Herr Mäder, die St. Galler Regierung hat positiv auf die Anfrage von Erwin Böhi, zur alternierenden Durchführung der St. Galler Festspiele in Wil, reagiert. Was könnten diese Aufführungen für das Wiler Gewerbe und die Gastronomie bringen?
Für uns stellte sich die Frage zunächst umgekehrt: Was können die Stadt Wil, ihre Vereine und das Gewerbe für die St. Galler Festspiele tun? Nun fällt die Idee von Erwin Böhi anscheinend auf fruchtbaren Boden. Das freut mich. Zu klären wäre dann als Nächstes, ob die drittgrösste Stadt im Kanton über eine ausreichende Infrastruktur verfügt, um einen Anlass mit rund 20'000 Besuchern zu beherbergen. Und erst anschliessend können wir uns fragen, ob auch unser Gewerbe profitieren kann. Der Zeitpunkt der Initiative ist insofern günstig, als sich das touristische Angebot von Wil ohnehin auf höhere Frequenzen einstellen muss, falls die Urnenabstimmung über die Restauration des Hofes positiv ausfällt. Wir wollen als Teil der Fürstabtei St. Gallen in der Vermarktung des Hofes mit dem Stiftsbezirk und weiteren Touristikangeboten in der Ostschweiz zusammenarbeiten. Auch dies wird mehr Touristen als bisher nach Wil führen. Gewerbe und Gastronomie sollten sich darauf einstellen.

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Wird die Fassade des Hofs bald Teil der Kulisse der St. Galler Festspiele?  (Foto: Adrian Zeller) 

Was bedeuten diese Aufführungen für das Image von Wil?
Die Ausstrahlung der St. Galler Festspiele ist von nationaler Bedeutung. Wenn unsere Altstadt, mit dem Hof als ältestem Gebäude der Fürstabtei als Kulisse für die diversen Aufführungen dient, so hat das für das vermarktbare Image der Äbtestadt Wil in der Schweiz eine positive Wirkung. Auch in der Eigenwahrnehmung ist es natürlich positiv: Wir werden so in der Hauptstadt als zuverlässiger, wichtiger und ebenbürtiger kultureller Partner wahrgenommen.

Mit dem Classic Openair, dem Festival Rock am Weier, der Hofchilbi, dem Adventssingen, dem Monsterkonzert sowie dem Militärwettmarsch ist das Jahresprogramm in der Altstadt und um sie herum bereits gut gefüllt. Könnte die Toleranz der Altstadtbewohner durch eine weitere Eventreihe in Form der Festspiele an ihre Grenzen kommen? Immerhin bringen die Festspiele auch erhebliche Immissionen bis in die Nachtstunden mit sich.
Das ist tatsächlich eine wichtige Frage, die geklärt werden muss, bevor weiter Schritte unternommen werden. Es sind die zwei Seiten einer Medaille: Eine lebendige Stadt bringt Leben und damit auch Beeinträchtigungen für An- und Einwohner. Die Frage nach den Immissionen ist aber immer auch eine Frage der eigenen Einstellung. Für die einen sind Kirchenglocken Belästigung, für die anderen Teil unserer Kultur. Deshalb ist es doppelt wichtig, die Betroffenen einzubeziehen. So kann eine positive Stimmung entstehen.

Von den Aufführungen auf dem Klosterplatz in St. Gallen weiss man, dass die Festspiele einen beträchtlichen logistischen Aufwand erfordern. Müsste sich bei Aufführungen in Wil auch die Stadt finanziell und/oder personell beteiligen? Wäre sie grundsätzlich dazu bereit?
Zum heutigen Zeitpunkt kann ich die Frage nicht beantworten. Wie Sie richtigerweise bereits feststellten, bringen die Festspiele Vor- aber auch Nachteile mit sich. Der Stadtrat wird sich zu gegebener Zeit mit der Frage beschäftigen, ob und wie weit sich die Stadt engagieren kann.