Es ist eine herausfordernde Situation für alle Beteiligten: Wegen den verschärften Massnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus sind die Schweizer Schulen seit etwas mehr als vier Wochen geschlossen. Seit dem Bundesrats-Beschluss vom 13. März lernen Kinder zu Hause, Lehrer unterrichten aus der Ferne und Eltern übernehmen neben der Betreuung auch die pädagogischen Aufgaben. Jutta Röösli, Wiler Schulratspräsidentin, ist der Meinung, dass die ganze Situation mit dem Fernunterricht in Wil bisher gut bewältigt wurde. Röösli ist erleichtert, dass es nun einen Fahrplan für die Schulen aus dem Lockdown gibt: Immerhin sieht der Bundesrat vor, dass die Schüler der obligatorischen Schulen am 11. Mai in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen. Die Mittel-, Berufs- und Hochschulen dürfen am 8. Juni ihren Betrieb wieder aufnehmen.

«Vier Wochen müssen überbrückt werden»

Doch warum werden die Schweizer Schulen überhaupt in Etappen und nicht gleich alle gleichzeitig in Betrieb genommen? Am Donnerstag erklärte Bundesrat Alain Berset, dass dies so entschieden wurde, weil die jüngeren Kinder die Krankheit seltener bekommen und diese weniger übertragen. Ausserdem sei der Bewegungsradius der jüngeren Schüler geringer als derjenige von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Trotz allem müssen auch die Schulen die Hygienevorschriften und Abstandsregeln einhalten. Laut Schulratspräsidentin Röösli sind das Herausforderungen über die man sich jetzt schon Gedanken machen muss. «Zuerst gilt es aber, die weiteren vier Wochen gut zu überbrücken», sagt Röösli. 

 
Jutta Röösli, Wiler Schulratspräsidentin, redet über den Bundesrats-Entscheid und die Wiedereröffnung der Schulen am 11. Mai. (Video Magdalena Ceak)

Viele Eltern haben sich in den vergangen Wochen während des Fernunterrichts und der vollumfänglichen Betreuung zu Hause Gedanken über mögliche Bildungslücken ihrer Kinder gemacht. Doch wird es diese Bildungslücken überhaupt geben? Wenn ja, wie gross werden sie sein? «Natürlich wird nach den Wochen im Fernunterricht bei einigen Schülern der Schulstoff aufgeholt werden müssen», sagt Röösli, «aber ich bezweifle, dass wir hier von Bildungslücken reden müssen.»