Der Ball rollt wieder. Zumindest in der Deutschen Bundesliga. FC-Wil-Präsident Maurice Weber war am Samstag-Vorabend für eine Telefon-Interview nicht abkömmlich, weil er sich den 3:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach bei Frankfurt im Fernsehen anschauen wollte. Mit den «Fohlen» pflegen die Wiler eine Partnerschaft. Ob auch in der Schweiz bald wieder gespielt wird, entscheidet sich am 27. und 29. Mai. Zuerst hat der Bundesrat grünes Licht zu geben, zwei Tage später eine Mehrheit der 20 Klubpräsidenten der Schweizer Profiklubs. Gespielt würde unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Es zeichnet sich je länger je mehr ab, dass die 13 verbleibenden Runden noch gespielt werden. Denn gerade für die Mehrzahl der zehn Challenge-League-Klubs spricht mehr für eine Fortführung als dagegen. Nur wenn gespielt wird, bekommen sie Gelder von Bund und TV-Partnern, was bei ihnen den grossen Anteil der Einnahmen ausmacht – auch beim FC Wil. Zudem gibt es keinen Absteiger in die Promotion League, dafür mindestens einen Aufsteiger in die Super League. «Für uns spricht etwas mehr für die Fortführung als dagegen», sagt Weber. So ist ein Szenario, dass die Challenge-League-Klubs die Super-League-Vertreter überstimmen und so eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs erzwingen. Vor allem die vom Abstieg bedrohten Klubs der höchsten Liga wehren sich aber gegen einen Re-Start.

Doppelte Liquiditätsplanung

Noch vor etwas mehr als einer Woche hatte Weber deutlich skeptischer getönt. Die Finanzierung war damals noch fast vollständig in der Schwebe. Nun aber hat der Bundesrat ein nächstes Hilfspaket von 500 Millionen Franken geschnürt. Allein 350 Millionen gehen an die Fussball- und Eishockeyklubs, wovon 200 Millionen dem Profi-Fussball zur Verfügung stehen. Die Vereine können 25 Prozent des jährlichen Umsatzes als Darlehen beantragen. Beim FC Wil mit seinem Budget von rund 2,5 Millionen ranken wären das gut 600'000 Franken. Doch Weber sagt: «Wir wollen so wenig Geld wie möglich beziehen. Es handelt sich um einen Überbrückungskredit, den wir zurückzahlen müssten. Es wäre also eine Neuverschuldung.» Ein entsprechender Antrag ist deshalb bisher noch nicht gestellt worden. «Wir versuchen alles, um andere Einnahmequellen anzuzapfen», sagt Weber. Der Verein hat eine Liquiditätsplanung gemacht für den Fall einer Fortführung der Saison und auch für den Fall eines Abbruchs.

Gespielt wird wohl im Stadion des jeweiligen Vereins. Zwischenzeitlich war diskutiert worden, ob es allenfalls sinnvoller wäre, so genannte Corona-Stadien zu bestimmen, in welchen alle fünf Partien pro Runde an einem Wochenende ausgetragen würden. «Es ist einfacher im eigenen Stadion, etwa vom Sponsoring-Aspekt her. Zudem müsste man in Corona-Stadien ganze Mannschaften in Quarantäne stecken, was nicht gut ankommt», sagt Weber.

So profitiert der FC Wil von der Corona-Krise

Sollte der Bundesrat am 27. Mai grünes Licht für die Profi-Fussball geben, wird der FC Wil den Trainingsbetrieb kurz danach wieder aufnehmen. Die Challenge-League-Saison würde am Wochenende vom 19. bis 21. Juni weitergehen.

So herausfordernd die aktuelle Situation für den FC Wil auch ist, sie könnte auch eine positive Begleiterscheinung für den Ausbildungsklub haben. «Wegen der Finanzprobleme werden grosse Klubs froh sein, ihre jungen Spieler in der Challenge League zu platzieren. So können sie Lohnkosten sparen und das Budget entlasten. Sie werden die Talente nicht mehr in den eigenen U21-Teams horten und wir kommen besser an diese Spieler heran», sagt Weber.