Der Lindensaal war gut gefüllt. Seit Monaten bewegt die Zukunft des Flawa-Areals die Flawilerinnen und Flawiler. In zweieinhalb Wochen stimmen sie an der Urne darüber ab, ob ein knapp 7000 Quadratmeter grosses Stück Land von der Gewerbe-Industrie-Zone in ein Wohn- und Gewerbegebiet umfunktioniert wird. Dies ist möglich, weil das Textilunternehmen Flawa für sein Werk 1 keinen Bedarf mehr hat. Die ganze Produktion findet mittlerweile im erweiterten Werk 2 statt, weil dort Abläufe optimiert werden konnten.

Also besteht die Chance, das Werk 1 abzureissen und Wohnraum für 78 Personen zu schaffen. Das entsprechende Land würde von der Flawa an Investor Florian Schällibaum der Firma «Schällibaum Ingenieure und Architekten» aus Wattwil verkauft. Der Gemeinderat von Flawil erachtet es als erstrebenswert, mitten in Flawil Wohnraum zu schaffen. Er hat darum 2016 einen Masterplan und dann im vergangenen Jahr den so genannten «Teilzonenplan Flawa-Areal Ost» erlassen. Allerdings waren nicht alle einverstanden damit. Fünf Einsprachen gingen ein. Als der Gemeinderat auf diese entweder nicht eingetreten war oder sie abgewiesen hatte, begab sich ein Referendums-Komitee auf Unterschriftensammlung – mit Erfolg. 404 Unmutsbekundungen kamen zusammen, womit das Referendum ergriffen und die Urnenabstimmung beschlossene Sache war.

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Bei der Abstimmung geht es um die Umzongung des rot eingefärbten Stück Landes.


Neue Häuser weniger hoch als das Flawa-Werk

Im Vorfeld dieser Abstimmung kreuzten nun am Dienstagabend Befürworter und Gegner die Klingen. Wer eine emotionale Diskussion erwartet hatte, sah sich getäuscht. Zuerst informierte Gemeinderat Pascal Bossart sachlich über die geplante Umzonung. Dann nahm Gemeindepräsident Elmar Metzger zu Beginn der Diskussionsrunde mit einigen Klarstellungen den Gegnern Wind aus den Segeln, noch bevor ein Sturm aufziehen konnte. «Wir wollen ganz bewusst eine Zone für viergeschossige statt nur dreigeschossige Bauten haben, damit die innere Verdichtung funktionieren kann», sagte Metzger. Es wurde auch aufgezeigt, dass der oberste Punkt der neu zu bauenden Häuser um einen Meter weniger hoch sein darf als das heute bestehende Werk 1 der Flawa. Der von den Gegnern befürchtete Wohnturm ist nicht möglich. Zudem erläuterte das Gemeindeoberhaupt auf, dass die Gegner noch ein weiteres Mal rechtliches Gehör bekommen, um sich zu wehren. Nämlich nach der Erstellung des Sondernutzungsplans, welcher für dieses Gebiet gefordert wird.

Damit wurde eines der Argumente der Gegner entkräftigt. Diese werfen dem Gemeinderat zudem «überstürztes Handeln» vor. Gemeinderat Bossart sagte zwar, dass es vergangenes Jahr tatsächlich «pressiert» habe, da man den Gestaltungsplan noch vor Inkrafttreten des neuen kantonalen Planungs- und Baugesetztes in Kraft setzen wollte. Überstürztes Handeln ist aus der Sicht des Gemeinderates aber nicht gegeben. Die Gegner haben zudem erwartet, dass vor der Abstimmung ein Bauprojekt vorliegt, aus dem Details zu den Häusern hervorgehen. Metzger entgegnete, dass kein Investor viel Geld für einen Sondernutzungsplan und die Projektausarbeitung ausgebe, wenn noch nicht einmal feststehe, ob das Land überhaupt umgezont werde.

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Flawils Gemeinderat Pascal Bossart informierte betont sachlich über die Pläne.


Bei einem Nein ist die Flawa am Zug

Da die Diskussion stets sachlich blieb, hatte der Gemeinderat sein Ziel erreicht – und ging somit als Sieger nach Punkten aus dem Abend. Auf nahezu alle Fragen konnte er eine Antwort geben. Und vor allem zeigte er auf, was passiert, wenn am 25. November ein Nein resultiert. Dann ist wieder die Flawa am Zug, etwas aus dem Areal zu machen. Im schlimmsten Fall droht mitten in Flawil eine Industriebrache.

Lesen Sie hier den Kommentar von Hallowil-Chefredaktor Simon Dudle zur Flawa-Umzonung.