Die Oberuzwiler Stimmbürger haben am 26. November das während der Amtsdauer zurückgetretene Mitglied des Gemeinderates Thomas Müller, FDP, zu ersetzen. Die FDP hat Rechtsanwältin Ingrid Markart-Kaufmann nominiert. Die CVP schickt Patrick Schätti, Leiter des Pflegezentrums Wolfgang, ins Rennen. Die vier Ortsparteien haben die Möglichkeit geschaffen, die Kandidatin und den Kandidaten sowie deren Stellungnahmen zu aktuellen Fragen der Gemeindepolitik kennen zu lernen. Wahlen ohne echte Auswahl sind verpönt. Wenn der Stimmbürger zur Urne gerufen wird, möchte er einen eigenen Entscheid treffen können und nicht einfach einen Parteientscheid absegnen müssen. Wenn dann noch – wie in Oberuzwil – zwei Bewerber zur Wahl stehen, denen beide gute Qualifikation attestiert wird, ist die Situation komfortabel. Auch wenn dann für den einen und anderen die Wahl vielleicht zur Qual wird. Der Vorstand der SP erachtet beide Kandidaten als valabel und hat bereits Stimmfreigabe beschlossen.

Drei Jahre verbleiben
Paul Stengel, Präsident der FDP-Ortspartei, begründete einleitend die Nachwahl-Situation. Thomas Müller, der seine Rücktrittsabsicht vor der Gesamterneuerungswahl bekundet habe, sei gebeten worden, noch bis zur Verabschiedung der neuen Gemeinde- und Schulordnung zu bleiben. Nun sei alles auf guten Wegen. Der Rücktritt von Thomas Müller ermögliche dem neuen Gemeinderatsmitglied eine Einarbeitungszeit von drei Jahren bis zum nächsten ordentlichen Wahltermin. Mit Ingrid Markart präsentiere die FDP eine ausgewiesene Kandidatin.

CVP portiert Gewerbevertreter
Thomas Franck, Präsident der CVP-Ortspartei, betonte, dass sich die Kandidatur von Patrick Schätti nicht gegen die FDP-Kandidatin richte, sondern die Gemeinde im Blickfeld habe. Im Besonderen möchte man mit ihm das Gewerbe im Gemeinderat vertreten sehen. Und ausserdem würde die Partei gerne den beim Rücktritt von Schulratspräsidentin Silvia Mahrle kampflos preisgegebenen Gemeinderatssitz zurückerobern.

Stärken der Bewerber
Gemeinsam ist den beiden Bewerbern das heutige Betätigungsfeld im Pflegebereich: Ingrid Markart als Leiterin des Pflegeheims Pelago in Rorschacherberg, Patrick Schätti als Leiter des Pflegezentrums Wolfgang in Oberuzwil. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Sie war alleinerziehende Mutter. Seit ihrer Scheidung vor 18 Jahren wohnt sie wieder in Oberuzwil, wo sie aufgewachsen ist. Nach der Volljährigkeit ihres Sohnes wäre sie nun bereit, sich politisch zu engagieren.

Ihren für eine Rechtsanwältin eher aussergewöhnlichen Arbeitsplatz begründet Ingrid Markart mit der Sinnhaftigkeit der Aufgabe, welche für sie absolut zentral sei. Sie sagt von sich, vielseitig interessiert, lernfähig und eine Unternehmerin zu sei. Patrick Schätti bezeichnet sich als lösungsorientiert, bodenständig, teamfähig und kommunikativ.

Werte erhalten
Der Blick in die Kristallkugel ergibt für beide Bewerber ein positives Bild von Oberuzwil. Im Jahre 2030 – sie hätten dann Oberuzwil ein Dutzend Jahre mitgestalten können – ist die Gemeinde für Patrick Schätti auf der Höhe der Zeit. Allerdings muss sie dazu den heutigen Werten treu bleiben. Ingrid Markart erwartet ein hohes Niveau der Schulen, eine attraktive Wohngemeinde und gute Verkehrsverbindungen.

Welchen Beitrag sie zur Weiterentwicklung leisten können, liessen die Kandidaten weitgehend offen – sicher zu Recht. Im neuen Amt müsse man sich zuerst informieren, bevor man sich eine Meinung bilden könne. Ingrid Markart brandmarkte die heute verbreitete Besserwisserei, bevor sich jemand gründlich in ein Thema eingearbeitet habe. Auch Patrick Schätti möchte keine voreiligen Schlüsse ziehen, sondern das Geschehen aufmerksam und wertschätzend verfolgen.

Schulrat beibehalten
Die neue Schulordnung geht nach Ansicht beider Kandidaten genügend auf die Wünsche der Bevölkerung ein. Den Schulrat in seiner heutigen Stellung erachten sie als weiterhin notwendig und die ihm zugeteilten Aufgaben als sinnvoll.

Kindertagesstätten sehen sie als wichtige Institutionen, deren Betrieb sei aber nicht Aufgabe der Gemeinde.

Im Umgang der Schule mit den Eltern setzt Ingrid Markart als Juristin nicht auf Rechtsnormen, sondern auf das Gespräch und auf das Aufzeigen von Möglichkeiten. Patrick Schätti ist überzeugt, dass er aus seiner beruflichen Erfahrung hie und da beratend eingreifen könnte.

Delikate «alte Gerbi»
Was die Gemeindefinanzen betrifft, sind beide Bewerber überzeugt, dass Oberuzwil solid dasteht. Bei ihrem heutigen Kenntnisstand, gaben sie aber keine Empfehlung auf eine Senkung des Steuerfusses ab.

Was die Zukunft der «alten Gerbi» betrifft, glauben beide, dass dieses Gebäude an einem günstigen Platz und mit einem emotionalen Wert einen sorgsamen Umgang verdiene. Patrich Schätti regte eine Diskussion mit den Bürgern an. Ingrid Markart könnte sich einen Wettbewerb bezüglich der künftigen Nutzung vorstellen.

Der Bau von Alterswohnungen wurde als private Angelegenheit bezeichnet. Erwünscht wären nach Ansicht von Ingrid Markart aber generationenübergreifende Projekte. Ausserdem sprach sie sich für Zweierzimmer in Pflegeheimen aus, weil lauter Einzelzimmer in Zukunft möglicherweise zu teuer würden.


Oberuzwil soll selbständig bleiben
Sowohl Ingrid Markart als auch Patrick Schätti wurden von Max Rombach gefragt, welche Haltung sie gegenüber einer möglichen Fusion von Uzwil und Oberuzwil einnähmen. Beide antworteten praktisch deckungsgleich, dass zwar die Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen noch verstärkt und Synergien genutzt werden könnten. Einer Vereinigung der beiden Gemeinden stehen sie jedoch ablehnend gegenüber. Das Wohndorf Oberuzwil und das Industriedorf Uzwil passen für Patrick Schätti nicht zusammen. Für Ingrid Markart ist es nicht sinnvoll eine optimale Organisationsgrösse zu überschreiten.