Das Thema Spitalzukunft stand nicht auf der Traktandenliste. Und es gab dazu auch weder eine Diskussion noch eine Beschlussfassung. Dass man aber in Flawil mit der Umwandlung des Spitals in «Arztpraxen mit 24-Stunden-Betrieb» absolut nicht einverstanden ist, brachte Gemeindepräsident Elmar Metzger überdeutlich zum Ausdruck. Die unterschiedliche medizinische Versorgung der Bevölkerung im Kanton verlange nach individuellen Lösungen. Für Flawil gäbe es eine gute und finanzierbare Lösung. Die untaugliche Lösung der Regierung sei weder mit den Hausärzten, noch mit den Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims abgesprochen. «Wir haben den Vernehmlassungsbericht der Regierung zur Zukunft der Spitäler gut studiert. Uns stehen die grauen Haare zu Berg», sagte Metzger, «niemand hat die über die Daumen gepeilten Schätzungszahlen des Kantonsspitals kritisch überprüft.»

Die viel zu pessimistischen Budgets bildeten ungeprüft die Grundlage für die Finanzplanung der nächsten 20 Jahre. Die Annahme, dass sich nach der Schliessung des Spitals Flawil ein Viertel der Patienten nach Wil orientierten, sei ein fataler Irrtum. Demzufolge wäre auch die Zukunft des Spitals Wil nicht langfristig gesichert. Das Kantonsspital St Gallen werde weiter ausgebaut und zu einem Universitätsspital gemacht. Die Kosten explodierten, und es entstehe ein medizinischer Stadt-Land-Graben. In Flawil werde man sich gegen eine solche Entwicklung und gegen den Verlust des eigenen Spitals mit 160 qualifizierten Mitarbeitenden mit aller Kraft zur Wehr setzen.

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Die gefährdete Zukunft des Spitals Flawil war kein Traktandum der Bürgerversammlung, aber Thema einer schonungslosen Kritik an den verantwortlichen Kantonalgremien durch den Gemeindepräsidenten.


138, 135 oder 133 Prozent?

Das Budget der Gemeinde Flawil für das Jahr 2020 wurde mit wenig Gegenstimmen genehmigt. Es rechnet bei einem Gesamtertrag von 56,5 Millionen Franken mit einem Verlust von 172'800 Franken. Dieser entspreche ungefähr einem Steuerprozent. Er könne, sagte Gemeindepräsident Elmar Metzger, durch das Eigenkapital, das über 4 Millionen Franken beträgt, problemlos gedeckt werden. Der Gemeinderat schlug eine Senkung des Steuerfusses um 5 Prozent – von 138 auf 133 Prozent – vor, welche schliesslich genehmigt wurde. Für die SP hatten sich Barbara Pedegai und Peter Hartmann dafür ausgesprochen, den Steuerfuss auf 138 zu belassen und die Sanierung der öffentlichen Bauten zu beschleunigen. FDP-Präsident Roland Roos hätte sich eine Senkung um 6 Prozent gewünscht, hat aber auf einen entsprechenden Antrag verzichtet. Dagegen hatte Dani Müller eine Senkung um 3 auf 135 Prozent vorgeschlagen und keine Mehrheit gefunden. Seiner Meinung nach müsste die Behörde Vereine und wohltätige Institutionen stärker unterstützen.

Die Jahresrechnung 2019 dürfte mit einem Überschuss zwischen einer und zwei Millionen Franken abschliessen, prognostizierte der Gemeindepräsident.


Kein Brückenneubau Bogenstrasse

Der Investitionsplan sah für das kommende Jahr Nettoinvestitionen von 5,85 Millionen Franken vor. 2,85 Millionen Franken gehen zu Lasten des allgemeinen Haushalts. 3 Millionen Franken betreffen den spezialfinanzierten Bereich der Abwasserbeseitigung, welcher über Gebühren und Abgaben finanziert wird. Das Budget enthielt neue Kredite im Umfang von einer Million Franken. Im Jahr 2020 sollten im Oberstufenzentrum Feld ein neues Laborzimmer eingebaut, der Spielplatz Vögelipark neu gestaltet und die Brücke über den Buebentalerbach zur Verbindung der Toggenburgerstrasse mit der Bogenstrasse neu gebaut werden. Das letztere Bauvorhaben, mit 550'000 Franken budgetiert, löste eine grosse Diskussion aus. Anwohner der Bogenstrasse und der Toggenburgerstrasse bezeichneten den Neubau der Brücke als überflüssig und die vorgesehene Verkehrsführung als kontraproduktiv. Schliesslich wurde der Antrag auf Streichung des Budgetpostens gutgeheissen, womit sich die Investitionen um gut eine halbe Million Franken reduzieren.

Vorschulische Förderung

Im Budget 2020 ist auch ein Betrag von 25'000 Franken enthalten mit welchem die Gemeinde erreichen will, dass möglichst alle dreijährigen Kinder eine Spielgruppe besuchen können. Zu diesem Zweck wurde vorgeschlagen, an die Eltern Betreuungsgutscheine im Wert von 250 Franken abzugeben. Rosa Fässler lehnte den Vorschlag nicht grundsätzlich ab. Sie wollte ihn aber auf einkommensschwache Familien beschränken, was eine Halbierung des Budgetpostens zur Folge gehabt hätte. Die Mehrheit aber der Stimmberechtigten aber folgte dem Antrag der Behörde, so dass künftig alle Kinder die Spielgruppe oder die Tagesstätte «Karussell – Haus für Kinder» vergünstigt besuchen können.


Verwirklichte Träume

«Was du erträumen kannst, kannst du auch erreichen». Mit diesem Zitat, das zugleich das Lebensmotto von Severin Pfeffer ist, leitete Gemeinderat Eddie Frei die Laudatio zur Überreichung des Flawiler Preises 2019 ein. Severin Pfeffer ist der 10. Preisträger und der erste noch nicht 30-jährige. 2015 hat er den Verein Muscalfieber gegründet und führt in seither als Präsident. Unter seiner Leitung sind bereits vier Musicals aufgeführt worden. Für das letzte, «9 to 5» hat der Verein am kantonalen Jugendprojekt-Wettbewerb einen Anerkennungspreis gewonnen. Für das kommende Jahr ist ein neues Musical in Planung. 

Entstanden ist der Preis im Jubiläumsjahr 1150 Jahre Flawil. Er ist mit 1150 Franken plus ein Franken für jedes seit dem Jubiläumsjahr verflossene Jahr, heuer also mit 1161 Franken dotiert.