In Fischingen gibt es einen Wanderweg, der zwischen Vita Parcours und der Buhwilerstrasse – oder für die Ortskenner vom «Galgehügel» in Richtung «Chisgrueb» und «Resärvoirwisli» – verläuft. Inmitten der Fischinger Natur ist es ruhig. Nur ab und zu kommen hier Jogger, Wanderer oder Biker vorbei. Vögel zwitschern, Sonnenstrahlen suchen sich ihren Weg durch das Geäst und eine kleine Plüscherdbeere sitzt auf einem Baumstrunk. Auf dem folgenden Abschnitt sind weitere Plüschtiere zu erspähen. Ganze Baumstämme sind eingestrickt, Affen taumeln an Ästen und Teddybären sonnen sich gemütlich sitzend im Abendlicht. Für eine Reportage hörte sich die Zeitung «Regi Die Neue» in der Gemeinde Fischingen um. Doch kaum einer – nicht einmal Alt-Gemeindepräsident Willy Nägeli oder CVP Kantonsrat Josef Gemperle – weiss, welche Geschichte hinter diesen Waldwegverzierungen steckt.

«Diese Geschichte reicht etwas weiter zurück», erzählt Primarschullehrer Christoph Gmünder. Anlässlich eines Schulschlusses sei vor fünf Jahren ein ausgedehnter Waldpostenlauf organisiert worden. Dabei absolvierten Kinder gruppenweise mit Erwachsenen verschiedene Posten mit unterhaltsamen Schulinhalten. An einem dieser Posten lagen in grossen Kunststoffboxen angefangene «Strickete», aber auch einfach nur Nadeln und Wolle bereit, damit jeder dazu beitragen konnte, den Waldweg etwas «einzustricken». «All die verschiedenen Posten liessen wir mit den entsprechenden Beschriftungen nach dem Anlass noch einige Zeit installiert, damit die Spiele jederzeit noch ausprobiert werden konnten», so Gmünder. Die Posten wurden, gemäss verschiedenen Rückmeldungen, rege genutzt.» Damit bringt der Primarschullehrer Licht in das Geheimnis dieser sagenumwobenen «Waldstrickete». Er erklärt, dass folgend, die neu entstandenen Strickprodukte, immer wieder am Waldweg montiert wurden. «Während wir damals alle anderen Posten noch vor den Ferien abräumten, liessen wir die Stricksachen noch hängen, weil es wirklich toll aussah», so Gmünder. Es sei aber erstaunlich, wie sich in der Folgezeit eine Eigendynamik entwickelt habe. «Uns unbekannte Personen produzierten immer mehr Wollverzierungen und bald hingen und standen da auch plötzlich Plüschtierchen und andere Figuren», erzählt der Lehrer. 

Inoffizieller Wulleweg

Bis heute sind es Dutzende Plüschtiere, die den Wanderweg säumen. Gmünder sagt, dass mittlerweile zahlreiche Gegenstände nicht mehr ansehnlich sind. «Das schlechte Gewissen wegen unserer 'Waldverschmutzung' wuchs», erklärt er. Der Primarlehrer rechnete damit, «irgendwann mit Beanstandungen des Forstamtes konfrontiert zu werden.» Einige stark vergammelten Plüschsachen habe er vor einigen Monaten eingesammelt und jüngst habe man mit den Schülern geplant, sich um diese Galerie zu kümmern oder sie gänzlich abzuräumen – «doch Corona kam dazwischen». In all den Jahren, so munkelt man im Dorf, sprachen vor allem die Kinder und Schüler immer wieder vom Fischinger «Wulleweg». Karin Bamert unterrichtet an der Fischinger Schule Textiles Werken und war im Jahr 2015 Mitinitiantin der sogenannten«Strickgraffiti». So erzählt sie: «In naher Zukunft werden wir in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb die Strickereien einsammeln.» Auch die Plüschfiguren, von denen man nicht weiss von wem sie stammen, werden eingesammelt. «Daher der Aufruf an die Besitzer», sagt Bamert, «wer sie zurückhaben will, sollte sich sputen». 

Die Meinung des Forstbetriebs Fischingen-Tobel

Roger Hollenstein ist Revierförster und Leiter des Forstbetrieb Fischingen-Tobel. Auf Anfrage gibt er an, dass das Ganze eine gut gemeinte Aktion war. «Darum haben wir uns bis anhin nicht detaillierter damit auseinandergesetzt und es schliesslich so toleriert. Nichtsdestotrotz hält sich unsere Begeisterung in Grenzen.» Warum dem so ist, erklärt Hollenstein wie folgt: «Da diese Aktion via Eigeninitiative lanciert wurde, fehlt es am waldgerechten Unterhalt. Die Befestigungen könnten zudem im gesunden Holz einwachsen. Die stete Gefahr der Verteilung im angrenzenden Wald ist, durch die Wildtiere, ist natürlich auch vorhanden.» Eine weitere Problematik kommt hinzu, wenn bei einem fälligen Sicherheitsholzschlag für die Buhwilerstrasse, die Strickereien an zu fällenden Bäumen zuerst entfernt werden müssten. «Wir vom Forstbetrieb sind uns bewusst, dass sich viele Personen an dem visuell witzigen Teddybärenaufkommen erfreut haben», so Hollenstein.