Insgesamt 152 Frauen und Männer engagieren sich bei der Feuerwehr Region Wil und leisten einen wertvollen Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung. Der Spezialistenkompanie 3, die unter der Leitung von Hauptmann Marc Schwendener steht, gehören 35 Freiwillige an, welche ohne Löscharbeiten im Innern eines Gebäudes und ohne Atemschutzgerät unverzichtbare Unterstützungsarbeit leisten, wie sich an einer der periodischen Übungen zeigt.

Der Abend beginnt im Betriebsgebäude des Sicherheitsverbundes an der Bronschhoferstrasse. 36 Leute, darunter sieben Frauen, hat Marc Schwendener an diesem August-Abend aufgeboten. Nach dem Kader-Rapport und der Bestandeskontrolle machen sich die drei Züge mit ihren Zugführern und Unteroffizieren an die Arbeit.

Visualisierung des Schadenplatzes
Die neunköpfige Führungsunterstützung fährt zur Firma Telsonic an der Industriestrasse in Bronschhofen. Bei dieser Übung wird davon ausgegangen, dass im Innern des Gebäudes ein Brand ausgebrochen ist. Während die Feuerwehrleute bereits auf dem Platz sind, beschäftigen sich zwei Männer der Führungsunterstützung mit dem sogenannten Krokieren, nämlich dem Visualisieren des Schadenplatzes bei grösseren Ereignissen. Mit schwarzer Farbe wird als Orientierungshilfe für den Einsatzleiter ein Grundriss des Telsonic-Gebäudes mit allen Öffnungen sowie Gefahrenquellen wie etwa Gasflaschen erstellt. Anschliessend wird mit roter Farbe der Brandherd und zuletzt mit blauer Farbe die Ereignisbewältigung markiert. Dies ist ein Teil des Führungsstandards mit Massnahmenliste, Mittelverzeichnis und dem Journal.

Eine wichtige Rolle kommt dem Führen eines Journals bei grösseren Ereignissen zu. Eine Person begleitet den Einsatzleiter auf Schritt und Tritt und hält jede einzelne Befehlsausgabe und jede einzelne Aktion mit genauer Zeitangabe minutiös fest.

Wechselseitige Verkehrsführung
Szenenwechsel. Marc Schwendener begibt sich mit dem Fahrzeug des Einsatzleiters in die Gegend der Schwarzenbacher Thurbrücke, wo die Fahrbahn von Wil Richtung Schwarzenbach blockiert ist. Hier geht es darum, einen Schadenplatz an einer unübersichtlichen Stelle auf einer Ausserortstrecke korrekt abzusichern, den Verkehr in beiden Richtungen vorerst ganz zu stoppen und diesen schliesslich so rasch wie möglich mit einer wechselseitigen Verkehrsführung am Hindernis vorbeizuführen. Bei der Arbeit in der Dunkelheit lassen die in neongelben Anzügen gekleideten Angehörigen des Verkehrszuges der Feuerwehr die eigene Sicherheit nie ausser Acht.

Marc Schwendener zeigt sich zufrieden. Gute 150 Meter vor dem Hindernis in Form eines Fahrzeuges der Feuerwehr steht korrekt das blinkende Warnzeichen, das den Einsatz der Feuerwehr anzeigt. Die Automobilisten zeigen sich diszipliniert. Gefährliche Situationen bleiben aus. Bei grösseren Umleitungen, beispielsweise der Sperrung der Autobahn A1, wären für diese Aufgabe zusätzlich Spezialisten mit dem entsprechenden Material aufgeboten worden.

Patienten-Sammelstelle im aufgeblasenen Zelt
Auch vor dem Sekundarschulzentrum Ägelsee in Wilen wird konzentriert gearbeitet. Bei einem Ereignis mit mehr als sechs Patienten wird der Sanitätszug der Feuerwehr Region Wil aufgeboten. Innerhalb von drei Minuten wird am Unfallort mit Pressluft ein acht Meter langes und sieben Meter breites Zelt aufgeblasen. Darin kann samt Beleuchtung und Heizung überall autonom gearbeitet werden.

Auf einem Containerwagen, einem sogenannten Wechselladebehälter auf dem Trägerfahrzeug, wird umfangreiches Material mitgeführt. Die Damen und Herren vom Sanitätsbereich sind für die Atemwegsicherung und die Reanimation bestens ausgebildet und ausgerüstet. Sie unterstützen den Rettungsdienst bei der Betreuung der Patienten tatkräftig. Wie wichtig hier die Aus- und Weiterbildung ist, beweist die Tatsache, dass bei den Übungen auf den Sanitätsbereich rund zwei Drittel des Zeitaufwandes entfallen.

Vier Zelte für ein Grossereignis
Bei allfälligen Grossereignissen mit mehr als zwölf Patienten würde die Feuerwehr Region Wil im Einzugsgebiet der Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Ausserrhoden und Appenzell-Innerrhoden als Stützpunkt agieren. In einem solchen, bisher noch nie erlebten Fall würde mit der gesamten Infrastruktur ausgerückt. In den dem Sicherheitsverbund zur Verfügung stehenden vier Zelten könnten bis zu 50 Patienten betreut werden.

Bei einem Grossereignis käme auch der Führungsunterstützung eine grosse Bedeutung zu. Mit überall einsatzfähigen Laptops würde an der Sammelstelle jeder Patient elektronisch erfasst. Anhand einer Nummer hätten der Rettungsdienst, die Spitäler und die Polizei jederzeit direkten Zugriff auf den jeweiligen Standort der Verletzten.

Rekrutierung als Daueraufgabe
Zwei Stunden nach dem Ausrücken sind alle zurück in der im vergangenen Jahr in Betrieb genommenen Zentrale. Für Marc Schwendener wurden die Ziele der abendlichen Übung vorwiegend erreicht. Von ihm ist zu erfahren, dass bei der Feuerwehr fast rund ums Jahr insgesamt weit über hundert Übungen durchgeführt werden. Eine Daueraufgabe stellt die Rekrutierung von neuen Feuerwehrangehörigen dar, ist die Fluktuation aufgrund der heutigen Mobilität der Berufstätigen doch recht hoch. 

Wer Feuerwehrdienst leistet, hat Anrecht auf einen Übungssold, der sich je nach Funktion auf 34 bis 52 Franken beläuft. Zudem sind die Freiwilligen von der Feuerwehrsteuer befreit, sofern sie mindestens 60 Prozent der angesetzten Übungen besuchen. Was aber noch viel wichtiger ist als der finanzielle Aspekt: In der Feuerwehr werden Freundschaften fürs Leben geschlossen. Der Pflege der Kameradschaft kommt eine grosse Bedeutung zu. So endet die beschriebene Übung Ende August für alle Beteiligten mit einem gemütlichen Wurstschmaus.

_______________________________________________________________________________

27. Oktober: Informationsabend

Wer Interesse am Feuerwehrdienst hat, dem sei der Informationsabend der Feuerwehr Region Wil ans Herz gelegt. Dieser findet am 27. Oktober um 19 Uhr im Feuerwehrdepot an der Bronschhoferstrasse 71 statt. Dabei wird umfassend informiert, und es wird ein kleiner Einblick in die Aufgaben der Feuerwehr präsentiert. Eine Anmeldung ist erwünscht.

Weitere Infos im Internet unter https://www.svrw.ch