Die Tendenz ist eindeutig. Der Mitgliederbestand des Fördervereins Tonhalle Wil hat sich im vergangenen Jahr um 9 auf noch 82 reduziert. Kein einziger Eintritt konnte verzeichnet werden. Da somit auch Mitglieder-Beiträge – eine Privatperson zahlt 150 Franken im Jahr, eine Firma 350 Franken – ausblieben, resultierte ein Verlust von gut 10'000 Franken. Existenzbedrohend ist dies nicht. Oder zumindest noch nicht. Denn der Verein hat noch immer ein Guthaben von rund 38'500 Franken. Geht es aber so weiter, wird man sich in spätestens in vier Jahren die Existenzfrage zu stellen haben. Für 2019 ist ein Verlust von 7500 Franken veranschlagt.

Der Zweck des Vereins ist es, vermehrt die junge Generation in die Tonhalle zu bringen. Und zwar mit speziellen, auf diese Zielgruppe zugeschnittenen Veranstaltungen. So wurde anfangs Monat «Macbeth» für die Kantonsschulen Wil und Wattwil aufgeführt. Am 4. Mai findet das Schattenspiel «Moving Shadows» statt, im November der Anlass «Young Charity» der Jugendarbeit Wil, bevor im Januar 2020 ein Kindermusical über die Bühne geht.

Das Angebot von DSDS

Alle drei Jahre wird seit 2015 eine Casting-Show nach dem Vorbild von deutschen Privatsendern organisiert. 26 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren hatten sich vergangenes Jahr bei der zweiten Durchführung von «Das grösste Talent der Region Wil» für das Casting angemeldet, 12 schafften es in die Finalshow. Als Sieger ging Yannis Keller hervor. Und siehe da: Er wurde sogar vom grössten Vorbild «Deutschland sucht den Superstar» angefragt, ob er teilnehmen wolle. Jedoch ging er dann schliesslich nicht hin. Die nächste Durchführung der Wiler Version geht im Jahr 2021 über die Bühne.

Trotz der Bemühungen, die Jungen anzusprechen, kann bis jetzt nicht geerntet werden. Das Durchschnittsalter der Mitglieder im Förderverein ist hoch, jugendliche Gesichter sieht man keine. Es wird eine Herkules-Aufgabe, jugendliches Blut für den Verein zu gewinnen – zumal dieser als Förderverein kaum gesellschaftliche und somit zusammenschweissende Anlässe kennt. Neue Mitglieder sollen beim dritten Kulturdinner im November gewonnen werden. Das «Duo Calva» wird bei diesem öffentlichen Anlass auf den Celli unterhalten. «Wir versuchen permanent, neue Mitglieder zu finden. Aufgaben wollen wir noch nicht», sagt Kaspar Ruesch, Präsident der Tonhallen-Fördervereins.

Eine grosse Aufgabe

Vielleicht hilft auch frisches Blut im Vorstand. In diesen wurde am Donnerstagabend im Rahmen der Hauptversammlung Jean-Pierre Emery gewählt, der bisher mehr als Fastnächtler denn als Kultur-Mensch von sich reden gemacht hat. Er gehörte bis vor zwei Jahren dem 9er-Rat der Wiler Fastnacht an und bildete zwischen 2004 und 2006 zusammen mit seiner Frau Elisabeth Eberle das Prinzenpaar. «Da ich die kulturelle Welt bisher weniger kenne, möchte ich mich mit anderen Gedanken einbringen», sagte er nach seiner Wahl.