Auf dem Landberg, weithin sichtbar, brannte am Funkensonntag der von Roman Stüdli aufgeschichtete Holzstoss. Die Tradition wird am ersten Sonntag nach Aschermittwoch gepflegt. In Flawil haben die Ortsbürger den Brauch vor mehr als zwanzig Jahren wieder aufleben lassen. Auf dem Landberg, wo er zum vierten Mal durchgeführt wurde, scheint er nun seinen festen Platz gefunden zu haben.Der Mensch braucht Rituale. Wenn sie lange gleichförmig gepflegt werden, können sie an Glanz einbüssen und sogar aufgegeben werden. Es kann aber sein, dass sie nach einiger Zeit vermisst werden und man sie wieder aufleben lässt.

Durchbruch des Frühlings
So ist es dem Brauch des Funkensonntags in unserer Region ergangen. Er stammt aus einer Zeit, als der Mensch gezwungenermassen noch naturverbundener lebte. Wo er – noch ohne auf angenehme Temperatur geheizte Wohnungen – nach der kalten Winterzeit den Frühling herbeisehnte. Und wo er glaubte, das Abtreten des Winters durch rituelles Abbrennen eines Holzstosses mit einer symbolischen Figur beschleunigen zu können.

Der Brauch ist heute noch – und zum Teil wieder – im schwäbisch-alemannischen Raum verbreitet, also in Teilen der Ostschweiz, in Vorarlberg, in Liechtenstein, in Süddeutschland, im Tirol und im Vinschgau. Funkensonntag ist der erste Sonntag nach Aschermittwoch, also der erste Fastensonntag.

Ein idealer Platz
Zum vierten Mal ist der Flawiler Funken auf dem Landberg aufgeschichtet und abgebrannt worden. Der Flawiler Landwirt und Ortsbürger Roman Stüdli hat der Ortsbürgergemeinde das Land zur Verfügung gestellt. Er hat den Funken zusammen mit seinem Vater Niklaus auch aufgeschichtet und am Sonntagabend angezündet. Der Böögg auf der Spitze des Funkens stammte wie in den Vorjahren von Schülern der Heilpädagogischen Schule Flawil.

Stimmungsvoller Abend
Nach einem witterungsmässig durchzogenen, recht kühlen Wochenende präsentierte sich der Sonntagabend einladend für ein Stelldichein um ein wärmendes Feuer. Zur guten Stimmung trugen auch heisse Getränke und Würste vom Grill bei. Zudem sorgte auch dieses Jahr die Guggenmusik Wyssbach-Geischter für Rhythmus und Bewegung.

Langes Warten auf den Knall
Abergläubische wollen aus dem Widerstand des Bööggs auf die Qualität des Sommers schliessen können. Dass es 50 Minuten bis zum ersten Knall dauerte, würde wenig Gutes verheissen. In Tat und Wahrheit musste sich aber die von den Schülern gefertigte Puppe lange gedulden, bis der Holzstoss Feuer fing. Auf Brandbeschleuniger war verzichtet worden. Stattdessen musste schliesslich mit einem Gebläse nachgeholfen werden. Nach einer Stunde aber brannte der Funken lichterloh, und die letzte Petarde im Böögg detonierte.