte sich Benno Ruckstuhl angenommen. Für die denkmalpflegerische Ausgestaltung, passend auf die Herkunft der Marienfigur, zeichnete Denkmalpfleger Ruedi Elser verantwortlich. Die Restauration in farblicher Ausgestaltung begleitete Doris Warger, eine Spezialistin für Restaurationen.


Umfassende Herkunftsstudien
Benno Ruckstuhl nahm in seinen Ausführungen zur geschichtlichen Herkunft der Wiler Madonna vorweg, dass man die Madonna nur in einem Gotteshaus platziert verstehen könne. Die Herkunft der Madonna wie auch deren Schöpfer bleibe unbekannt. Historische Beurteilungen lassen Rückschlüsse auf ein Alter von über 800 Jahre belegen. Die Marienfigur, wohl einst in einer viel kleineren St. Peterskirche Wil platziert, sei wohl beim Bau der grösseren Kirche in Vergessenheit geraten. 1879 sei die Statue in einer Nische der Liebfrauenkapelle verstümmelt aufgefunden worden. Nach der Restaurierung habe sie die Pilgerfahrt zur Stadtkirche angetreten. Dass es nun zur vorgeschlagenen Marienkapelle gekommen sei, verdanke er der grossartigen Zustimmung des Stadtpfarrers. Roman Giger bilde sozusagen die Seele der Marienkapelle.


Dankmalpflegerische Einflüsse
Nach Denkmalpfleger Ruedi Elser hat sich die Herausforderung ergeben, bei der Gestaltung in Form und Farbe die kleine Marienfigur in ein richtiges Verhältnis zum doch grossen Raum zu bringen. Umgeben von Kerzenlicht stehe die Madonna in einer neu geschaffenen Struktur.


Zur farblichen Gestaltung der Marienkapelle wies Restauratorin Doris Warger darauf hin, dass sie auf eine Abstimmung auf den übrigen Kirchenraum geachtet habe. In der Marienkapelle gelte es, von der Marienfigur aus zu denken. Ihr gelte die Aufmerksamkeit, ihr wolle der Besucher begegnen. Ein Baldachin mit integriertem Kerzenlicht bilde die Beleuchtung der thronenden Mutter mit dem Jesuskind. Im tiefen Licht des blauen Firmaments erhält die Madonna zusätzliche Betonung.


Der Eröffnungs- und Segnungsfeier für die Marienkapelle folgte der Festgottesdienst, gestaltet von den beiden Wiler Seelsorgern Stadtpfarrer Roman Giger und Wallfahrtspriester Raphael Fässler, musikalisch umrahmt durch den Cäcilienchor St. Nikolaus und das Wiler Orchester.