eDas ist mal eine Herausforderung: Zwischen Donnerstagmittag und Freitagmittag haben die Oberstufenschüler von Bichelsee und Balterswil Grosses vor. Zu Fuss wollen sie von «ihrer» Schule Lützelmurg auf den Bundesplatz in Bern laufen. Die Gesamtstrecke beträgt 178 Kilometer. In Bern wird eine politische Botschaft an die Thurgauer Ständeräte Brigitte Häberli (CVP) und Jakob Stark (SVP) überbracht. Diese lautet: Bis im Jahr 2030 haben alle Thurgauer Schulen eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und können den eigenen Stromverbrauch erwirtschaften. Im Gegensatz zu anderen Klimaforderungen dieser Woche werden die Hinterthurgauer angehört, denn Brigitte Häberli und Jakob Stark werden die Schüler auf dem Bundesplatz erwarten - zusammen mit Nationalrat Kurt Egger (Grüne). Mit der Klima-Demonstration dieser Woche hat dieser Lauf übrigens nichts zu tun.

Gewitter am Donnerstagabend

Am Donnerstagmittag um Punkt 12 Uhr ist der Startschuss erfolgt - vom Grünen-Kantonsrat Bernhard Braun. Seither läuft der «Run To Bern». Das Ziel der ersten Etappe wurde um etwa 17.30 Uhr erreicht: Glattbrugg. Dort übergab die erste Klasse an einen zweite. "Wir sind im Zeitplan. Alles wie geplant", resümierte Haupt-Organisator und Lehrer Daniel Bangerter. Während sich die ersten Schüler bereits im Auto auf den Rückweg Richtung Hinterthurgau machten, ging es für die nächsten so richtig los. Zu Fuss. Mit dem Ziel: Um Mitternacht soll Aarau erreicht sein.

Doch dann wurde das Wetter, wie erwartet, zum Gegenspieler. "Es gab ein Gewitter und zwei, drei Verirrungen. Nun sind aber wieder alle auf dem Weg Richtung Baden und Wettingen", sagte Daniel Bangerter am Donnerstagabend zu hallowil.ch. Man habe sich im Verkehrschaos circa eine Stunde lang verirrt, sein nun aber wieder "back on track".

Planänderung in Langenthal

Bis Langenthal wurde wacker Wind und Wetter getrotzt - und gelaufen. Also die ganze Nacht hindurch bis um 7 Uhr morgens. Doch dann musste umdisponiert werden. "Aufgrund von verschiedensten Problemen mit dem Wetter, mit der Dunkelheit, mit den Elektrofahrzeugen und vor allem mit fehlenden Elektro-Tankstellen müssen wir eine Planänderung vornehmen. Die letzte Klasse kann nicht im Staffellauf nach Bern laufen", sagte Daniel Bangerter am Freitagmorgen zu hallowil.ch. Die Planänderung sieht so aus: Mit Zug von Langenthal bis nach Zollikofen. Von dort werden die letzten sieben Kilometer in einer 22er-Gruppe gemeinsam bis auf den Bundesplatz gerannt. Gesagt, getan: Nach elf Uhr kam die Hinterthurgauer Delegation in Bern an und haben am Freitagmittag um 12 Uhr die Message an die Politiker überbracht. "Wir waren stärker als die Autos", sagt Daniel Bangerter und spielte darauf an, dass diese zu lange brauchten bei der Aufladung.

Im Video: Der Startschuss und die ersten Meter

 

Im Video: Die erste Etappe ist geschafft

 

Im Video: Laufen by Night

 

Im Video: Umdisponieren in Langenthal

 

Im Video: Auf dem Bundesplatz:

 

Bildergalerie vom «Run To Bern»:

_______________________________________________________________________________

Die Vorschau (22.9.20)

Es ist der September der Challenges auf hallowil.ch. Zuerst schickte sich der Turnverein Niederhelfenschwil an, in einem Tag von Niederhelfenschwil auf den Hausberg Säntis zu wandern und dabei 38 Kilometer sowie über 2000 Höhenmeter zu überwinden. Nach elf Stunden waren die ersten oben. Eine Woche später nahmen sich 12 Velo-Freaks aus der Region Wil vor, an einem Tag 228 Kilometer weit von Wil bis nach Bellinzona zu fahren, San-Bernardino-Passhöhe inklusive. Auf dem Rennvelo und ohne Motor, versteht sich. Auch das glückte.

Nun steht die nächste Challenge an. Und auch diese hat es in sich. Vier Oberstufen-Klassen aus dem Hinterthurgau nehmen sich vor, innerhalb von 24 Stunden von Balterswil bis auf den Bundesplatz in Bern zu rennen. 178 Kilometer ist die Strecke lang. Dies im Rahmen des neuen Schulfachs «ERG» (Ethik, Religionen, Gemeinschaft). «Eine Einzelperson würde es niemals schaffen, zu Fuss innerhalb von nur 24 Stunden diese Strecke zu meistern. Auch die Energiewende kann niemand allein schaffen. Wenn man allein lebt, ist die Lebensqualität an einem kleinen Ort versteckt», sagt Lehrer Daniel Bangerter, der diesen Lauf zusammen mit den Schülern organisiert.


4 Klassen, 4 Etappen, 1 Ziel

Los geht es diesen Donnerstagmittag um 12 Uhr beim Schulhaus Lützelmurg in Balterswil. Die Schüler laufen zu zweit je Strecken zwischen 1,5 und 2,5 Kilometern, um dann an das nächste Duo zu übergeben. Die erste Klasse trägt den Stafettenstab bis Oerlikon Bahnhof. Um Mitternacht soll die virtuelle olympische Fackel durch die zweite Klasse Aarau erreicht haben, wo die nächste Übergabe stattfindet. Durch die Nacht und in den Morgen hinein wird der Abschnitt bis nach Herzogenbuchsee zurückgelegt. Die vierte Klasse soll den Lauf komplettieren. Zielankunft ist am Freitagmittag um 12 Uhr auf dem Bundesplatz geplant. Durch die vielen Wechsel soll das Tempo konstant hoch gehalten werden.

Die letzten zwei Kilometer werden alle 100 Schüler gemeinsam mit den Begleitpersonen zurücklegen, um das gemeinschaftliche Element in voller Intensität erleben zu können. Thurgauer Politiker in Bundesbern sind von der Aktion angetan. So werden die Ständeräte Brigitte Häberli (CVP) und Jakob Stark (SVP) sowie Nationalrat Kurt Egger (Grüne) die vier Klassen auf dem Bundesplatz empfangen. Die Läufer übergeben dort eine politische Forderung. Einen Zusammenhang zwischen dieser Challenge und der derzeit auf dem Bundesplatz laufenden Klima-Demonstration gibt es nicht.