Seit die St. Galler Regierung im vergangenen Herbst publik gemacht hat, dass fünf Spitäler des Kantons zu Notfallzentren herabgestuft werden sollen, wird so manch eine kreative Idee präsentiert. So haben sich zum Beispiel die Gemeindepräsidenten der fünf betroffenen Gemeinden zu einer Spitalkonferenz vereint. Sie wollen so genannte Med-Plus-Spitäler errichten. Bei diesem Phantasiebegriff handelt es sich um Spitäler, die rund um die Uhr betrieben werden, über einen Operationssaal für ambulante Eingriffe sowie über mehrere Dutzend Betten verfügen. Damit wehren sich die fünf Gemeinden gegen die «4plus5»-Strategie der Regierung.

Ebenfalls wenig anfangen mit «4plus5» kann das Ärztenetzwerk «Xundart», welches seinen Sitz an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil hat. Dieses tritt nun im Rahmen einer Vernehmlassungs-Antwort mit einer pikanten Idee an die Öffentlichkeit: In Bazenheid soll ein neues Mehrsparten-Spital gebaut werden. Dieses soll die Standorte Wil, Wattwil und Flawil ersetzen. Dies berichtet der Fernsehsender TVO am Montagabend mit Bezug auf eine Medienmitteilung von «Xundart». Damit könne eine gute Erstversorgung gewährleistet und die Nachfolgeproblematik beim medizinischen Personal entschärft werden. Na bumm.

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Stadt und Regio Wil schiessen zurück (13.1.20)

Der Aufruf hallte laut aus dem Tal herab: Die Gruppierung «Spital Wattwil erhalten, Spital Wil schliessen» trägt ihre Absicht bereits im Namen. Der Zusammenschluss von inzwischen fast 300 Personen, darunter die SVP-Kantonsräte Ivan Louis aus Neu St. Johann und Linus Thalmann aus Kirchberg, wehrt sich gegen die Umwandlung des Spitals Wattwil in ein sogenanntes «Regionales Gesundheits- und Notfallzentrum» ohne stationäres Angebot, wie es die letzten Herbst veröffentlichte Spitalplanung des St. Galler Regierungsrats vorsieht. Stattdessen solle das Spital Wil geschlossen werden, fordert die Gruppe. Mit den Spitälern Frauenfeld, Winterthur, Herisau und St. Gallen sei das Einzugsgebiet des Spitals Wil «bestens abgedeckt», während die Bevölkerung im Toggenburg plötzlich ohne richtiges Spital dastünde, sollte die Spitalstrategie «4plus5»in ihrer aktuellen Fassung umgesetzt werden.

«Schädlich für beide Regionen»

Nun antworten die Stadt Wil und der Verein Regio Wil auf die markigen Töne aus dem Toggenburg in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Interessengruppe, welcher auf St. Galler Kantonsgebiet die Gemeinden Wil, Jonschwil, Kirchberg, Lütisburg, Niederhelfenschwil, Oberbüren, Oberuzwil, Uzwil und Zuzwil angehören, und die Stadt bezeichnen die geäusserte Forderung als «unvernünftig» und «schädlich für beide Regionen». Das Spital Wil verfüge mit über 116’000 Menschen in seinem Einzugsgebiet über ein für das Spital Wattwil unerreichbares Patientenpotential. Patienten aus dem Grossraum Wil würden sich kaum in Wattwil behandeln lassen. Dass diese Patienten ins Kantonsspital St. Gallen oder andere Kantone abwandern, könne nicht im Interesse der Region und des Kantons sein.

Für Wil spreche zudem die gute Anbindung an Autobahn und Zugverkehr. Ein Punkt, der entscheidend sei, wenn es darum gehe, gutes Fachpersonal in Medizin und Pflege zu bekommen. Das Argument, wonach im Toggenburg im Fall der Schliessung des Spitals Wattwil eine genügende medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet sei, lässt die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann nicht gelten. Mit Wil, Uznach und Grabs würden drei der vier in der Spitalstrategie vorgesehenen Spitäler die Versorgung der Toggenburger Bevölkerung auch in Zukunft garantieren, sagt sie auf Nachfrage von hallowil.ch.

hallowil.ch-Leser sind für das Wiler Spital

Und was sagen die Leser von hallowil.ch zu dieser Thematik? Wenig überraschend stützen Sie dem Spital Wil den Rücken. Schon deutlich über 400 Personen haben sich seit Sonntag an der Umfrage beteiligt, ob der Erhalt des Spitals Wattwil und die Schliessung des Spitals Wil eine gute Sache sei. Eine Drei-Viertel-Mehrheit antwortet mit «Nein». Die Umfrage ganz unten an diesem Dossier ist weiterhin aktiv. (pro)

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Toggenburger fordern: Spital Wil schliessen (12.1.)

Es sind mehr als nur deutliche Worte: «Die Spitäler Frauenfeld, Winterthur, Herisau und St. Gallen decken das Einzugsgebiet des Spitals Wil bestens ab. Ohne Spital Wattwil kann der Kanton St. Gallen aber keine genügende Gesundheitsversorgung garantieren. Aufgrund dieser Ausgangslage fühlen wir uns zu drastischen Forderungen gezwungen. Spital Wattwil erhalten, Spital Wil schliessen.» Das ist eine der Kernaussagen einer Gruppierung aus dem Toggenburg, welche sich für den Erhalt des Spitals Wattwil einsetzt. An vorderster Front kämpft SVP-Kantonsrat Ivan Louis aus Neu St. Johann für diesen Plan. Aber längst nicht nur er. Auf der Website www.wattwil-erhalten.ch wird mit Porträt-Bild, Vor- und Nachname aufgeführt, wer dieses Vorhaben unterstützt. Bis am Montagvormittag waren schon über 260 Personen aufgelistet – vornehmlich aus dem mittleren und dem oberen Toggenburg. Einer von ihnen ist aber auch der Kirchberger SVP-Kantonsrat Linus Thalmann.

Regierungspläne «nicht grundsätzlich falsch»

Die Gruppierung anerkennt, dass aufgrund der maroden finanziellen Situation im Spitalwesen «dringend Handlungsbedarf angezeigt» ist. Die von der St. Galler Regierung Strategie «4plus5», welche eine Reduktion der Spitäler Wattwil, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Altstätten zu Notfallstationen vorsieht, wird nicht grundsätzlich als falsch bezeichnet. Jedoch würden die Anliegen der ländlichen Bevölkerung zu wenig berücksichtigt. «Die Regierung wollte aus abstimmungstaktischen Gründen den Spitalstandort Wil niemals zur Diskussion bringen. Mit einer Betrachtung über die Kantonsgrenzen hinweg ist das aber notwendig», schreibt die Gruppierung.

Und das sind die Forderungen an die Adresse der Regierung im Wortlaut:

  • Wir fordern die Regierung auf, die Vernehmlassungs-Antworten zu ihrer Spitalstrategie seriös zu bearbeiten. Zahlreiche Vernehmlassungs-Antworten haben gefordert, dass in Wattwil weiterhin ein Spital betrieben wird und stattdessen der Standort Wil aufgelöst bzw. in ein Gesundheits- und Notfallzentrum umgewandelt wird.
  • Wir fordern deshalb die Regierung auf, dem Kantonsrat eine Variante der Spitalstrategie zu unterbreiten, bei welcher der Standort Wattwil weiterhin als Spital betrieben wird, der Standort Wil aber nicht mehr weiter als Spital genutzt wird.
  • Eine Veräusserung des Spitals Flawil soll unter diesen Umständen neu geprüft werden.

Auch Flawil schiesst Richtung Wil

Apropos Flawil: Auch von dort gerät das Spital Wil unter Druck. Im November war die Forderung publik geworden, dass man sich in Wil den Pilotversuch eines Notfallzentrums vorstellen könne. Diese Forderung wurde im Zuge der Gründung der so genannten «Spitalkonferenz» laut. Dieser gehören jene fünf Gemeinden an, deren Spital zu einem Notfallzentrum redimensioniert werden soll, also namentlich Flawil, Wattwil, Rorschach, Walenstadt und Altstätten. Den Erhalt das Spitals Wil wird als fragwürdig eingestuft, weil laut Regierung 170 Millionen Franken in den Standort investiert werden müssten.

Am kommenden Dienstag (14. Januar) wird die Spitalkonferenz vor die Medien treten und die gemeinsame Haltung zur «4plus5»-Strategie präsentieren. Dabei sollen konkrete politische Forderungen an die Regierung und den Kantonsrat gerichtet werden. hallowil.ch wird von diesem Anlass berichten.

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Kritik am Standort Wil wird laut (28.11.19)

Untauglich. So das Fazit der fünf Stadt- und Gemeindepräsidenten aus Flawil, Wattwil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt. Die Spitäler in jenen Orten sollen durch Notfallzentren ersetzt, also drastisch redimensioniert werden, wenn es nach der St. Galler Regierung geht. Darum haben sich diese Gemeinden zur Spitalkonferenz zusammengeschlossen – und äussern harsche Kritik. Dabei kommt auch der Spitalstandort Wil unter Druck, da dort «nach den Aussagen der Regierung in den kommenden Jahren 170 Millionen Franken investiert werden müssen».

Die Spitalkonferenz schreibt in einer gemeinsamen Stellungnahme: «Statt einer vertiefenden individuellen Prüfung der von Seiten der Standortgemeinden eingebrachten Vorschläge wurden diese beispielsweise bei den Standorten Altstätten, Walenstadt und Wattwil über einen Kamm geschert und als gleichwertige Alternativen analysiert und behandelt. Auf unterschiedliche Aspekte der Vorschläge wurde nicht eingegangen.» Die angedachten Notfallzentren sind aus der Sicht der Spitalkonferenz «weder zielführend noch überlebensfähig». Sie würden weder die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllen noch wirtschaftlich betrieben werden können.

Mehrere Dutzend Betten pro Standort

Die Mitglieder der Spitalkonferenz erwarten von der Regierung, dass sie ein differenziertes medizinisches Angebot pro Spitalstandort anstelle der vorgestellten standardisierten Lösung ausarbeitet. Hierbei sollen auch die möglichen Veränderungen der Patientenströme in ausserkantonale Spitäler sowie ins Kantonsspital St.Gallen mitberücksichtigt werden. Es wird auch ein konkreter Umsetzungs-Vorschlag gemacht: Pro Standort soll ein «medizinisches Basisangebot der allgemeinen und inneren Medizin» - ambulant und stationär – angeboten werden. Dieses soll regionalspezifisch durch verschiedene Zusatzangebote wie Akutgeriatrie, Psychosomatik oder Palliativmedizin ergänzt werden.

Diese so genannten «Med-Plus-Spitäler» sollen in Zusammenarbeit mit den Ärzten der Region während 24 Stunden pro Tag und 365 Tagen im Jahr betrieben werden, spezialärztliche Sprechstunden anbieten und – je nach Standort - über einen Operationssaal für ambulante Eingriffe sowie über mehrere Dutzend Betten verfügen. So die Idee der Spitalkonferenz.

Zusammenarbeit mit Privatklinik noch aktuell

Sollten die Notfallzentren aber doch ein Thema sein, so kann sich die Spitalkonferenz einen Pilotversuch in Wil vorstellen, um mehr Wissen und Erfahrungen über die Nutzung, die Kosten, das benötigte Personal und der Verschiebungen der Patientenströme zu erhalten. Denn die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg mit den Standorten Wattwil und Wil wird als «nicht überlebensfähig» beurteilt.

Notiz am Rande: Für die Gemeinde Flawil ist eine Zusammenarbeit mit der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network (SMN) nicht vom Tisch. In den vergangenen Monaten hat der Gemeinderat zusammen mit SMN eine massgeschneiderte und zukunftsfähige Lösung für das Spital Flawil entwickelt. In die Erarbeitung des Konzepts waren auch Hausärzte der ganzen Region sowie die Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims eingebunden. Die Lösung hat den Gemeinderat überzeugt, wie er in einer Mitteilung schreibt. (pd/red)