Von 16 eingegangenen Projekten überzeugte das Projekt «Flaschenpost» die Kulturkommission der Stadt Wil am meisten. Besonders punktete das Projekt «durch das interaktive Element», so Hans Mäder. Die «Flaschenpost» soll nämlich nicht nur eine Anregung sein, um über das Erzählen, Lesen und Schreiben von Geschichten nachzudenken, sondern um auch selbst mitzumachen. 

Mithilfe eines digitalen Pendants zur schwimmenden, überdimensionalen Flaschenpost im Weier können «bedeutende, belanglose und schöne Geschichten» (Hans Mäder) auf einer Webseite in die Flaschenpost gelegt werden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden die Geschichten gesammelt und dann bei einem öffentlichen Anlass wieder zum Leben erweckt. So entwickelt sich das Kunstwerk zusammen mit der Wiler Bevölkerung und ihren Geschichten bis ins Frühjahr 2023.

Kontrast zur schnelllebigen Zeit

Die «Flaschenpost» soll ein Kontrast zu dieser schnelllebigen und pulsierenden Zeit sein, da eine Flaschenpost viel Zeit braucht, um anzukommen. Ob sie überhaupt ankommt, sie jemand lesen wird oder darauf reagiert, ist aber nicht klar. Das steht im Gegensatz zur heutigen Zeit, bei der es immer direktes und schnelles Feedback zu Veröffentlichungen gibt, so erklärt das Künstlerduo Andrea Züllig und Heiko Schätzle. Bei dieser Flaschenpost muss zwei Jahre gewartet werden und was dabei rauskommt steht noch nicht fest.

Die Inspiration kam dem Künstlerduo nach einem Besuch am Wiler Stadtweier im Januar, als der Weier zugefroren war. Für die beiden war es besonders speziell, eine Wasserinstallation machen zu dürfen. Nachdem sie schon an einer anderen Idee für die Ausschreibung von Kunst am Weier arbeiteten, kam ihnen spontan die Idee für die Flaschenpost, welche sie nicht mehr losliess. Aussergewöhnlich an ihrer Idee ist die Verknüpfung zu anderen Medien, sprich zur Webseite, auf welcher die Geschichten hineingelegt werden können. Den beiden ist zwar noch nicht klar, wohin die Reise gehen wird, aber sie sind sehr gespannt auf die Entwicklung und haben schon viele Ideen für Veröffentlichung der gesammelten Geschichten.

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Geschichten gesucht: Die Flaschenpost am Wiler Weier lädt ein zum Erzählen.

Alle Arten von Geschichten willkommen

Alle dürfen eine Geschichte in die Flaschenpost einwerfen, sei es während einem Spaziergang um den Weier, bei welchem Tafeln mit einem QR-Code platziert sind, oder über direkt über die Webseite. Erwünscht sind alle Arten von Geschichten, Erzählungen, Gedichte, Songtexte oder andere inspirierende und bewegende Texte. «Die Nummer 1 ist noch zu vergeben», so Andrea Züllig vom Künstlerduo «bittelangsam».

Ellen Saaro